Felix Zulauf „Nicht die Märkte, sondern die Politik könnte den Euro zerstören“

Felix Zulauf

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Mit der Konjunktur in Europa geht es bergab. Darauf deuten Stimmungsindikatoren sowohl in Ländern wie Deutschland und Großbritannien, als auch in einigen der krisengebeutelten Peripherieländer wie Griechenland, Irland und Spanien, hin. Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht für Felix und Roman Zulauf. Denn für das Vater-Sohn-Gespann, das gemeinsam ein Hedgefonds managt, ist ein Ende der Euro-Krise noch lange nicht in Sicht. Das erklären sie im Gespräch mit dem Online-Portal Advisorperspectives.com.

„Nehmen Sie zum Beispiel Frankreich“, sagt Zulauf Senior. Die Wirtschaft sei in einer wirklich schlechten Verfassung: Selbst im Vergleich zu Spanien büße sie an Wettbewerbsfähigkeit ein. Die Umfragewerte des derzeitigen Präsidenten Francois Hollande befänden sich auf einem Tiefpunkt; seine Konkurrentin aus dem rechten Lager, Marine Le Pen, hätte gute Chancen, künftig Präsidentin zu werden. Diese strebe aber einen Austritt Frankreich aus der Euro-Zone an. In diesem Punkt stimmen auch drei italienische Parteien -die Fünf-Sterne-Partei von Beppe Grillo, Silvio Berlusconis Forza Italia und die Lega Nord - der Chefin der rechtspopulistischen französischen Partei Front National zu. „Nicht die Märkte, sondern die Politik könnte den Euro in die Knie zwingen“, folgert Felix Zulauf.

Auch die sinkenden Zinsen für Staatsanleihen der PIIGS-Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien sind für Zulauf kein Grund für Optimismus. Denn er führt diese größtenteils auf die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück. Diese habe für europäische Banken Anreize geschaffen, Regierungspapiere der Heimatländer zu kaufen.

Noch schlechter fällt die Prognose der Zulaufs für die Schwellenmärkte aus. Die Anleihemärkte reagierten nervös auf die Tapering-Ankündigung der US-Zentralbank Fed, erklären sie. „Die Schwellenländer, in die im Zuge des Quantitative Easing der USA viel Geld geflossen war, so dass eine Kreditblase entstand, bekamen dies besonders stark zu spüren“, sagt Roman Zulauf.

Kreditkrise in China und Hongkong

Besonders hart treffe dies Länder mit großen Zahlungsbilanzschwierigkeiten, so Zulauf Junior weiter. Dazu zählt er Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei. Auch auf China sieht er eine Kreditkrise zukommen. „Die Volksrepublik kann entweder ihre Währung stabil halten und damit eine Kreditkrise riskieren, oder versuchen, mit expansiver Geldpolitik die Kreditkrise zu bekämpfen, dabei aber eine Geldentwertung in Kauf zu nehmen“, erklärt Zulauf.

Auch Hongkong sagen Vater und Sohn eine Kreditkrise voraus. Denn der Geldmarkt der Sonderverwaltungszone sei sehr stark vom chinesischen Bankensektor abhängig: Das Kreditvolumen der chinesischen Banken in Hongkong beträgt 150 Prozent des Bruttoinlandprodukts des Landes. „Die Verwerfungen des chinesischen Geldmarktes werden nach Hongkong überschwappen“, ist Roman Zulauf überzeugt.