Knackpunkt Liquiditätssteuerung
Innerhalb der Anlageklasse Infrastruktur sollte ebenfalls auf das Thema Diversifikation geachtet werden. Sidana versucht dies bei Investments in liquide Infrastruktur über ein breites Aktienspektrum abzudecken. Bei illiquiden Investments in Privatmärkte muss das ebenfalls geschehen, erklärt Dellmann: „Mit Blick auf Expertise, Technik, Technologie und Entwicklungsrisiken muss man ja genau verstehen, in was man investiert. Man kann nicht einfach sagen, bestens, hier sind 100 nachhaltige Fonds zum Thema Energietransformation.“
Genau deshalb sei es wichtig, über den Tellerrand zu schauen und andere Projekte mit im Auge zu haben, wie eben Städtebau, sozialer Wohnungsbau, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen und Unternehmen, welche die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Laut Kurr ist es schwierig, Diversifikation aufzubauen. Der liquide Bereich der öffentlichen Märkte sei dazu eine Möglichkeit, da er zudem transparenter ist. „Aber das ganze Thema Infrastruktur wird uns in Zukunft ständig begleiten, da die Anlagen für eine funktionierende Volkswirtschaft essenziell sind“, sagt Kurr.
Dies impliziere einen kontinuierlichen Investitionsbedarf. Qua Definition höre das Thema eben nie auf, was es zu einer langfristigen Geldanlage mache. Die Liquiditätssteuerung im Portfolio sei zudem wichtig, da man aufgrund dieser Langfristigkeit das Geld nicht einfach abziehen könne. Weshalb Diversifikation und strategische Reallokation bei Infrastruktur besonders zu beachten seien.
Infrastruktur für Privatanleger?
Bei den hohen Investitionssummen und der Langfristigkeit von Infrastruktur stellt sich die Frage: Können nicht-institutionelle Anleger überhaupt investieren? Kurr sieht durchaus die Möglichkeit, etwa durch den Eltif: „Grundsätzlich ist das sehr zu begrüßen, dass auf europäischer Ebene ein gemeinsamer Weg geschaffen wird.“ Man müsse dann schauen, wie es angenommen wird. Normalerweise sehe der Weg wie folgt aus: Erst kommen die Staatsfonds, dann die großen Versicherer, anschließend die kleineren, dann die Pensionsfonds in Europa, das Private Banking und irgendwann – hoffentlich – die Banken.
Grundsätzlich habe Infrastruktur eine natürliche Nähe zu institutionellen Investoren, da die Zeithorizonte anders seien als bei Privatanlegern, etwa mit Blick auf Pensionsverpflichtungen. Da Kapital letztendlich angelegt werden und die Nachfrage vorhanden sein muss, passt Infrastruktur hier gut. Wenn man sich jedoch Anlagehorizonte von 20 Jahren anschaut, passt dies eher schlecht zu Privatpersonen. Hier fehlt der breiten Masse schlicht das Kapital. Es zumindest auf den semi-institutionellen Markt runterbrechen zu können, sei ein guter Anfang.
Mittelbeschaffung ist problematisch
Ein Problem, das aktuell auftritt, ist die Mittelbeschaffung. Das zeigt eine Studie von Preqin. Die Analyse der im Jahr 2023 geschlossenen Fonds zeigt, dass erstmals die Mehrheit der Fonds mehr als zwei Jahre bis zum endgültigen Abschluss braucht. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Jahr 2019, vor Covid-19, als nur 23 Prozent der Fonds so lange brauchten. Als Gründe werden das starke Wachstum der Fonds und das angestrebte Kapital ausgemacht. Durch den hohen Wettbewerb werden Fondsmanager in ihren Zielen eingeschränkt – es sei denn, die Zuweisungen von Investoren wachsen an.
Um dies zu verdeutlichen, dient folgendes Rechenbeispiel: Teilt man das angestrebte Kapital durch das in den vergangenen zwölf Monaten eingeworbene Kapital, so zeigt sich, dass dieser Indikator bis zum Ende des dritten Quartals 2023 auf neun Jahre hochgeschnellt ist. Der typische Wert liegt bei anderthalb bis zwei Jahren. Im vierten Quartal 2023 sank der Wert auf sieben Jahre, gleichzeitig stieg jedoch erneut das angestrebte Kapital.
All dies zeigt: Es werden mehr Investitionen benötigt. Ob ein Vehikel wie der Eltif oder andere Publikumsfonds hier Abhilfe schaffen können, muss sich noch zeigen. In jüngster Zeit hat beispielsweise Union Investment einen Infrastruktur-Eltif aufgelegt. Wie massentauglich solche Fonds sein werden, ist jedoch noch schwer abzuschätzen. Eine wirkliche Antwort wird es erst geben, wenn verlässliche Zahlen dazu vorhanden sind.