Analyse von HQ Trust Ab wann ein Aktienportfolio wirklich gestreut ist

Pascal Kielkopf von HQ Trust:

Pascal Kielkopf von HQ Trust: „Diversifikation ist der einzige Free Lunch an den Kapitalmärkten.“ Bildquelle: HQ Trust

Ein Portfolio aus Nvidia-Aktien ist nicht gestreut – das ist offensichtlich. Doch wo genau liegt die Grenze? Ab wie vielen Titeln kann ein Anleger wirklich von Diversifikation sprechen? Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege beim Multi Family Office HQ Trust, hat diese Frage systematisch untersucht – auf Basis des MSCI ACWI, eines weltweiten Index mit mehr als 2.500 Titeln, und der Daten der vergangenen zehn Jahre.

Im Mittelpunkt steht das sogenannte unsystematische Risiko. Es beschreibt den Teil der Gesamtschwankung eines Portfolios, der nicht vom Markt kommt, sondern von einzelnen Unternehmen oder Branchen – und der sich durch Streuung verringern lässt. Kielkopf berechnete schrittweise, wie viel unsystematisches Risiko ein Anleger getragen hätte, wenn er nur in die größten fünf, zehn, fünfzig oder zweihundert Aktien des Index investiert hätte – bis zu einer Titelzahl von 300.

HQ-Trust-Analyse zu Diversifikation
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Zehn Titel reichen nicht

Das Ergebnis ist eindeutig: Wer ausschließlich die größte Aktie im MSCI ACWI hält, trägt ein stark konzentriertes Risiko – rund zwei Drittel der Schwankungen wären titelspezifisch. Bei den zehn größten Titeln sinkt dieses Risiko auf rund 35 Prozent. Von wirksamer Streuung kann auch hierbei noch nicht die Rede sein.

Der akademisch oft verwendete Schwellenwert von 10 Prozent – ab dem Fachleute von echter Diversifikation sprechen – wird laut Kielkopfs Analyse erst erreicht, wenn 90 der größten Aktien im Portfolio enthalten sind. Bis auf unter 5 Prozent sinkt das unsystematische Risiko erst bei knapp 200 Titeln – eine Marke, die viele professionelle Anleger als Voraussetzung für breite Marktabdeckung betrachten.

Selbst 300 Titel genügen nicht für Indexreplikation

Selbst bei 300 Titeln liegt das unsystematische Risiko noch bei rund 3 Prozent. Für echte Indexreplikation wäre eine sehr große Titelzahl notwendig – weit mehr, als für Privatanleger noch handhabbar ist.

 

Kielkopf zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: „Die Analyse bestätigt eine der ältesten Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung: Diversifikation ist tatsächlich der einzige Free Lunch an den Kapitalmärkten.“ Wer das Risiko einzelner Unternehmen möglichst ausschalten und die Rendite des globalen Aktienmarktes vereinnahmen möchte, benötigt deutlich mehr Titel als viele Anleger vermuten. Wer wenige Aktien hält, geht spezifische Risiken ein – und erhält dafür am Markt langfristig keine verlässliche Mehrrendite.

Viele Titel allein sind kein Garant

Allerdings macht die bloße Anzahl noch kein gut gestreutes Portfolio. Kielkopf weist ausdrücklich auf diese Einschränkung hin: Wer 200 Technologieaktien oder ausschließlich deutsche Unternehmen hält, hat zwar viele Titel – aber keine echte Streuung. Entscheidend sei die Verteilung über Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Erst das breite Investieren in den globalen Markt bringe den vollen Nutzen.

Für Anleger, die bewusst auf einzelne Themen, Sektoren oder Unternehmen setzen, gelten andere Maßstäbe. Kielkopf hält auch das für eine legitime Strategie – allerdings verbunden mit höheren Einzeltitelrisiken und der Erwartung einer Überrendite.

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