Konsolidierung unter Privatbanken Die große Chance der Hauck-Lampe-Bank

Stefanie Hehn (l.) und Gösta Jamin lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein. Die Experten geben Hauck & Aufhäuser und Bankhaus Lampe als gemeinsames Institut bessere Chancen als jeder einzeln für sich hat. Wie das neue Institut heißt, steht noch nicht fest. Es soll aber den Namen beider Bankhäuser tragen. | © Jamin/Hehn

Stefanie Hehn (l.) und Gösta Jamin lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein. Die Experten geben Hauck & Aufhäuser und Bankhaus Lampe als gemeinsames Institut bessere Chancen als jeder einzeln für sich hat. Wie das neue Institut heißt, steht noch nicht fest. Es soll aber den Namen beider Bankhäuser tragen. Foto: Jamin/Hehn

Nach einem halben Jahr Verhandlungen ist der Deal so gut wie in trockenen Tüchern, nur die Aufsicht muss noch zustimmen: Das zum chinesischen Misch-Konzern Fosun gehörende Bankhaus Hauck & Aufhäuser übernimmt von der Oetker-Gruppe das Bankhaus Lampe. Kolportiert wird im Markt ein Kaufpreis von 200 bis 300 Millionen Euro.

Diese M&A-Transaktion stellt einen weiteren Schritt zur Konsolidierung im Segment der Privatbanken dar, die in den vergangenen Jahren überwiegend unter einer schwachen Profitabilität in einem schwierigen Marktumfeld mit hohem Wettbewerbsdruck litten, ablesbar beispielsweise an den jeweiligen 2018er Jahresabschlüssen von Lampe, Berenberg, Metzler, Warburg oder Bethmann.

Die Branche selbst erwartet eine Fortsetzung des Trends zu schwächeren Margen bei weiterhin hohem Kostendruck, wie die demnächst veröffentlichte Studie „Erfolgsmodelle für eine digitale Zukunft – Studie zum Wealth Management in Deutschland“ von Prof. Dr. Gösta Jamin von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein und Dr. Norbert Paddags von der Dr. Paddags Strategieberatung zeigt, an der 15 Institute mit 200 Milliarden Euro AuM teilgenommen haben.

Wesentliche Kennzahlen auf einen Blick

Hauck & Aufhäuser Bankhaus Lampe
Bilanzsumme in Milliarden Euro 5,7 2,9
Eigenkapital in Millionen Euro 258,9 315,6
Jahresüberschuss in Millionen Euro 31,2 15,2
Eigenkapitalrendite in Prozent 12,1 4,8
Verwaltetes Vermögen in Milliarden Euro 14,7 20,3
Anzahl Mitarbeiter 839 584
Geschäftsbereiche •    Asset Servicing
•    Asset Management
•    Private Banking
•    Financial Markets
•    Investment Banking
•    Vermögende Privatkunden
•    Firmenkunden
•    Institutionelle Kunden


Mit einer kombinierten Bilanzsumme von knapp 10 Milliarden Euro, einem verwalteten Vermögen von 35 Milliarden Euro und 1.400 Mitarbeitern entsteht durch die Zusammenführung von Hauck & Aufhäuser und Lampe ein Institut von erheblicher Größenordnung. Dies zielt auf Größenvorteile, die im wettbewerbsträchtigen Privatbankensegment immer wichtiger werden. Ein Vergleich der beiden Institute zeigt, dass Hauck & Aufhäuser nicht nur das größere, sondern mit einer Eigenkapitalrendite von 12,1 Prozent im Jahr 2018 gegenüber 4,8 Prozent bei Lampe zugleich auch das deutlich profitablere Bankhaus ist.

Das Bankhaus Lampe hat bereits einen mehrjährigen Sinkflug hinter sich. So ist der Konzern-Jahresüberschuss von 55,3 Millionen Euro aus dem Jahre 2016 auf nur noch 15,2 Millionen Euro im Jahr 2018 um 72,5 Prozent eingebrochen. Zudem ist das für das Jahr 2018 ausgewiesene Jahresergebnis nur durch Einmaleffekte im Bewertungs- und sonstigen Ergebnis positiv ausgefallen, während das operative Geschäft eigentlich verlustbringend war. Auch die wichtigsten operativen Ergebnistreiber, wie das Geschäftsvolumen sowie der Zins- und Provisionsüberschuss, haben sich in den vergangenen Jahren negativ entwickelt.

Dieser Trend konnte auch nicht durch die Reduzierung der Personal- und Verwaltungsaufwendungen im Zuge des bereits eingeleiteten Sparkurses kompensiert werden, so dass das Bankhaus Lampe als Restrukturierungs-Case angesehen werden muss. Dies hat die Eigentümer-Familie Oetker wohl bereits vor einiger Zeit bewogen, nach einem externen Käufer für das Bankhaus zu suchen.