Die strategische Vermögensallokation der vergangenen drei Jahrzehnte ruhte auf einer Annahme, die heute nicht mehr trägt – der Dominanz eines einzigen Währungs- und Sanktionsraums. Wer Wealth Management auf der Höhe der Zeit betreibt, muss Allokation neu denken: entlang von Währungsblöcken, sanktionsrechtlichen Perimetern und parallel laufenden Settlement-Infrastrukturen.
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Die strategische Vermögensallokation der vergangenen drei Jahrzehnte ruhte auf einer Annahme, die heute nicht mehr trägt – der Dominanz eines einzigen Währungs- und Sanktionsraums. Wer Wealth Management auf der Höhe der Zeit betreibt, muss Allokation neu denken: entlang von Währungsblöcken, sanktionsrechtlichen Perimetern und parallel laufenden Settlement-Infrastrukturen.
Die Branche spricht seit einigen Jahren über „Geopolitik als Faktor". Der Begriff ist defensiv. Er suggeriert, man könne sie wie eine Volatilitätsphase aussitzen. Das Gegenteil trifft zu. Was wir beobachten, ist keine Phase, sondern eine strukturelle Verschiebung der Anlageachsen. Wer das nicht in die strategische Asset Allocation übersetzt, verwaltet ein Portfolio aus der Vergangenheit.
Der unipolare Dividendenbezug ist beendet
Drei Jahrzehnte profitierten westliche Portfolios von einer Sondersituation: dem Dollar als unangefochtener Leitwährung, einer global integrierten Lieferkette, niedrigen Risikoprämien für grenzüberschreitendes Kapital und einer regulatorischen Architektur, die im Wesentlichen aus Washington, Brüssel und Basel kodifiziert wurde. Diese Konfiguration ist nicht völlig verschwunden, aber sie wird relativiert.
Der Anteil des US-Dollars an den globalen Devisenreserven ist nach IWF-Daten seit der Jahrtausendwende von rund 71 Prozent auf zuletzt knapp unter 58 Prozent gefallen. Im selben Zeitraum haben Zentralbanken – angeführt von China, Indien, der Türkei, Polen, Singapur – ihre Goldbestände aggressiv ausgebaut. 2022 und 2023 lagen die jährlichen Nettokäufe nach Erhebungen des World Gold Council jeweils über 1.000 Tonnen. Das ist kein Sentiment. Das ist Bilanzpolitik.
Parallel hierzu hat sich ein zweites Settlement- und Trade-Finance-Ökosystem etabliert: CIPS als Alternative zu SWIFT, Renminbi-Clearing in Hongkong, Schanghai, Frankfurt, Zürich; mBridge als CBDC-Korridor zwischen Hongkong, Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten und China; zunehmend bilaterale Settlement-Abkommen in Lokalwährungen innerhalb der erweiterten BRICS-Gruppe. Wer das als Symbolpolitik abtut, hat die Funktion nicht verstanden. Es handelt sich um die Errichtung eines redundanten Finanzraums – nicht zur Ablösung des Dollars, sondern zur Reduktion seines Hebels.
Drei Sphären statt einer Allokationsachse
Ich plädiere für eine Allokationssicht in drei Sphären: der atlantischen (USD, EUR, GBP, CHF), der sinozentrischen (CNY und ein wachsender Korridor angedockter Asien-Pazifik-Währungen) und der multipolar-blockfreien Sphäre, die mehr ist als „Emerging Markets" im klassischen Indexverständnis. Sie umfasst die Golfstaaten, Indien, Teile Lateinamerikas, ASEAN-Volkswirtschaften, ausgewählte afrikanische Energiemärkte.
Die entscheidende Frage für die strategische Asset Allocation lautet nicht mehr „Aktien oder Renten?", sondern: In welcher dieser drei Sphären ist Kapital sicher gegen extraterritoriale Eingriffe? Welche Vermögensgegenstände lassen sich von einer Sphäre in die andere bewegen, ohne dass dabei Restriktionen, sekundäre Sanktionen oder ein faktisches Settlement-Risiko entstehen?
Aus dieser Logik leitet sich ein Allokationsrahmen ab, der sich konkret abbilden lässt. In dem für Großvermögen plausiblen Korridor zwischen 25 und 35 Prozent gehört aus meiner Sicht heute eine bewusste Allokation in nicht-westliche Anlagezonen – über harte Assets, lokale Beteiligungen, Rohstoffinfrastruktur, ausgewählte Staats- und Quasi-Staatstitel der Golfregion. Das ist keine ESG-Diskussion. Das ist Souveränitätsdiversifikation.
Gold ist kein Hedge mehr, sondern Allokationsbaustein
In der klassischen Lehre galt Gold als Versicherung – eine Position, die man niedrig hielt, weil sie keine laufende Rendite trägt. Diese Sicht ist überholt. Gold ist in der laufenden Dekade eine monetäre Gegenwährung gegen die Erodierung westlicher Bilanzen geworden. Zentralbanken kaufen es. Souveräne Vermögensträger, Family Offices, vermögende Industriellenfamilien halten zunehmend physisches Gold außerhalb des unmittelbaren Zugriffs ihrer eigenen Jurisdiktion – in der Schweiz, in Singapur, in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die operative Konsequenz für die SAA ist eine Verschiebung der Goldquote in den substanziellen einstelligen, in dynamischen Fällen niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Wer dies tut, sollte die Verwahrung gleichermaßen ernst nehmen wie die Position selbst. Allocated Storage, nicht bankgebunden, in mindestens zwei Jurisdiktionen – das ist das praktische Minimum.