Nishi Somaiya und Nadine Urseanu von Goldman Sachs „Wir führen weniger als 5 Prozent der Deals aus“

Nishi Somaiya und Nadine Urseanu von Goldman Sachs Private Wealth Management

Nishi Somaiya und Nadine Urseanu von Goldman Sachs Private Wealth Management: „Unser Geschäft basiert auf Menschen und Beziehungen – in Europa ist die persönliche Präsenz noch wichtiger als in den USA." Bildquelle: Lukas Papierak für das private banking magazin

private banking magazin: Frau Somaiya, Frau Urseanu – Goldman Sachs vereint Investmentbanking, Asset Management und Private Wealth und konzentriert sich im Wealth Management auf Kunden mit einem Vermögen von mindestens 10 Millionen US-Dollar. Die J.P. Morgan Private Bank verfolgt dasselbe Modell mit ähnlicher Größe und Reichweite. Was ist der konkrete Unterschied – nicht auf dem Papier, sondern in der täglichen Realität Ihrer Kunden? Und können Sie ein konkretes Beispiel nennen, bei dem diese Integration für einen deutschen Kunden einen messbaren Unterschied gemacht hat?

Nishi Somaiya: Der Unterschied beginnt beim Kundensegment. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf das Ultra-High-Net-Worth-Segment, also Klienten mit einem investierbaren Vermögen von mindestens 10 Millionen US-Dollar. Unser Betreuungsverhältnis von Beratern zu Kunden liegt bei etwa 25 zu 1. So können wir ein wirklich maßgeschneidertes Modell liefern. Zum „One Goldman Sachs"-Ethos: Unsere Klienten erhalten Zugang zu Co-Investment-Möglichkeiten, die normalerweise institutionellen Kunden vorbehalten sind – dieselben Private-Equity-, Growth-Equity-, Credit- und Immobilien-Deals, in die Goldman Sachs selbst investiert. Für sehr aktive Family Offices können wir zudem strukturierte Produkte, komplexe Absicherungsstrategien und anspruchsvolle Derivate aus unserem Sales- und Trading-Bereich bereitstellen. 

Nadine Urseanu: Bei Goldman Sachs betreut ein Berater den Klienten ganzheitlich und macht die gesamte Bank zugänglich. Beispielsweise verwalte ich für den deutschen Tech-Sektor nicht nur das Vermögen meiner Kunden – ich vernetze sie aktiv mit Kollegen aus dem Investmentbanking, der Finanzierung und relevanten externen Stakeholdern, was für sie einen Mehrwert darstellt.

Ein Betreuungsverhältnis von 25:1 klingt nach einem erheblichen Kostenfaktor. Wie schlägt sich das in Ihren Gebührenstrukturen nieder – und wie rechtfertigen Sie das gegenüber Kunden, die dieselben Produkte anderswo kostengünstiger erhalten könnten?

Somaiya: Unsere Gebühren sind wettbewerbsfähig. Wenn Sie unser Berater-zu-Kunden-Verhältnis betrachten, sehen Sie nicht nur einen Kostenfaktor. Sie sehen das Fundament unseres Wertversprechens. Unsere Klienten bezahlen für einen Partner, der die immense Komplexität von Millionen-Dollar-Portfolios mit derselben Gründlichkeit, denselben Ressourcen und demselben Zugang verwaltet wie eine Multi-Milliarden-Dollar-Institution. Unsere Berater werden zudem von Experten aus den Bereichen Investmentstrategie bei der strategischen und taktischen Asset Allokation unterstützt oder von unserem Family-Office-Team bei Themen wie Nachlassplanung oder Philanthropie.

 

Der deutsche Tech- und Gründermarkt hat sich in den letzten fünf Jahren erheblich entwickelt – mehr Exits, mehr Liquiditätsereignisse, mehr wohlhabende Gründer. Wie hat sich Ihr Ansatz in diesem Segment entwickelt, wo sehen Sie ungenutztes Potenzial – und wie unterscheidet sich die Beratung eines Tech-Gründers nach einem 30 Millionen Euro Exit von der eines traditionellen Mittelstandsunternehmers?

Urseanu: Als Unternehmen ist es unser Ziel, diesen Klienten frühzeitig einen Mehrwert zu bieten – von der Vermittlung erster Branchenkontakte über Wachstumsfinanzierungen bis hin zur Beratung in Sondersituationen und schließlich dem persönlichen Vermögensmanagement. Wir agieren heute nicht mehr nur als Investmentmanager, sondern als strategische Partner, die Unternehmer von A bis Z unterstützen. Das ist sehr vergleichbar mit unserer Arbeit für traditionelle Mittelstandskunden. Wo sich diese Klienten manchmal unterscheiden, sind ihre Anlagepräferenzen. Gründer sind oft eher bereit, Risiken einzugehen, und fokussieren sich stärker auf disruptive Themen wie KI.

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