Kernenergie steht wieder im Fokus der globalen Energiepolitik. Rechenzentren und Künstliche Intelligenz verwandeln Strom in eine knappe Ressource der Digitalwirtschaft und Technologiekonzerne schließen langfristige Abnahmeverträge direkt mit Kernkraftbetreibern. Energiepolitiker – zumindest außerhalb von Deutschland – erkennen den Nutzen einer CO2-freien grundlastfähigen Energiequelle im Zusammenspiel mit wetterabhängigen Energiequellen wie Wind und Sonne.
Der Boom der Kernenergie
Regierungen verlängern Laufzeiten, die auf der Weltklimakonferenz formulierte Absicht, die globale Nuklearkapazität bis 2050 zu verdreifachen, findet wachsende Unterstützung, und in Europa entstehen erstmals seit Jahrzehnten wieder ernstzunehmende Neubauprogramme – von Polen über Tschechien und die Niederlande bis Schweden. Die EU fördert Kernenergie durch ihre Klassifizierung als „grün“ in der EU-Taxonomie.
Der Kapitalmarkt hat das längst bemerkt: Uran- und Nuklearaktien haben den breiten Weltaktienmarkt über die vergangenen fünf Jahre um ein Vielfaches geschlagen (Abbildung 1). Wenn Aktienkurse die Schwarmintelligenz der Investoren widerspiegeln scheint die Erwartung eines künftig deutlichen Wachstums der Branche zu bestehen.
Zum Gesamtbild gehört allerdings auch, dass sich Nuklearaktien vor dem betrachteten Zeitraum eher schwach entwickelt hatten – ein Spiegelbild der jahrzehntelangen Stagnation der Branche in der Phase niedriger Preise für fossile Energie und vor dem Fokus auf Klimaschutz und Dekarbonisierung.
Selbstverständlich können wir keine Aussagen über die künftige Wertentwicklung von Nuklearaktien machen. Der Fokus der folgenden Betrachtung soll Anlegern und Beratern, die gezielt in Kernenergie investieren wollen – sei es, weil sie von weiteren Kurssteigerungen ausgehen, sei es als Teil einer nachhaltigkeitsbasierten Anlagestrategie die Kernenergie als Schlüsseltechnologie für den Energiefortschritt fördern will – ein paar Überlegungen geben, mit welchen Kapitalmarktinstrumenten man am zielgerichtetsten in die nukleare Wertschöpfung investieren kann.
Keine reinen Portfolios
Branchen-ETFs sind ein einfaches und kostengünstiges Instrument, um in die Zukunftsaussichten einer bestimmten Branche zu investieren. Im Falle der Kernenergie ist das erstaunlich unpräzise: Denn was unter dem Nuklear-Etikett gehandelt wird, ist häufig etwas anderes als Kernenergie.
Ein Blick in die Portfolios führender Nuclear-ETFs zeigt ein wiederkehrendes Muster: Neben Uranproduzenten dominieren breit diversifizierte Versorger, deren Nuklearanteil am Umsatz oft im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegt, dazu Industriekonglomerate, die Komponenten für viele Branchen fertigen – und deren Kursentwicklung entsprechend von vielem getrieben wird, nur nicht primär von der Kernkraft.
Verrechnet man den nuklearen Umsatzanteil der Einzelpositionen mit ihren Indexgewichten, bleibt von der vermeintlichen Themenwette deutlich weniger übrig, als das Etikett verspricht. Im schlimmsten Fall investiert man bei einem Versorger zum Beispiel in Kohle- und Gaskraftwerke, was Nachhaltigkeitsinvestor möglicherweise gerade nicht möchte.
Wir haben eine Verwässerungsanalyse für den Vaneck Uranium and Nuclear Technologies Ucits ETF (NUKL) durchgeführt, der seit seiner Auflegung im Jahr 2023 eine annualisierte Performance von 41 Prozent erwirtschaftet hat. Demnach beträgt das effektive Nuklear-Umsatzexposure der enthaltenen Unternehmen lediglich 39,2 Prozent, während der Rest auf andere Aktivitäten entfällt.
Dieser Befund zeigt, dass die Anlageperformance des nuklearen Ökosystems sogar noch stärker ist als in den Kursen zum Ausdruck kommt, da die entsprechenden Unternehmen noch eine Vielzahl anderer Aktivitäten verfolgen.
Das Nuclear Investment Trilemma
Drei Eigenschaften wünschen sich Anleger von einem Nuklear-Investment: Reinheit des Exposures – die Wertentwicklung soll tatsächlich an der Kernenergie hängen. Diversifikation – das Risiko soll nicht an einem einzelnen Unternehmen kleben. Und Zugänglichkeit – das Investment soll liquide und ohne Sonderstatus erwerbbar sein.