NN (L) European High Yield Europäische Hochzinspapiere behalten ihre positive Dynamik

Sjors Haverkamp, Leiter des Geschäftsbereichs European High Yield bei NN Investment Partners

Sjors Haverkamp, Leiter des Geschäftsbereichs European High Yield bei NN Investment Partners

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Wie wird sich der Brexit Ihrer Meinung nach auf europäische Hochzinsanleihen auswirken? Und wie schätzen Sie die künftigen Perspektiven dieser Assetklasse ein?

Sjors Haverkamp: Die Wachstumsprognosen für die Europäische Union werden etwas nach unten korrigiert werden müssen, doch auf die Weltwirtschaft dürfte der Brexit aus fundamentaler Sicht  wenig Einfluss haben. Natürlich ist der Verfall des britischen Pfunds für Unternehmen mit Einkünften in britischen Pfund und Kosten in anderen Währungen negativ. Auch die Zuversicht bei Wirtschaft und Verbrauchern in Großbritannien wird leiden. Doch im Gegensatz zu vielen Marktteilnehmern, die in London leben und arbeiten, glauben wir nicht, dass der Brexit die positive Dynamik an den globalen Anleihemärkten zum Erliegen bringen wird. Dazu ist Großbritannien einfach nicht bedeutend genug. Wir erwarten keine wesentliche Zunahme der Kreditverluste infolge des Brexit.

Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen aus den USA illustrieren die Stabilität der US-Wirtschaft. Andererseits besteht vor diesem Hintergrund ein Risiko steigender Zinserhöhungserwartungen. Wir sind aber auch der Meinung, dass eine Anhebung der Zinssätze ein Zeichen für die Stärke der US-Wirtschaft wäre und den Hochzinsmarkt nicht belasten würde.

Was die Bewertungen betrifft, sehen wir sowohl europäische als auch US-Hochzinsanleihen weiterhin positiv. Die Bewertungen sind nicht extrem, weder historisch noch gegenüber anderen Assetklassen, wie etwa Staatsanleihen und Investment-Grade-Anleihen, und die High-Yield-Spreads heben sich im Vergleich positiv ab.

Die Jagd nach Rendite ist das beherrschende Thema an den Bondmärkten. Können europäische Hochzinsanleihen überdurchschnittlich von diesem Trend profitieren?

Haverkamp: Europäische Hochzinsanleihen haben in diesem Jahr bislang recht gut abgeschnitten. In den ersten sechs Monaten warf die Assetklasse* eine Gesamtrendite von 4 Prozent ab. Solange es nicht zu einer deutlichen Bonitätsverschlechterung kommt und Makrodaten sowie Bewertungen robust bleiben, sind wir optimistisch was High Yield als Anlageform betrifft. Ein weiterer positiver Faktor sind auch die markttechnischen Daten. Die Jagd nach guten Renditen geht weiter, sowohl in Europa als auch den USA. Da sich die Neuemissionstätigkeit aufgrund von Blackout-Perioden und wegen der Sommerferien voraussichtlich in Grenzen halten wird, dürfte das markttechnische Bild sehr positiv für High-Yield-Anleihen bleiben. Weitere Positivfaktoren sind die hohe Liquidität der Investoren, konservative Marktpositionierungen - wie sich an der bisherigen Underperformance der meisten aktiven Manager in diesem Jahr zeigt - sowie Nullbestände bei Investmentbanken und der Mangel an Angeboten in jüngster Zeit.

In Europa kommt die quantitative Lockerung durch die Europäische Zentralbank als Plusfaktor hinzu, sowohl was ihren Umfang als auch die dafür infrage kommenden Anleihen betrifft. Der Einbezug von Unternehmensanleihen in das Programm hat sich positiv auf das Marktumfeld ausgewirkt und zu einem weiteren Rückgang der Renditeniveaus geführt. Niedrige beziehungsweise nicht existente Renditen auf Investment-Grade-Unternehmensanleihen und Staatsanleihen zwingen Anleger, sich in den weniger bonitätsstarken Segmenten zu engagieren.

Bitte erläutern Sie die Positionierung des Fonds, wie zum Beispiel sein Exposure gegenüber britischen oder europäischen Banken.

Haverkamp: Unsere Top-down-Allokation von Ländern und Regionen ergibt sich aus unserem Bottom-up-Auswahlprozess. Die daraus resultierende Länderallokation prüfen wir gegen unsere Top-down-Sicht. Wir passen die Gewichtungen an, falls dies aus Gründen der Risikosteuerung nötig ist. Aus Top-down-Sicht sind wir zurzeit bei britischen Werten untergewichtet, da wir hier infolge der Brexit-Entscheidung Marktschwäche erwarten. Auch europäische Banken, ein Sektor, der sich gegenwärtig auf dem Prüfstand befindet, gewichten wir unter, da wir in anderen Bereichen bessere Alternativen für Outperformance sehen. Mit rund 5 Prozent ist der Anteil europäischer Banken an der Benchmark ohnehin nur sehr gering.

*Assetklasse bzw. Benchmark bezieht sich auf Merrill Lynch European Currency High Yield, 3% Issuer Capped, Ex Sub-Financials, in EUR abgesichert