Christian Sewing von der Deutschen Bank und Co. Reichensteuer steigt auf 47 Prozent – das sagt die Finanzbranche zum Reformpaket

Die geforderte Steuerreform der Bundesregierung ist da.

Die geforderte Steuerreform der Bundesregierung ist da. Bildquelle: DAS INVESTMENT mit Canva

Michael Heise, Chefökonom bei HQ Trust.

Michael Heise ist Chefökonom der Anlagegesellschaft HQ Trust.

Michael Heise ist Chefökonom der Anlagegesellschaft HQ Trust. © HQ Trust

„Es ist sehr zu begrüßen, dass sich die Koalitionspartner trotz größerer Meinungsunterschiede in der Wirtschaftspolitik auf eine umfassende Liste von Reformen geeinigt haben. Die Liste an Maßnahmen, teilweise handelt es sich noch um Absichtserklärungen, umfasst immerhin weite Bereiche der Wirtschafts- und Finanzpolitik.

In den zentralen Bereichen, die für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und damit für Wachstum und Beschäftigung wichtig sind, bleiben die Reformen jedoch weit hinter dem Notwendigen zurück. Nach der Reform ist vor der Reform. Ohne eine durchgreifende Verbesserung der Angebotsbedingungen wird es den dringend benötigten Investitionsaufschwung in der deutschen Wirtschaft kaum geben.

Viele andere Länder bieten weitaus bessere Bedingungen. Deutschland ist in Bezug auf die Investitionsbedingungen auf die unteren Tabellenplätze im Wettbewerb der Industrieländer zurückgefallen.

Eine ambitionierte Reform würde eine Absenkung der Sozialbeiträge auf 40 Prozent der Bruttolohn- und Gehaltssumme ebenso enthalten wie eine rasche Reduzierung der Körperschaftsteuer zumindest auf internationales Durchschnittsniveau. Zudem fehlt das Angehen einer Gegenfinanzierung durch eine Rückführung der Staatsquote und der Staatstätigkeit, die inzwischen rund 50 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts ausmacht.“

Sieben Stunden hatten die Spitzen von Union und SPD im Kanzleramt verhandelt, kurz vor Mitternacht stand der Kompromiss. Die Steuerreform soll rund zehn Milliarden Euro Entlastung bringen. Am Donnerstagmorgen präsentierten Friedrich Merz, Markus Söder, Bärbel Bas und Lars Klingbeil das Ergebnis im Garten des Kanzleramts. „Es ist ein guter Tag für Deutschland“, eröffnete Merz die Pressekonferenz. Man wolle das Land „wieder flottmachen“, so der Kanzler.

Für Berater, Vermögensverwalter und ihre Kunden steckt der relevante Teil im Detail der Einkommensteuer. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bleibt unangetastet, soll künftig aber erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 70.600 Euro greifen. Deutlicher fällt der Eingriff am oberen Ende aus: Die Reichensteuer wird in zwei Stufen aufgeteilt. Ab 250.000 Euro Einkommen gelten künftig 45 Prozent, ab 280.000 Euro dann 47 Prozent. Bisher liegt der Höchstsatz bei 45 Prozent und greift ab rund 277.826 Euro. Die SPD setzte damit einen höheren Spitzensatz durch, die Union verhinderte, dass der Aufschlag breiter ansetzt. 

Gegenfinanziert wird darüber die Entlastung am anderen Ende der Skala: Haushalte mit bis zu 60.000 Euro Jahreseinkommen sollen um bis zu 600 Euro pro Jahr entlastet werden, Familien mit Kindern bis spätestens 2028 in ähnlicher Größenordnung. Zwei Punkte dürften Kunden im Private Banking erleichtern: Erbschaftsteuer und Dienstwagenbesteuerung bleiben unangetastet. Für die Anlageseite relevant ist zudem, dass der „Deutschlandfonds“ für Unternehmensbeteiligungen mehr Geld erhalten soll.

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