Herr Hart, die Märkte sind derzeit sehr volatil – viele Anleger suchen nach Orientierung und wollen ihre Portfolios widerstandsfähiger und gleichzeitig chancenreicher aufstellen. Welchen Weg können Sie aufzeigen?
Christopher Hart: Das Marktumfeld ist tatsächlich sehr volatil – aber genau diese Unsicherheit spielt qualitätsorientierten Value-Investoren in die Hände. Seit 2020 haben sich die Märkte zunehmend auf wenige Themen und Schlagzeilen konzentriert, während viele fundamental starke, global diversifizierte Unternehmen mit erheblichen Bewertungsabschlägen gehandelt wurden – obwohl ihre Qualitätsmerkmale oft mindestens genauso überzeugend sind wie die der viel beachteten Wachstumswerte.
In solchen Phasen, in denen Anleger von Trendthemen getrieben werden, entstehen besonders attraktive Möglichkeiten für aktive Stockpicker, Alpha zu erzielen. Unser Ansatz fokussiert auf fundamental starke Unternehmen mit stabilen Cashflows, soliden Bilanzen und positiver Geschäftsentwicklung. Die Aktien dieser Unternehmen bieten attraktives Renditepotenzial, sobald der Markt sich wieder auf Fundamentaldaten besinnt.
Die Marktrenditen haben sich in den vergangenen Monaten zwar etwas breiter verteilt. Dennoch ist die Konzentration weiterhin hoch – sowohl bei einzelnen Aktien als auch insgesamt mit dem Schwerpunkt US-Markt. Warum könnte der Robeco BP Global Premium Equities (ISIN: LU0203975437) genau jetzt die richtige Ergänzung und Diversifikationskomponente für Anleger sein, die breiter und – nach Möglichkeit – stabiler investieren wollen?
Hart: Die globalen Aktienmärkte sind abhängiger denn je von wenigen Technologieriesen und US-Megacaps. Eine Handvoll Titel prägen Indizes wie den MSCI World entscheidend – und schaffen damit unbewusste Konzentrationsrisiken, insbesondere für passive Anleger. Über 70 Prozent des MSCI World entfallen auf Nordamerika – ein weiteres Konzentrationsrisiko, das unser Portfolio bewusst meidet. Unser Fonds investiert dort, wo die Aktien-Charakteristika attraktiv sind, statt teuren Wachstumstiteln Tribut zu zollen. Der US-Anteil liegt bei rund einem Drittel des Portfolios – weit unter dem Indexgewicht. Auch Technologie ist deutlich untergewichtet. Sämtliche regionalen und sektoralen Gewichtungen entstehen nicht durch Top-down-Entscheidungen, sondern sind das Ergebnis unserer Bottom-up-Analyse. Unsere Kunden profitieren somit von reduzierten Abhängigkeiten von wenigen Megacaps, unabhängigeren Renditequellen und größerer Stabilität über Marktzyklen hinweg. Wir scheinen damit auf dem richtigen Weg zu sein: Über die letzten 5 Jahre konnten wir den MSCI World ohne Investition in die „Magnificent 7“ schlagen und das Fondsvolumen beträgt inzwischen 7,3 Milliarden Euro.
Die „Three Circle“-Methodik aus Bewertung, Fundamentaldaten und Momentum ist das Herzstück Ihrer Strategie. Warum kann genau diese Kombination konsequent attraktive Chancen jenseits überbewerteter Marktsegmente erschließen?
Hart: Unsere „Three Circle“-Methodik hat sich seit dem Launch der Strategie im Jahr 2008 bewährt. Wir konstruieren Portfolios ausschließlich Bottom-up und investieren nur in Unternehmen, bei denen alle drei Kriterien – Bewertung, Qualität und Momentum – gleichermaßen überzeugen. Während die Bewertungsdisziplin verhindert, dass wir überteuerte Aktien kaufen, schützt der Momentum-Faktor den Fonds vor klassischen Value-Fallen: Unternehmen müssen nicht nur günstig und qualitativ hochwertig sein – ihre operative Entwicklung muss sich verbessern oder ein positiver Trend in greifbarer Nähe sein.
Wir wenden diesen stringenten Auswahlprozess entlang von Merkmalen, die seit vielen Jahrzehnten funktionieren, konsequent an. Unsere Kunden erwerben Zugang zu einer thesaurierenden Strategie, die nicht auf Bauchgefühl oder Marktsentiment basiert, sondern auf einem effizienten und reproduzierbaren Prozess, der nicht zuletzt den Zinseszinseffekt systematisch nutzt.
Stichwort „Value-Fallen“: Sie sind ein gefürchtetes Risiko vieler Value-Strategien. Wie vermeiden Sie diese systematisch – und wie schafft es der Robeco BP Global Premium Equities, sowohl in schwierigen Marktphasen als auch in Bullenmärkten zu performen?
Hart: Viele Value-Strategien tappen in Value-Fallen – wir wollen dieses Risiko ausschließen. Eine attraktive Bewertung ist für uns niemals ausreichend, sie ist nur der Ausgangspunkt. Lassen Sie mich diesen wesentlichen Aspekt nochmals betonen: Wir kaufen Unternehmen nur dann, wenn die Fundamentaldaten solide sind und sich das Geschäftsmomentum verbessert – oder wir guten Grund haben zu glauben, dass eine positive Wende bevorsteht. Bleibt das Momentum dauerhaft neutral oder negativ, stoßen wir die Position schnell wieder ab.
