Kein Wachstum Run-off-Spezialist Athora prüft Rückzug aus Deutschland

Athora-Chef Mike Wells

Athora-Chef Mike Wells: Nachdem es nicht gelungen ist, auf dem deutschen Markt nennenswert zu wachsen, denkt Wells über einen Verkauf des Deutschlandgeschäfts nach. Bildquelle: Prudential

Der Run-off-Spezialist Athora Lebensversicherung erwägt den Verkauf seiner deutschen Tochtergesellschaft. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Als Grund für die Überlegungen von Chef Mike Wells wird das ausbleibende Wachstum auf dem deutschen Markt genannt. Athora selbst wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

Die Pläne befinden sich noch in einem frühen Stadium. Die internationale Holding prüfe derzeit verschiedene strategische Optionen für das Deutschlandgeschäft, ein Verkauf sei nur eine von mehreren Möglichkeiten, heißt es im Bloomberg-Bericht.

Bestand von rund 151.000 Verträgen

Die Athora Lebensversicherung betreute zum Jahresende 2024 insgesamt 150.704 Verträge und erzielte Bruttobeitragseinnahmen von 115,12 Millionen Euro. Das Unternehmen ist auf das Run-off-Geschäft spezialisiert und übernimmt Altbestände von Lebensversicherern, die dann bis zum Auslaufen abgewickelt werden. Aktives Neugeschäft schreibt der Versicherer seit 2010 nicht mehr.

 

Für 2024 weist die Gesellschaft ein Ergebnis von 11,24 Millionen Euro aus. Die Athora Pensionskasse verwaltete zudem zum Jahresende 2.567 Versicherungsverträge mit Bruttobeitragseinnahmen von 1,58 Millionen Euro.

Gescheiterte Wachstumspläne

Athora hatte mehrfach versucht, sein Deutschlandgeschäft deutlich auszubauen. Im Jahr 2024 scheiterte die geplante Übernahme von rund 900.000 Lebens- und Rentenversicherungsverträgen der Axa. Die beiden Unternehmen hatten sich einvernehmlich darauf geeinigt, die 2022 vereinbarte Transaktion nicht weiterzuverfolgen. Als Grund nannten sie Veränderungen der Finanzmarktbedingungen. Branchenbeobachter führten an, dass die steigenden Zinsen am Kapitalmarkt die Bewertung der Versicherungsbestände verteuert hätten.

Auch beim Verkauf der Viridium Holding, des größten Run-off-Versicherers auf dem deutschen Markt mit rund 3,4 Millionen Verträgen, blieb Athora erfolglos. Im Bieterwettbewerb setzte sich ein Konsortium unter Führung der Allianz durch.

Internationale Expansion

Während Athora in Deutschland keine größeren Zukäufe realisieren konnte, expandiert das Unternehmen in anderen Märkten. In Großbritannien übernimmt die Athora Holding für umgerechnet circa 6,6 Milliarden Euro die Pension Insurance Corporation Group, die ein Portfolio von rund 58,5 Milliarden Euro verwaltet. In den Niederlanden wendet sich Athora inzwischen wieder dem Neugeschäft zu.

Am internationalen Mutterkonzern hält der US-amerikanische Investor Apollo Global Management 25 Prozent der Anteile.

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