Analyse von HQ Trust Wie lange liegt man am Aktienmarkt wirklich im Minus?

Pascal Kielkopf von HQ Trust.

Pascal Kielkopf von HQ Trust: Den absoluten Negativrekord markiert die Dotcom-Blase. Wer am Höhepunkt des Jahres 2000 einstieg, wartete 13,2 Jahre bis er wieder im Plus lag. Bildquelle: HQ Trust

Die Angst vor dem falschen Einstiegszeitpunkt gehört zu den häufigsten Hemmnissen beim Investieren. Doch wie berechtigt ist diese Sorge?

Der Kapitalmarktanalyst Pascal Kielkopf vom Multi Family Office HQ Trust hat für jeden Handelstag seit Januar 1972 berechnet, wie lange ein Investor – ab seinem jeweiligen Kauftag – im Minus geblieben wäre. Die Analyse deckt nicht nur große Krisen wie den Dotcom-Crash, die Finanzkrise 2008 oder den Corona-Einbruch ab, sondern auch die vielen kleineren, heute kaum noch erinnerten Rückschläge des Marktes.

Im Median: nur zwei Tage im Minus

Das zentrale Ergebnis überrascht: „In den meisten Fällen war der Verlust verblüffend kurz“, so Kielkopf. Im Median – also bei der Hälfte aller untersuchten Einstiegstage – lag ein Anleger maximal zwei Tage im Minus, bevor der Markt wieder über seinen Kaufkurs stieg. In neun von zehn Fällen dauerte die Verlustphase höchstens einen Monat. Wer drei Monate Geduld aufbrachte, lag mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit bereits wieder im Plus.

Auch bei sehr ungünstigem Timing hielten sich die Verlustphasen in Grenzen: Mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit betrug die maximale Dauer 3,3 Jahre. Den absoluten Negativrekord markiert die Dotcom-Blase. Wer am Höhepunkt des Jahres 2000 einstieg, wartete 13,2 Jahre bis er wieder im Plus lag.

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Dauerhaft im Gewinn: ein anderes Bild

Kielkopf untersuchte auch ein zweites Szenario: Hier berücksichtigte er, ob ein Anleger nach einem zwischenzeitlichen Kursanstieg erneut unter seinen Kaufkurs fiel – und berechnete, wann er dauerhaft im Gewinn war. Im Median dauerte es 1,5 Jahre, also rund 18 Monate, bis ein Investor dauerhaft im Plus lag. In neun von zehn Fällen war das nach maximal 9,6 Jahren erreicht.

Die langen Verlustphasen konzentrieren sich dabei auf wenige historische Krisen: die Siebzigerjahre, die Dotcom-Korrektur der frühen Nullerjahre und die Finanzkrise ab 2008. Viele andere Perioden zeigen hingegen nur kurze Minusstrecken.

 

Investiert bleiben statt auf den perfekten Moment warten

Was bedeutet das für Anleger in einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld? Geopolitische Krisen wie die aktuelle Lage im Iran können die Märkte kurzfristig durchaus belasten, erklärt Kielkopf. Doch die historische Evidenz zeigt: Wer global gestreut investiert, erlebt die meisten Verlustphasen als überraschend kurz – selbst wenn die Nachrichtenlage dramatisch wirkt.

Die Konsequenz für die Praxis formuliert der Experte klar: „Entscheidend ist, investiert zu bleiben und nicht aus Angst vor kurzfristigen Schwankungen zu verkaufen oder bis zum Sankt-Nimmerleinstag auf den Einstieg zu warten.“ Langfristig orientierte Anleger profitieren von der Widerstandskraft der globalen Wirtschaft, die nach Krisen immer wieder die Grundlage für eine Erholung der Aktienmärkte bildet.

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