…die Dinge zu leben und authentisch zu vertreten. Mit eigenem Handeln vorausgehen und nicht, weil es gefordert wird. Nicht etwas proklamieren, weil man meint, es würde gut ankommen. Nicht nur umzusetzen, damit man eine Vorgabe erfüllt hat. Nur wer nachhaltig denkt und lebt, kann auch langfristig und gut im Sinne der Nachhaltigkeit investieren. Man braucht keine externen Normen oder Ratgeber, die einem im Zweifel sagen müssen, was nachhaltig ist und was nicht. Man braucht keine Sorgen zu haben, dem Gesetzgeber nicht zu entsprechen.
Bei dem Thema der Nachhaltigkeit denke ich auch oft an Lokales und Regionales. Angebotene Getränke im Büro wie Säfte oder Wasser werden lokal hergestellt oder vertrieben. Weine auf unseren Kundenveranstaltungen kommen beispielsweise aus Deutschland, Österreich oder Italien und nicht aus Übersee. Der Fair-Trade-Kaffee wird regional geröstet, Milch und Butter kommen von der Molkerei um die Ecke. Die Beispiele lassen sich beliebig weiterführen und sind natürlich an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.
Reduzierung des CO2-Fußabdruckes in den Depots
Die Worte „Wasser predigen und Wein trinken“ kennen wir alle nur zu gut. Hier geht es keineswegs um die Qualität von Weinen aus Übersee, sondern eher darum, dass jedes Produkt auch einen CO2-Fußabdruck besitzt und dieser, je kürzer die Wege sind, eben auch kleiner ist. Und hätte dieser höhere CO2-Ausstoß auch einen entsprechenden Preis, würden so manche Kaufentscheidungen von alleine anders getroffen werden. Dies sind zum Beispiel Dinge, die man im Kleinen selber machen kann. Sie sollten aber auch eine Auswirkung auf die Anlagen haben, die man tätigt.
Aus solchen Überlegungen heraus ist die Reduzierung unseres CO2-Fußabdruckes in den Depots vor vielen Jahren entstanden und nicht erst durch die Regulierung, die das Thema als PAI-Indikator mit aufgenommen hat. Wir haben dies also in der Umsetzung und unserer prozessualen Gestaltung antizipativ vorweggenommen, weil wir es für richtig erachtet haben.
Man kann bei ESG-Investments viel ausschließen, und ich bin ein absoluter Freund davon, wenn man etwas ausschließt, es dann auch vollständig und konsequent zu tun. Wir sprechen hier von absoluten Ausschlüssen und nicht von bedingten Ausschlüssen. Es ist doch bei Investitionen auch so: Man kann ein Unternehmen in Form einer Aktie kaufen oder nicht kaufen. Es mag vielleicht ein übertriebenes Beispiel sein, aber auch wenn ein Unternehmen weniger als fünf Prozent seines Umsatzes durch Steinkohle erzielt, so kann der Abbau eben dieser, zu erheblichen lokalen Schäden führen.
„Es braucht Anreize, komplett auf diese Bereiche zu verzichten“
Global gesehen ist der Schaden vielleicht überschaubar, lokal kann er aber ganz erheblich sein. Und wenn wir ehrlich sind: Niemand will eben genau diese fünf Prozent vor der eigenen Haustüre haben. Gilt aus meiner Sicht auch für die Bereiche Öl, Gas, Schiefergas/Fracking, Atomkraftwerke/Atomendlager und den ganzen Mining-Bereich. Ja, für viele Unternehmen ist
der Weg dorthin weit, sehr weit sogar. Aber es braucht eben auch die Anreize, komplett auf diese Bereiche zu verzichten, damit die Unternehmen den Weg nicht nur halbherzig beschreiten. Auch das halte ich für einen absolut fortschrittlichen und weitblickenden Ansatz, den wir so eins zu eins in unserem hauseigenen ESG-Ansatz und unserer Policy festgeschrieben haben.
Unter Nachhaltigkeit versteht so ziemlich jeder etwas anderes. Das ist auch gut so, denn so hört man nicht auf zu diskutieren. Und zumindest diskutiert man jetzt darüber. Vor zehn Jahren konnte man das Thema Dekarbonisierung ansprechen und man hat kaum Gehör bekommen, jetzt hat man sofort eine Diskussion. Und das finde ich gut, so kontrovers diese auch sein mag. Ist Nachhaltigkeit dadurch Mainstream? Nein. Sie ist eher auf dem Weg, ein nicht wegzudenkender Baustein von Unternehmen zu werden. In unserer Firmen-DNA ist sie auf authentische Weise bereits tief verwurzelt und verankert.
Und zu guter Letzt für den Moment: Für mich ist die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft die industrielle Revolution 4.0! Es ist ein Umbruch, und jeder Umbruch birgt Risiken und bringt Sorgen mit sich, aber er bedeutet auch Chancen. Und auf diese Chancen sollten wir uns fokussieren. Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.
Über den Autor:
Ben Betz leitet beim Vermögensverwalter Valexx die Niederlassung in Traunstein. Seit Juli 2019 ist er für die unabhängige Vermögensverwaltung tätig, die an acht Standorten in Deutschland vertreten ist. Zuvor war Betz Produktverantwortlicher Wertpapiere bei der Bayerische Vermögen.