Die Kombination einer attraktiven Bewertung mit erstklassiger Qualität schafft eine solide Grundlage für steigende Bewertungen – und dieser Mechanismus funktioniert in sehr unterschiedlichen Marktumfeldern. In Abschwungphasen schützen Bewertungsdisziplin und Qualität das Kapital. In Aufschwungphasen ermöglicht der Momentum-Faktor die Teilnahme an der Erholung – solange die Bewertungen fair bleiben.
Sie investieren nicht nur in bekannte Großunternehmen, sondern auch in mittelgroße und kleinere Qualitätsunternehmen. Was macht das Small und Mid Cap-Segment gerade jetzt besonders attraktiv? Wie heben Sie Renditepotenzial, das viele Anleger übersehen?
Hart: Seit Covid haben Mega Caps die Schlagzeilen dominiert – dabei bieten viele mittelgroße und kleinere Qualitätsunternehmen weiterhin erhebliches ungenutztes Potenzial. Wir screenen über 7.000 Unternehmen weltweit und filtern sie nach Chancen, die der breite Markt ignoriert. Mid Caps machen heute rund 35 Prozent unseres Portfolios aus. Unsere Beteiligungen im Segment industrielle Fertigung zum Beispiel – mit 18 Prozent Portfoliogewicht gegenüber lediglich 11 Prozent im MSCI World – haben eine durchschnittliche Marktkapitalisierung von 26 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 103 Milliarden US-Dollar im Index. Um zwei Beispiele zu nennen: Der weltweit führende Elektrogroßhändler Rexel und das auf Energie- und Kommunikationstechnik spezialisierte Unternehmen Spie, beide mit Hauptsitz in Frankreich, überzeugen mit marktgleichen oder sogar besseren Fundamentaldaten sowie Gewinnrevisionen nach oben. In einem zunehmend konzentrierten Markt ist aktives Stockpicking wichtiger denn je – genau hier liegt ein wesentlicher Teil unserer Alpha-Quellen.
Der Fonds hat seine Benchmark, den MSCI World Index (Net Return, Euro), auf Sicht von fünf Jahren übertroffen – ganz ohne die Magnificent Seven. Verraten Sie uns die Gründe für diese Outperformance?
Hart: Die starke Fünfjahres-Outperformance ist das Ergebnis einer Reihe von Erfolgsfaktoren: konsequente Bewertungsdisziplin, strenge Qualitätsanforderungen und frühzeitige Identifikation sich verbessernder operativer Trends. Die Fünfjahres-Bilanz umfasst sehr unterschiedliche Marktphasen: 2022 haben wir in einem schwachen Marktumfeld Kapital substanziell geschützt; 2023 und 2024 erzielten wir starke absolute Renditen, blieben aber hinter dem Vergleichsindex zurück. 2025 hat der Fonds den MSCI World Index deutlich übertroffen – durch starke Einzeltitelauswahl und die Vermeidung sich zäh entwickelnder US-Titel zugunsten europäischer Gewinner. Entscheidend ist: Dieser Erfolg entstand tatsächlich ohne jegliches Exposure in den Magnificent Seven. In einem Umfeld extremer Bewertungsdispersion ist eben unser Investmentstil besonders relevant – und das Festhalten an unserer „Three Circle“-Methodik aus genauer Beachtung von Bewertung, Qualität und Momentum, ohne jemals davon abzuweichen.
In den vergangenen Jahren hat sich die klassische Trennung zwischen Value- und Growth-Investing spürbar abgeschwächt. Faktoren wie Profitabilität, Cashflow-Stärke und Kapitalrendite spielen in beiden Lagern eine zunehmend wichtige Rolle. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die aktive Fondspositionierung?
Hart: Value- und Growth-Aktien lösen einander regelmäßig in ihrer Marktdominanz ab – in den vergangenen 30 Jahren kam es immer wieder zu solchen Wechseln. Auch künftig dürfte dieses Muster bestehen bleiben.
Die Abgrenzung zwischen Growth- und Value-Indizes ist jedoch unschärfer geworden, da viele große Unternehmen in beiden Kategorien auftauchen. So sind beispielsweise Amazon, Meta und Alphabet inzwischen häufig auch in Value-Indizes vertreten.
Hinzu kommt: Der starke Ausbau passiver Investments führt dazu, dass sich die Portfolios von Growth- und Value-Fonds zunehmend ähneln. Dadurch entstehen für Anleger in beiden Stilen vergleichbare Risikostrukturen, weil sich die zugrunde liegenden Positionen zum Teil überschneiden.
Vor diesem Hintergrund zahlt sich ein gezielter, hoher Active Share und erfahrenes Stockpicking besonders aus. Unser Prozess im Management des Robeco BP Global Premium Equities hat sich seit der Fondsauflage im Dezember 2004 nicht verändert – wir investieren nicht in Stile, sondern in unterbewertete Qualität mit positivem Momentum. Dieses Prinzip bleibt unverändert gültig – ganz gleich, wie sich die Stilrotationen entwickeln.
Zur Person
Christopher Hart ist Portfoliomanager in den Bereichen Boston Partners Global Equity und Boston Partners International Equity. In dieser Funktion verantwortet er insbesondere die Steuerung der Kaufpositionen in globalen Aktienportfolios.
Zuvor leitete er das Produkt Boston Partners International Small Cap Value und war davor drei Jahre als stellvertretender Portfoliomanager für die Small-Cap-Value-Strategien des Hauses tätig. Seine Laufbahn begann er als Research-Analyst mit Fokus auf die Sektoren Large Caps, Ingenieur- und Bauwesen, Maschinenbau, Luftfahrt und Verteidigung sowie REITs. Hart ist seit 1991 in der Investmentbranche aktiv.