Die Verwalter des norwegischen Staatsfonds haben dem Finanzministerium in Oslo empfohlen, die Rentenbenchmark des 2,3 Billionen Dollar schweren Fonds umzubauen. Der Staatsanleihen-Teilindex soll von 70 auf 50 Prozent sinken. Unterzeichnet ist der Brief vom 1. September von Ida Wolden Bache, Chefin der Notenbank Norges Bank, und Nicolai Tangen, der bei der Notenbank die Fondsverwaltung NBIM führt. Über den Referenzindex entscheidet am Ende das Ministerium.
Am stärksten betrifft das US-Staatsanleihen: Ihre Gewichtung im Index fiele von 34,1 auf 21,9 Prozent. Reuters rechnet daraus einen Abbau von fast 80 Milliarden Dollar – bezogen auf Bestände von rund 215 Milliarden Dollar Ende Juni. Der Brief selbst nennt keine Beträge, nur Indexgewichte. Die Gewichtung des Euroraums sinkt von 16,8 auf 14,1 Prozent, japanische Staatsanleihen steigen von 4,6 auf 7,4 Prozent.
Neu in den Index sollen hypothekenbesicherte Anleihen und staatsnahe Emittenten. Agency MBS kämen auf rund 13 Prozent des empfohlenen Index, heute null; staatsnahe Titel stiegen von rund 4 auf rund 11 Prozent. Ein Teil davon ist Umsortierung: Supranationale Emittenten sind mit 3,7 Prozent bereits im Index, wechseln aber vom Staats- in den Nicht-Staats-Teilindex. Gewichtet werden soll künftig nach Marktwert statt nach Bruttoinlandsprodukt – hohe Staatsverschuldung sei inzwischen ein allgemeines Merkmal der Industriestaaten und nicht mehr die Besonderheit einzelner Länder.
Der Dollar bleibt, nur die Mischung ändert sich
Ein Rückzug aus Amerika ist das nicht. Nicht staatliche US-Anleihen steigen von 16,2 auf 27,6 Prozent, der gesamte Dollar-Anteil geht nur von 52,9 auf 52,5 Prozent zurück. Ein NBIM-Sprecher sagte Reuters, was sich ändere, sei die Mischung innerhalb des Dollar-Marktes: weniger Staatsanleihen, dafür mehr Hypotheken- und staatsnahe Papiere. Der Vorschlag fällt in eine angespannte Phase am Rentenmarkt – die US-Staatsverschuldung ist erstmals über 40 Billionen Dollar gestiegen. Die Abkehr richtet sich nicht gegen Amerika, sondern gegen die Annahme, dass Staatsanleihen den Großteil eines Anleiheportfolios stellen müssen.
Beim Aktienindex bleibt alles, wie es ist
Im zweiten Brief vom selben Tag beantwortet die Notenbank die Fragen des Ministeriums zu geopolitischem Risiko und Konzentrationsrisiko. Obergrenzen für einzelne Unternehmen, Sektoren oder Märkte lehnt sie „zum jetzigen Zeitpunkt“ ab und legt die Backtests dazu offen. Stattdessen solle geprüft werden, ob eine über die Zeit höhere Quote nicht börsennotierter Anlagen die Bedeutung der Konzentration im Aktienindex verringern könnte. Zum politischen Risiko schreibt die Bank, die Grenze zwischen finanziellem und nicht-finanziellem Risiko erscheine weniger scharf als früher; umso wichtiger sei es, dass der Fonds als Finanzinvestor wahrgenommen werde.
Tangens Schuldenwarnung wird Indexpolitik
Im Mai 2025 hatte Tangen US-Staatsanleihen noch als sicherste Anlagemöglichkeit überhaupt bezeichnet. Im selben Interview warnte er aber, die Staaten seien mit mehr als 100 Billionen Dollar verschuldet, und es gebe keine Garantie, dass Investoren das endlos finanzieren wollen.
Entschieden ist nichts. Norges Bank will erst einen Umsetzungsplan vorlegen, wenn das Ministerium Position bezogen hat; die Anpassung soll schrittweise erfolgen, um Marktwirkung und Transaktionskosten zu begrenzen. Die Einmalkosten beziffert die Bank auf höchstens rund 750 Millionen Kronen. Eine 2025 eingesetzte Expertengruppe legt ihren Bericht erst bis zum 25. Januar 2027 vor.