Der Golfkrieg, die Anschläge vom 11. September 2001, der Irakkrieg, der russische Angriff auf die Ukraine: Immer wenn geopolitische Spannungen eskalieren, reagieren die Märkte mit Kursrückgängen. Viele Anleger fragen sich dann, ob sie ihr Portfolio schützen und Positionen verkaufen sollen. Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege beim Multi Family Office HQ Trust, hat untersucht, was die Daten der Vergangenheit dazu sagen.
Als Grundlage nutzte Kielkopf den Geopolitical Risk Index (GPR-Index) des Ökonomen Matteo Iacoviello. Dieser Index misst die globale geopolitische Risikolage, indem er auswertet, wie häufig bestimmte Schlüsselbegriffe rund um Kriege, Terrorismus und politische Spannungen in internationalen Zeitungsartikeln auftauchen. Je häufiger solche Begriffe erscheinen, desto höher der Indexstand.
Methode: Hochrisikophasen klar definiert
Um Phasen mit erhöhtem Risiko eindeutig zu bestimmen, legte Kielkopf einen Schwellenwert fest: Überschreitet der GPR-Index den historischen Mittelwert um mehr als eine Standardabweichung, gilt die geopolitische Lage als angespannt. Anschließend berechnete der Kapitalmarktstratege für den globalen Aktienindex MSCI ACWI, wie stark die Märkte in solchen Hochrisikophasen einbrachen – und wie sie sich in den drei Monaten danach entwickelten.
Die Ergebnisse verglich er mit Monaten ohne erhöhtes Risikoniveau. Der Betrachtungszeitraum reicht von Januar 1985 bis Februar 2026.
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Verluste spürbar, aber begrenzt
Das Ergebnis: In Monaten mit überdurchschnittlich hohem geopolitischen Risiko verloren Anleger im MSCI ACWI zwischenzeitlich im Schnitt 3,7 Prozent. In ruhigeren Monaten lag dieser maximale monatliche Rückgang bei durchschnittlich nur 2,3 Prozent. „Der Unterschied ist also spürbar – aber vermutlich geringer als viele Anleger befürchten“, so Kielkopf.
Noch aufschlussreicher ist der Blick auf die Erholung: Drei Monate nach den Hochrisikophasen notierte der MSCI ACWI durchschnittlich 6 Prozent höher. In normalen Zeiten waren es 5,7 Prozent. Die Erholung nach geopolitischen Schocks fiel damit historisch minimal stärker aus als in ruhigen Phasen.
„In Summe sind die Ergebnisse aber so nah beieinander, dass man sagen kann, dass die Märkte wieder zur Tagesordnung übergegangen sind“, erklärt der Experte. Auch die historischen Schwankungsbreiten bestätigen dieses Bild: Risiko und Rendite rund um geopolitische Spannungen unterscheiden sich nicht signifikant von normalen Marktphasen.
Verkäufe in der Krise oft ein Fehler
Aus diesen Erkenntnissen zieht Kielkopf eine klare Schlussfolgerung für Anleger: „Geopolitische Krisen wirken an den Märkten oft bedrohlicher, als sie sich langfristig tatsächlich auswirken.“ Wer in solchen Phasen verkauft, verpasst meist die anschließende Erholung. Anleger, die investiert blieben oder in der Schwäche nachkauften, wurden den Daten zufolge meist bereits nach wenigen Monaten belohnt.
Das bedeutet jedoch nicht, geopolitische Risiken zu ignorieren. Einzelne Krisen könnten auch deutlich stärkere Verluste verursachen – das bleibe laut Kapitalmarktstrategen jedoch die Ausnahme. Insgesamt zeigen die Märkte laut der Analyse eine hohe Widerstandskraft.
Kielkopfs Empfehlung: „Kurzfristige Rückschläge durch geopolitische Schocks sind normal. Ein diszipliniertes Rebalancing ist meist die bessere Reaktion als hektische Verkäufe.“ Disziplin, ein langer Atem und ein robustes Portfolio seien in Krisenzeiten die verlässlichsten Grundlagen.