Wer an globale Dividenden-Fonds oder ETFs denkt, hat oft ein bestimmtes Bild vor Augen: breite Streuung über verschiedene Regionen mit Schwerpunkt auf europäischen Aktien. Diese Vorstellung entspricht aber nicht mehr der Realität – zumindest, was den S&P Global Dividend Aristocrats betrifft. Das zeigt eine neue Analyse von Sebastian Dörr.
Der Kapitalmarktanalyst des Multi Family Offices HQ Trust untersuchte dafür die regionale und sektorale Zusammensetzung des S&P Global Dividend Aristocrats von Juli 2015 bis Juli 2025. Das Ergebnis: Der Index hat sich grundlegend gewandelt.
Nordamerika verdrängt Europa
Die größte Veränderung zeigt sich bei der regionalen Aufteilung. Dass Anleger mit einem Dividenden-Index vor allem auf europäische Aktien setzen, treffe schon seit mehreren Jahren nicht mehr zu, erklärt Dörr. Seit 2019 sei der Anteil nordamerikanischer Aktien durchweg höher als der europäischer Titel gewesen. Aktuell entfallen 57,5 Prozent des Index auf nordamerikanische Unternehmen.
Der Zuwachs Nordamerikas gehe vor allem zu Lasten europäischer Werte, deren Anteil sich in den vergangenen zehn Jahren etwa halbiert habe. Die Anteile der beiden anderen Anlageregionen Pazifik und Schwellenländer seien dagegen relativ konstant geblieben.
Der Beitrag zur regionalen Diversifikation falle somit womöglich wesentlich geringer aus, als Anleger bei einer globalen Dividendenstrategie vermuten könnten, ist Dörrs Fazit.
Konzentration auf wenige Sektoren
Auch sektoral hat sich der Index konzentriert. Zwar hießen die beiden größten Sektoren damals wie heute Finanzen und Versorger. Doch die Zusammensetzung habe sich spürbar verändert: 2015 kamen sechs der elf Sektoren auf ein Gewicht von mehr als 10 Prozent. Heute schaffen nur noch drei diese Marke.
Vor zehn Jahren entfielen 31,5 Prozent des Portfolios auf die beiden größten Sektoren. Heute liegt dieser Wert bei 44 Prozent. Besonders gering fällt der Technologie-Anteil aus: Er beträgt nicht einmal 1 Prozent.
Wer bereits einen hohen US-Anteil habe, streue mit Produkten mit anderem regionalen Schwerpunkt daher besser, so Dörr. Das Gleiche gelte für die Sektoren: Ob der Anteil der Versorger bei 3 oder bei 24 Prozent liege, könne für ein Portfolio einen Unterschied machen – beides sei in den vergangenen zehn Jahren möglich gewesen.