Heißt das, alle Affiliates werden künftig Active ETFs anbieten?
Chemouny: Ja und nein. Unsere Aufgabe bei Natixis ist es, die Infrastruktur bereitzustellen. Das bedeutet: Wir bauen die gesamte Wertschöpfungskette so auf, dass wir jederzeit die Produkte lancieren können, die unsere Kunden benötigen. Wir werden aber nicht den Branchentrend imitieren in Form einer eigenen ETF-Marke oder separaten Vertriebseinheiten.
Unser Ziel ist, einerseits unsere Dachmarke zu stärken und andererseits die Spezialität unserer Affiliates zu betonen. In diesem Jahr werden wir vier Fonds auflegen, vor allem für unsere europäischen Affiliates. Ab 2027 werden wir dann in der Lage sein, sehr flexibel neue Strategien umzusetzen. Aktuell bauen wir die Basis – ab 2027 rollen wir sie global aus.
Könnte es also bald aktive ETFs für Anleihen von DNCA geben?
Chemouny: Absolut. Ich hoffe, ich greife nicht zu weit vor, aber bis zum Jahresende rechne ich mit mindestens zwei aktiven ETFs für festverzinsliche Wertpapiere: einen von Ostrum und einen von Loomis Sayles.
Was bedeuten diese Entwicklungen für die Asset-Management-Landschaft insgesamt?
Chemouny: Sie verändern sie grundlegend. Auf der Käuferseite sehen wir einen klaren Generationswechsel. Junge Anleger investieren zunehmend über digitale Plattformen und Neo-Broker – und diese vertreiben fast ausschließlich ETFs. Wer diese Kundengruppe erreichen will, muss präsent sein.
Bei privaten Anlagen ist die Akzeptanz inzwischen breit. Die entscheidende Frage bleibt die Liquidität. Deshalb haben wir vor anderthalb Jahren unsere Private Asset Academy gegründet. Aufklärung ist essenziell. Ich glaube nicht an aggressiven Produktverkauf. Es geht um Vermögen, um Vertrauen. Fehlallokationen oder Missverständnisse dürfen nicht passieren.
Welche Auswirkungen hat das auf die wirtschaftliche Struktur der Branche und auf Natixis selbst?
Chemouny: Private Assets wirken sich positiv auf die Ertragsstruktur aus – zumindest aktuell. Während Margen bei traditionellen Assetklassen unter Druck stehen, sind sie bei privaten Märkten noch stabil. Langfristig wird sich auch das angleichen, aber für uns ist dieser Bereich wichtig, um unsere Profitabilität zu sichern.
ETFs verändern vor allem die Distribution. Rückvergütungen verschwinden, regulatorischer Druck steigt. Das betrifft eher die Vertriebspartner als uns selbst. Entscheidend ist: Wir müssen dort sein, wo unsere Kunden uns erwarten. Generell sind die Kosten im Asset Management stark gestiegen – durch Regulierung, Reporting, Digitalisierung und KI.
Das erklärt die zunehmende Konsolidierung. Große Anbieter werden größer, spezialisierte Boutiquen überleben – die Mitte hingegen verschwindet. Das ist ein Trend, der sich fortsetzen wird.
Zum Abschluss: Wie wollen Sie den Erfolg aus dem vergangenen Jahr wiederholen?
Chemouny: Indem wir nah am Kunden bleiben. Beziehungen sind entscheidend. Wenn es Probleme gibt, müssen wir sie früh adressieren. Und natürlich müssen wir weiter Alpha liefern – das ist unser Kernversprechen. Unser Modell mit unabhängigen, hochspezialisierten Boutiquen ist dafür ideal. Die Volatilität wird bleiben, ebenso Währungsbewegungen. Wir sind gut ins Jahr gestartet – und wenn wir weiter hart arbeiten und kundennah bleiben, bin ich zuversichtlich.
Über den Interviewten:
Fabrice Chemouny ist seit 2003 in diversen leiteneden Positionen bei Natixis tätig. Seit 2023 leitet er den globalen Vertrieb. Vorherige Karrierestation war unter anderem bei BNP Paribas und Mazars.