Im Januar 2026 vollendeten die ersten der 1,1 Milliarden Baby Boomer auf der Welt ihr 80. Lebensjahr. Der Great Wealth Transfer steht an: In den nächsten zwei Dekaden werden rund 76 Billionen Euro vererbt werden. Patrick Sobotta, Geschäftsführer von Natixis Investment Managers (IM) hat mit seinem Team über 7.000 Investoren in 21 Ländern verschiedener Generationen zu ihren Anlagewünschen befragt.
"Über die Hälfte der Ehepartner und Kinder (55 Prozent) planen den Vermögensverwalter im Erbfall zu wechseln." Geschäftsführer von Natixis Investment Management (IM)
Besonders groß ist die Sorge unter Beratern in der Schweiz: 61 Prozent der Finanzberater fühlen sich durch den kommenden Wealth Transfer bedroht. Über die Hälfte der Ehepartner und Kinder (55 Prozent) planen den Vermögensverwalter im Erbfall zu wechseln. Vertrauen bleibt der Goldstandard, um die Erben zu halten.
Für Erben ist es wichtiger, den Berater ihres Verwandten zu kennen und ihm zu vertrauen, als dass dieser das Vermögen ihres Partners oder Vaters gut verwaltet hat. Das zeigen die Werte in der Tabelle: 30 Prozent gegenüber 23 Prozent. Nur knapp jeder Fünfte (17 Prozent der Befragten) gab an, die Kosteneffizienz wäre ein Grund für die Treue.
Als wichtigsten Grund für den Beraterwechsel nennen die Befragten dagegen, bereits einen eigenen Finanzberater zu haben (29 Prozent). Ein Viertel gibt an, keine Verbindung zu dem Berater des Erblassers zu haben. 13 Prozent vertrauen ihm nicht ausreichend. Mangelhafte Vermögensverwaltung ist nur für 8 Prozent der Befragten der Grund zu wechseln.
Tatsächlich haben die erbenden Generationen andere Ansprüche an die Vermögensverwaltung. Wohingegen nur jeder Fünfte aus der Generation der Baby Boomer in nachhaltige Anlagen investiert, ist es in der Generation Z jeder Dritte. Die Millennials bewegen sich nicht nur altersmäßig im Mittelfeld: 28 Prozent aus dieser Generation investieren in nachhaltige Assets. Sieben von zehn Millennials glauben trotz der politischen Lage an nachhaltige Anlagen.
Die Nachfolgegenerationen investieren risikobewusster als ihre Eltern. Während 43 Prozent der Boomer ihre Anlagepräferenz als konservativ beschreiben, geben dies nur 34 Prozent der Generation X und 32 Prozent der Millennials an. Ein Grund könnte die längere Haltedauer sein, da die jüngeren Generationen im Schnitt mehr Lebenszeit vor sich haben.
Der Generationenunterschied zeigt sich auch in den präferierten Anlageklassen. Die Hälfte der Millennials investiert in Kryptowährungen. Immerhin 39 Prozent der Generation X legen in Krypto an. Die Baby Boomer bilden mit 17 Prozent das Schlusslicht. Die Kryptoaffinität der Europäer überbietet auf dem Globus übrigens nur die Lateinamerikaner. Möglicherweise zur Überraschung einzelner deutscher Politiker.
Eine ähnliche Offenheit nach absteigendem Alter zeigt sich für private Märkte. Wohingegen 55 Prozent der Millennials in private Anlagen investieren, sind es 46 Prozent der Generation X. Nur 29 Prozent aller Boomer investieren in diese Anlageklasse. 44 Prozent der Millennials haben das Gefühl, sie lassen Renditechancen verstreichen, wenn sie nur in öffentliche Märkte investieren.
Als Beispiele nennen sie die Firmen Space X und Open AI. Dem stimmen nur 23 Prozent der Baby Boomer zu. 59 Prozent der Millennials und 53 Prozent der Generation X finden die Renditen rechtfertigen die zugeordneten Gebühren. Das sehen mit 23 Prozent deutlich weniger Baby Boomer so. Überraschenderweise denken jeweils rund 60 Prozent der Befragten aus allen drei Generationen, dass private Anlagen täglich bepreist werden. Anleger müssen hier stärker informiert werden.
Die Studie gibt ebenfalls Aufschluss darüber, welche Anlagepräferenzen Frauen mitbringen. Der Artikel erscheint am 16. April.