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Entkoppelung von Finanzmärkten und Realwirtschaft Niedrigzinsen treiben Anleger in den Markt

Börse New York

Börse New York: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien läuft auf Sicht der kommenden zwölf Monate im S&P 500 auffällig parallel zum Abwärtstrend der US-Zinssätze. Foto: imago images / UPI Photo

Nadège Dufossé, Candriam

Noch nie schien die Entkoppelung zwischen den Finanzmärkten und der Realwirtschaft so groß zu sein wie im Jahr 2020. Zwar scheint sich die zweite Corona-Infektionswelle zumindest in Europa eindämmen zu lassen, dennoch werden weltweit wöchentlich fast vier Millionen neue Ansteckungen gemeldet. Als Folge der Pandemie erlebt die globale Wirtschaftsleistung einen beispiellosen Rückgang. Im Oktober prognostizierte der Internationale Währungsfonds eine Schrumpfung des BIP in den G7-Ländern um 5,9 Prozent im Gesamtjahr 2020. Das liegt weit über den -3,6 Prozent, die während der Finanzkrise des Jahres 2009 verzeichnet wurden.

Die Märkte spiegeln das ungeheure Ausmaß der Covid-19-Krise und ihre wohl teils dauerhaften Auswirkungen jedoch nicht. Aktienmärkte (MSCI World Index: +7,7 Prozent), Hochzinsanleihen (BofA Merrill Lynch Global High Yield Constrained Index: +3,5 Prozent) und Industriemetalle (Kupfer-Future-Kontrakte: +17 Prozent) liegen sämtlich sehr deutlich im Plus.

Die Finanzmärkte nahmen im Sommer eine V-förmige Erholung vorweg

Von der Rezession der Jahre 2008 bis 2009 unterscheidet sich der aus der Pandemie resultierende Wirtschaftseinbruch stark: Im Frühjahr kam die Geschäftstätigkeit abrupt, aber nur vorübergehend zum Erliegen. So brach der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA von 49 Punkten Ende März auf 41,5 Punkte Ende April ein. In Europa war die Kontraktion sogar noch stärker. Hier fiel der Einkaufsmanagerindex (PMI) des verarbeitenden Gewerbes Ende April auf 33 Zähler, während der PMI für Dienstleistungen in der Eurozone sogar noch weiter auf 12 Punkte zurücksetzte.

Im Verlauf des Sommers hingegen nahm eine V-förmige Erholung konkrete Formen an; die Konjunktur erholte sich überraschend schwungvoll. In den USA stieg der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe im Juni wieder über die 50er-Marke und erreichte im Oktober 59 Punkte. Die enormen geld- und fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen, die bereits im März in Kraft gesetzt wurden, schoben die rasche Erholung von dem beispiellosen wirtschaftlichen Schock an. Zum Vergleich: Nach den Jahren der Finanzkrise 2008 und 2009 dauerte es fast zwölf Monate, bis der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe wieder über 50 Punkte stieg.

Aktien- und Anleiheindizes spiegeln nicht die Realwirtschaft

Der von der Pandemie ausgelöste Wirtschaftsschock hat sich in den verschiedenen Sektoren allerdings sehr ungleichmäßig ausgewirkt. Die Kluft zwischen den Covid-19-Gewinnern und -Verlierern hat sich seit März stetig vergrößert.