Kreditrisiken Private Credit unter Druck: Deutsche Bank legt Milliarden-Risiko offen

Die Narzissen am Mainufer beginnen vor der Frankfurter Bankenskyline zu blühen.

Die Narzissen am Mainufer vor der Frankfurter Bankenskyline beginnen zu blühen. Bildquelle: Imago Images / greatif

In ihrem Jahresbericht für 2025 hat die Deutsche Bank offengelegt, wie tief sie im umstrittenen Private-Credit-Markt verwurzelt ist: Das Engagement beläuft sich auf rund 26 Milliarden Euro – etwa sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Reaktion der Anleger ließ nicht lange auf sich warten. Am Donnerstag verlor die Aktie bis zum Nachmittag mehr als sechs Prozent und fiel damit deutlich stärker als der europäische Bankenindex Stoxx Europe 600 Banks, der rund vier Prozent einbüßte. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 23,7 Prozent an Wert verloren – von 33,56 Euro auf 25,62 Euro.

Der Markt für Darlehen, die von privaten Fonds direkt an Unternehmen vergeben werden, ist in den vergangenen Jahren auf ein weltweites Volumen von rund 1,8 Billionen Dollar gewachsen. Private-Credit-Fonds zählen zu den sogenannten Non-Bank Financial Institutions – Finanzierern, die ein ähnliches Geschäft wie Banken betreiben, aber weniger streng reguliert werden. Umgangssprachlich heißen sie Schattenbanken.

In ihrem Geschäftsbericht räumt die Deutsche Bank ein, dass Finanzierungen für solche Fonds „aufgrund jüngster Zahlungsausfälle einer verstärkten Wachsamkeit unterliegen“. Gleichzeitig betont das Institut, dass ihm keine „signifikanten Risiken“ im Zusammenhang mit diesen Instituten drohen – schließt aber nicht aus, „indirekten Risiken durch miteinander verbundene Portfolios und Gegenparteien“ ausgesetzt zu sein.

Trotz der Turbulenzen will die Deutsche Bank das Geschäft weiter ausbauen, und zwar gemeinsam mit der Unternehmenssparte und dem Investmentbanking. Das Kreditportfolio soll allerdings die Marke von 26 Milliarden Euro nicht überschreiten.

KI bedroht das Herzstück vieler Portfolios

Hinter den Turbulenzen steckt ein strukturelles Problem: Viele Private-Credit-Fonds haben in den vergangenen Jahren Softwareunternehmen finanziert, deren Geschäftsmodelle durch den rasanten Vormarsch künstlicher Intelligenz unter Druck geraten könnten. Das schürt Zweifel an der Qualität der vergebenen Darlehen.

Die größte US-Bank J.P. Morgan hat deshalb die Vergabe von Krediten an private Kreditfonds eingeschränkt, nachdem sie entsprechende softwarebezogene Darlehen in ihren Portfolios abgeschrieben hatte.

 

Morgan Stanley und Cliffwater kappen Rücknahmen

Das Misstrauen der Investoren zeigt sich am deutlichsten in den Mittelabflüssen. Morgan Stanley und die Investmentgesellschaft Cliffwater haben zuletzt Auszahlungen aus ihren milliardenschweren Private-Credit-Fonds eingeschränkt, nachdem die Rücknahmeanträge die zulässigen Grenzen überstiegen.

Beim Cliffwater Corporate Lending Fund, dem 33 Milliarden Dollar schweren Flaggschiff-Vehikel des Unternehmens, beantragten Investoren im ersten Quartal die Rückgabe von rekordhohen 14 Prozent der Anteile. Genehmigt wurden lediglich 7 Prozent – das regulatorische Maximum. In einem Schreiben an Investoren, das „Bloomberg“ vorlag, betonte Gründer und CEO Stephen Nesbitt, die Performance des Fonds sei weiterhin stark. Er verwies auf eine annualisierte Rendite von rund 9,4 Prozent seit Juni 2019 sowie auf eine „historisch nahezu null Prozent realisierte Verluste“.

Auch Morgan Stanleys North Haven Private Income Fund mit einem Vermögen von rund 7,6 Milliarden Dollar schränkte die Rücknahmen ein. Im ersten Quartal beantragten Investoren Rückzahlungen in Höhe von 10,9 Prozent der Anteile. Erfüllt wurden 45,8 Prozent dieser Anträge – ausgezahlt wurden rund 169 Millionen Dollar, weniger als die Hälfte der eingereichten Anträge. Morgan Stanley begrenzte die Rücknahmen dabei auf 5 Prozent der Anteile. 

Branche im Stresstest

Die Entwicklungen bei Morgan Stanley und Cliffwater stehen nicht für sich allein. Blackrock hatte zuletzt angekündigt, Rücknahmen aus seinem 82 Milliarden Dollar schweren Private-Credit-Fonds Bcred einzuschränken – obwohl die Rücknahmequote dort bei 7,9 Prozent der Nettovermögenswerte lag und das Unternehmen alle Anfragen bedienen konnte. Auch HPS hat Rücknahmen bei seinem Flaggschiff-Vehikel auf 5 Prozent begrenzt.

Private-Credit-Fonds für Privatanleger sind typischerweise verpflichtet, einmal pro Quartal Anteilsrücknahmen anzubieten – sind aber nicht darauf ausgelegt, einem massiven Abzug von Kapital standzuhalten. Dieses Konstruktionsprinzip wird gerade einem Stresstest unterzogen, dessen Ausgang noch offen ist.

Mehr über die aktuelle Situation bei Private Debt lesen Sie hier in unserer Analyse: „Private Credit - das Ende der Illusion“.

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