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Nordamerikanisches Handelsabkommen „Stabile Bedingungen stützen den wirtschaftlichen Fortschritt“

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Viele Mexikaner sehen die neue sozialistische Regierung skeptisch. Haben sich mit USMCA die Risiken für den wirtschaftlichen und politischen Ausblick Mexikos zum Positiven hin verändert?

Heyman: Allgemein betrachtet, ja, aufgrund von Stabilität und Kontinuität. Angesichts der ersten offen sozialistischen Regierung seit dem Zweiten Weltkrieg, die auch im mexikanischen Kongress und Senat Mehrheiten hält, könnte der rechtliche, wirtschaftliche und finanzielle Rahmen des USMCA ein institutionelles Gegengewicht zur neuen Regierung bilden und bei den Investoren damit für mehr Vertrauen sorgen.

Die meisten Mitglieder der neuen mexikanischen Regierung haben sich für das USMCA ausgesprochen. Allerdings hat es in mehrerlei Hinsicht gemischte Signale gegeben:

  • Der neue Präsident, Andres Manuel López Obrador (AMLO), will sich stärker um politische Aspekte kümmern – und hat in dieser Hinsicht auch mehr Erfahrung – als um wirtschaftliche. Bei seinem einzigen bisherigen Regierungsmandat als Bürgermeister von Mexiko-Stadt hatte er sich allgemein als pragmatisch erwiesen. Viele Mexikaner argumentieren jedoch, dass die Präsidentschaft eines Landes eine völlig andere Dimension hat und dass AMLO die Ziele für die von ihm angekündigte „vierte Transformation“ weitaus höher gesteckt hat, als viele annehmen.
  • Der Mangel an Ernsthaftigkeit in seinem bereits vorgestellten Regierungsteam, das aus einer Mischung von Technokraten und Parteifreunden besteht.
  • Makroökonomie: Es hat den Anschein, dass sich die bisher angekündigten Programme und Maßnahmen nicht vollständig finanzieren lassen, ohne enorme Ungleichgewichte zu bewirken.
  • Mikroökonomie. Es scheint Schritte zur Rückgängigmachung der von der bisherigen Regierung durchgeführten Strukturreformen zu geben. Das Vertrauen in den Unternehmenssektor könnte dadurch untergraben werden.

Die US-Notenbank hat ihre Zinsen im September zum dritten Mal im laufenden Jahr angehoben. Zudem wird für dieses Jahr noch eine weitere Erhöhung erwartet. Kann Mexiko steigende US-Zinsen verkraften?

Heyman: In den vergangenen Jahren sind die Zinsen in Mexiko schneller gestiegen als in den USA, was teilweise auf die Unsicherheit im Zusammenhang mit NAFTA zurückzuführen war. Die Zinsanhebungen waren insbesondere erforderlich, um ausländische Finanzinvestitionen in mexikanischen Staatsanleihen zu halten, die auf 38 Prozent der Gesamtsumme angestiegen waren. Zuletzt ist dieser Anteil auf 31 Prozent zurückgegangen.

Es ist möglich, dass die mexikanische Zentralbank angesichts der durch USMCA verringerten Unsicherheiten keine Notwendigkeit sieht, ihre Zinsen weiter anzuheben – selbst wenn die Fed ihre geldpolitische Straffung fortsetzt. Sollte jedoch ein anderes Schwellenland in eine Krise schlittern, könnte Mexiko von einer kurzfristigen Ansteckung betroffen sein. Viel hängt von der Beilegung der Konflikte zwischen den Technokraten und den politischen Extremisten innerhalb der neuen Regierung ab. Nur wenn sich Kompetenz durchsetzt, ist die Kohärenz der Wirtschaftspolitik gewährleistet.

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