Neuauflage des etwas anderen Marktausblicks Wie sich Gehälter und Jobprofile im Private Wealth Management entwickeln

Klaus Biermann ist seit 2009 Partner der in Zürich ansässigen Biermann Neff Headhunters.

Wo sehen Sie derzeit die Private-Wealth-Management-Branche in Deutschland?

Klaus Biermann: Es ist sehr erstaunlich, welche Entwicklung das Private Banking in Deutschland in den vergangenen Jahren genommen hat. Immer mehr neue Anbieter, zuletzt natürlich die BNP, erhoffen sich in diesem stark umkämpften Markt große Anteile und Erträge – das Geschäft an sich wird sich aber oftmals eher, nur als aktuelles Beispiel, wie die Fintech-Szene entwickeln. Leider muss man dazu sagen. Viel Hoffnung und mögliches Potential, der entsprechende Ertrag bleibt meist aber aus.

Wie verändert sich das Jobprofil bei Beratern und Portfoliomanagern im Vergleich zu den Vorjahren?

Biermann: Im Vergleich zu den Vorjahren ist leider noch kein großer Wandel zu erkennen. Es wird immer noch der gleiche Weg mit Altbewährtem gewählt. Man sucht neue Mitarbeiter mit einem großen Buch und nicht mit einem „Hunter-Gen“, wirbt Mitarbeiter der Konkurrenz ab und hofft auf Assets. Dass diese Assets final und auch in entsprechendem Maße übertragen werden, bleibt leider eine Hoffnung.

Wie wirkt sich die zunehmende Abkehr vom Beratungsgeschäft auf das Recruiting von Private-Wealth-Personal aus?

Biermann: Die Annahme, dass eine Abkehr vom Beratungsgeschäft besteht, können wir nicht abschließend bestätigen. Natürlich gibt es im Retail-Segment eine notwendige Clusterbildung und Automatisierung – im HNWI- und UHNWI-Bereich ist der Wettbewerb nach Talenten sehr groß und entsprechend bietet sich auch Potential für Berater und Headhunter. Ob die Art und Weise der Rekrutierung aber richtig ist, zweifeln wir in vielen Fällen an.

Wird ihrer Einschätzung nach die Zahl der Jobwechsel in naher Zukunft zunehmen?

Biermann: Die Wechsel werden unserer Ansicht nach massiv abnehmen. Es wird immer schwieriger, Gelder zu transferieren, Kunden zu übertragen und neue Kundenbeziehungen zu entwickeln. Dies gilt zumindest für den klassischen Private Banker. Die Fluktuation wird aber in der Hinsicht hoch sein, dass Private Banker ohne den Willen und die Bereitschaft, neue Assets aufzubauen und zu generieren, durch Plattformen und Personen mit anderen Talenten ersetzt werden. Diese werden nicht aus der Finanzindustrie kommen. Kurzum – der klassische Wechsel von Privatbank A zur Privatbank B macht unserer Meinung nach nur in seltenen Fällen Sinn.

Kommt für jobsuchende Private Banker zunehmend ein Wechsel zu unabhängigen Vermögensverwaltern oder einem Haftungsdach in Frage?

Biermann: Für viele wirklich jobsuchende Private Banker wird das oftmals die letzte Möglichkeit und Chance sein, um innerhalb der Industrie eine Bleibe zu finden. Unternehmerisch denkenden Private Bankern bietet eine entsprechende Plattform durchaus eine spannende und zukunftsorientierte Basis und wir sehen sicherlich spannende Plattformen und Unternehmen, die sich bilden werden.

Was hält in den meisten Fällen unzufriedene Mitarbeiter von einem Wechsel ab?

Biermann: Der Tagestrott, die Bequemlichkeit und die immer noch überproportional zu hohe Bezahlung sind natürlich Gründe für ein „Durchalten“ – auch wenn viele Private Banker seit Jahren bereits beruflich abgeschaltet haben. Ebenso bilden die rechtlichen Rahmenbedingungen ein Umfeld, das einen Wechsel, insbesondere des Kunden, nicht vereinfacht.

Wie haben sich die Gehälter im Private Wealth Management in den vergangenen zwei Jahren entwickelt?

Biermann: Die Gehälter sind für den durchschnittlichen Private Banker stabil geblieben – Für aktive und jene, die ein großes Kundenbuch selbständig akquiriert haben und dieses betreuen, ist die Bezahlung tendenziell gestiegen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie die teilweise sehr hohen Prämien für Versprechen in nachhaltig hohe Gehälter umgewandelt werden. Neue Marktteilnehmer forcieren sicherlich entsprechende Gehaltsanpassungen. Wenn das Gehalt beim Abwerben allerdings ein immer größerer Faktor wird – oder vielleicht schon ist –, sollte Vorsicht geboten sein. Es gibt genug Beispiele, wo dies das Ende eines Zyklus eingeleitet hat, als Beispiel dafür dient die Industrie der strukturierten Produkte.

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