Nintendo, Windeln & Co. Warum Japan einer der heißesten Aktienmärkte der Welt ist

Kauflaune im 600 Meter langen Einkaufszentrum Shinsaibashi-suji in Osaka. Die Arbeitslosenquote in Japan liegt unter 3 Prozent, was beinahe Vollbeschäftigung ist.

Kauflaune im 600 Meter langen Einkaufszentrum Shinsaibashi-suji in Osaka. Die Arbeitslosenquote in Japan liegt unter 3 Prozent, was beinahe Vollbeschäftigung ist.

Archibald Ciganer setzt auf Windeln. Für Babys. In Japan. Von einem Papierproduzenten. Denn tatsächlich haben ein Block Schreibpapier und eine Windel etwas gemeinsam: Sie bestehen aus Zellstoff. Zumindest meistens. Fondsmanager Ciganer hat in den von ihm betreuten Japan-Aktienfonds T. Rowe Price Japanese Equity die Aktie von Daio Paper gekauft. „Das Besondere ist, dass fast die Hälfte des erzielten Gewinns aus Reinigungs- und Körperpflegemitteln stammt“, sagt Ciganer und erwähnt die Windelmarke Goo.n. „Der Gewinn aus dem Windelgeschäft wird in den nächsten fünf Jahren mehr als die Hälfte des Konzernergebnisses ausmachen, sodass von einer Neubewertung auszugehen ist.“ Dazu muss man abwarten können. Archibald Ciganer kann das: „Wir sind geduldige Anleger.“

Er arbeitet auf einem der derzeit heißesten Aktienmärkte der Welt: dem japanischen. Wobei man genauestens zwischen den Wirtschaftsdaten aus der Draufsicht und den Unternehmensergebnissen unterscheiden muss. Einerseits beginnt die Wirtschaft nach langer Durststrecke immerhin wieder ein wenig zu brummen. Seit 2015 wächst die Produktion um gut ein Prozent jährlich. Boom geht aber anders.

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 Quelle: IWF

Allerdings sind die überschüssigen Kapazitäten aus der 80er-Jahre-Spekulationsblase nach Jahrzehnten endlich abgebaut. Die Arbeitslosenquote ist auf 2,9 Prozent gesunken. Das gilt schon als Vollbeschäftigung. Nur die lang und heiß ersehnte Inflation will sich nicht einstellen. Die Lohnrunden laufen weiter schlaff, der Ölpreis steigt zu langsam.

Dass die Aktienkurse davon losgelöst kräftig zulegen, liegt an Regierungschef Shinzo Abe. Seine als Abenomics bekannte Kombination aus Konjunkturhilfen und stützender Geldpolitik hat Japans Wirtschaft stabilisiert. Zudem hat er das Unternehmertum umgekrempelt. „Mithilfe von Regulierung und förderlichen Anreizen möchte man Folgendes erreichen: höhere Governance-Standards, unter anderem die verpflichtende Einstellung externer Geschäftsführer, höhere Eigenkapitalrenditen und allgemein höhere Renditen für Kapitalgeber“, erklärt Fondsmanager Ciganer. Er vermeldet ein zweistelliges Gewinnwachstum für 2017, obwohl die Umsätze der Unternehmen kaum anzogen.

Die Fondsgesellschaft Comgest rechnete aus, dass die Gewinne je Aktie im Aktienindex MSCI Japan von 2012 bis 2018 um 21,4 Prozent stiegen. Pro Jahr. In den USA waren es nur 6,2 Prozent und in Europa 3,8 Prozent. Eine andere Statistik untermauert die These der Wirtschaftsreformen. Demnach stieg die Kapitalrendite in Japan von 3,6 Prozent im Jahr 2012 auf 7,1 Prozent 2017. Im Rest der Welt – gemessen am Aktienindex MSCI World ex Japan – sank sie im selben Zeitraum von 9,8 auf 7,9 Prozent.

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Entsprechend gut stehen japanische Aktienfonds derzeit da. Die Tabelle zeigt jene Produkte mit der besten Rendite-Risiko-Balance. Wobei wir zwischen Standard- und Nebenwerten unterscheiden. Zusätzlich sind Aktienfonds zu sehen, in denen der Wechselkurs zwischen dem notorisch weichen Yen und Euro abgesichert ist.

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Stichtag: 5. Februar 2018, Sortierkriterium: Sharpe Ratio Quelle: Morningstar

Gleich zweimal vertreten – einmal mit und einmal ohne Währungskurs-Schutzweste – ist der Parvest Equity Japan Small Cap der französischen Fondsgesellschaft BNP Paribas Asset Management. Für Fondsmanager Shunsuke Matsushima gehört Technologie zu den favorisierten Branchen: „Japan gehört zu den innovativsten Ländern der Welt. Viele Hightech-Produkte, die wir täglich nutzen, stammen von dortigen Unternehmen.“ Und all diese Firmen hätten schließlich mal klein angefangen, so der Fondsmanager. Am meisten interessieren ihn Perlen, die besonders stark wachsen können, aber bislang nur von wenigen Analysten beobachtet werden. Und nicht zuletzt deshalb ziemlich günstig zu haben sind.