Geopolitische Krisen Harte Zeiten für den norwegischen Staatsfonds

Nicolai Tangen

Nicolai Tangen: Er leitet seit 2019 den größten Staatsfonds der Welt, den norwegischen Government Pension Fund Global. Foto: Norges Bank

Der Chef des mit 1,2 Billionen US-Dollar gefüllten norwegischen Staatsfonds, Nicolai Tangen, rechnet wegen des Ukraine-Krieges und zahlreicher weiterer Herausforderungen für lange Zeit mit schwierigen Bedingungen an den Finanzmärkten. „Die geopolitischen Folgen des Krieges sind schwer vorherzusagen, aber wir stehen wahrscheinlich vor den größten Veränderungen seit 30 Jahren“, sagte Tangen am Dienstag bei einer parlamentarischen Anhörung. „Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die zunehmenden Reibungen zwischen den Supermächten und eine Umkehrung der Globalisierung die Märkte beeinflussen werden.“

Der norwegische Fonds, der sein Vermögen in ausländische Aktien, Anleihen, Immobilien und Projekte im Bereich erneuerbare Energien investiert, könne sich „nirgendwo verstecken“. Stattdessen müsse er das Risiko managen, das mit dem Engagement auf den globalen Märkten einhergehe, sagte Tangen. „All dies zusammengenommen bedeutet, dass wir eine holprige Reise vor uns haben.“ Hinzu komme eine hohe Inflation bei nach wie vor sehr niedrigen Zinsen und teuren Aktien.

Russland-Aktien noch nicht verkauft

Der 1996 gegründete weltgrößte Staatsfonds investiert die Einnahmen aus dem norwegischen Öl- und Gassektor. Er hält weltweit Anteile an 9300 Unternehmen, die 1,3 Prozent aller börsennotierten Aktien ausmachen. Man sei derzeit nicht in der Lage, das Portfolio russischer Aktien zu verkaufen, sagte Tangen. Der Markt für diese Vermögenswerte funktioniere derzeit nicht. Die norwegische Regierung hatte die Zentralbank des Landes angewiesen, bis Mitte März einen Plan vorzulegen, wie russische Wertpapiere abgestoßen werden können. Ende 2021 besaß der Staatsfonds russische Aktien im Wert von knapp 3 Milliarden US-Dollar. Das entspricht 0,2 Prozent des gesamten Fondsvolumens. Der Wert der russischen Beteiligungen ist mittlerweile um mindestens 90 Prozent gefallen.

Jeder Norweger besitzt dank des Staatsfonds auf dem Papier ein Vermögen von 230.000 US-Dollar. Ziel des Fonds ist es, die derzeit noch erzielten Erdöleinnahmen mit künftigen Generationen zu teilen.