Der Kaiser ist weg Neuausrichtung der Fondsbranche

Markus Kaiser, Starcapital

Markus Kaiser, Starcapital

Manchmal ist des einen Unglück des anderen Glück. In diesem Fall heißt der Unglückliche Christian Angermayer und der Glückspilz Johannes Führ.

Unternehmer Angermayer hatte sich mit seinem Finanzimperium ABL verzettelt, im Rahmen der Zerschlagung ging die Investment-Tochter Altira an eine Gruppe von Finanzinvestoren. Sie beschlossen am 2. November 2012, das Geschäft auf einen Kern einzudampfen und alle Rand-Aktivitäten zu verkaufen. Also auch die Fondsgesellschaft VCH. Und Führ griff zu.

Der Gründer und Namensgeber der Vermögensverwaltung Johannes Führ Asset Management schmiss hin, stieg als Teilhaber bei VCH ein, holte seine alte Mannschaft nach, warf alle Fonds, mit denen er nichts anfangen konnte, aus dem Angebot und fing noch einmal neu an.



In den vergangenen Monaten haben gleich zwei Leitfiguren und ein preisgekröntes Management-Team ihren angestammten Platz verlassen und bauen nun Neues nach ihrem alten System auf. Pikant wird so etwas, wenn die alten Arbeitgeber das Werk ihrer ehemaligen Stars weiterführen und damit völlig neue Konkurrenzsituationen entstehen.

Entsprechend verzwickt ist die Lage im Falle Führ. Es gibt nun ein Unternehmen, das seinen Namen trägt, in dem Führ aber nicht mehr arbeitet. Und ein neues, das den Namen Führ Capital tragen sollte. Das jedoch gab Stunk mit der Konkurrenz, die für ihr Namensrecht bezahlt hat. Jetzt heißt es schlicht AMF Capital – das steht für Asset Management Frankfurt.



Plötzlich nicht mehr glücklich

„Im Zuge der Veränderungen im Frühjahr 2013 haben einige Kollegen festgestellt, dass sie mit der Situation nicht glücklich waren“, erinnert sich Allan Valentiner, der Führ folgte und bei AMF im Vorstand sitzt. Führ wollte sich nach und nach zurückziehen und nur noch als Berater arbeiten.

Neue Leute sollten es in seinem Sinne weiterführen. Doch das klappte nicht. „Einige Neuerungen passten nicht zur langjährigen Unternehmensphilosophie, bei der das Interesse der Anleger an einer soliden Rendite mit minimiertem Risiko im Vordergrund steht“, meint Valentiner. Einer jener Neuen bei Johannes Führ AM ist Karl-Heinz Pfarrer, seit März 2013 Vorsitzender der Geschäftsführung. „Ich glaube, Johannes Führ war nicht bereit, sich auf erforderliche Erweiterungen und notwendige Neuerungen einzulassen“, sagt er.

Aus seiner Sicht ging es damals darum, sich institutionelle Anleger als neue Wachstumschance zu erschließen. Doch dafür seien nun einmal mehr Personal und Investitionen in die Infrastruktur, vor allem im Portfoliomanagement nötig gewesen. Führ sehe sich dagegen eher als Einzelkämpfer.

Beide Unternehmen sehen ihren Schwerpunkt bei Anleihen. Beide sind risikoarm unterwegs. Wobei Führs alte Firma im Risikomanagement aufgerüstet hat, vor allem bei Mittelstandsanleihen, wo jüngst eine Menge Schrottpapiere auf den Markt kam. Der neue Kollege Benedikt Braus übernahm Risikomanagement und Kreditanalyse.

Bei AMF sollen die neuen Fonds den alten ähneln. Aber auch dort reagiert man auf die Probleme am Mittelstandsmarkt. Der neue Fonds Family & Brands Renten (WKN: A1X BAN) enthält Anleihen von familien- und unternehmergeführten Gesellschaften sowie Unternehmen mit erfolgreichen Marken.

Hinzu kommen neuerdings Aktienfonds, zunächst der Family & Brands Aktien (A1X BAM). „Wenn wir ein Unternehmen ohnehin analysieren, können wir uns natürlich auch die Aktie mit ansehen“, sagt Valentiner. Die nötige Erfahrung soll Ralf Müller-Rehbehn einbringen, der schon für die Deka und VCH Aktienfonds managte.