Nachhaltigkeit Europäische Union legt Klassifizierungssystem vor

Das Berlaymont-Gebäude in Brüssel ist der Sitz des Generalsekretariats der Europäischen Kommission. | © Wikimedia

Das Berlaymont-Gebäude in Brüssel ist der Sitz des Generalsekretariats der Europäischen Kommission. Foto: Wikimedia

In dieser Woche hat die Europäische Union ihren Bericht über eine Nachhaltigkeits-Taxonomie vorgelegt. Dabei handelt es sich nach Angaben der Wirtschaftskanzlei Baker Tilly um einen Kriterienkatalog, der Investoren und Finanzierern Aufschluss über die Nachhaltigkeit von Investments geben soll.

Der von einer Expertengruppe ausgearbeitete Taxonomie-Report, den Sie hier herunterladen können, ist Teil des EU-Aktionsplans der Europäischen Kommission, der im März 2018 zur Umsetzung der Pariser Klimaziele beschlossen wurde. Der Report legt für zahlreiche Bereiche wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Elektrizitätswirtschaft, Transport Kriterien fest. Auch die Bereiche Neubau und Immobilien werden von dem Report erfasst.

Martina Hertwig, Partnerin und Wirtschaftsprüferin bei Baker Tilly, kommentiert den Bericht mit Blick auf den Immobiliensektor: „Grundsätzlich soll die Taxonomie helfen, einheitliche Standards im Bereich Nachhaltigkeit zu entwickeln. Der Report misst dem Immobiliensektor eine große Bedeutung für die Erreichung der Klimaziele bei. Immobilien sind in der EU für vierzig Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Kohlenstoffemissionen verantwortlich. Die Expertengruppe habe entschieden, den Energieverbrauch als primären Maßstab zu verwenden. Dies soll jedoch nur eine Übergangslösung sein. Nach und nach sollen zudem auch die Treibhausgasemissionen von Immobilien als Kriterien verwendet werden.

Mit der Taxonomie und deren Umsetzung wird das Thema Green Finance nach Einschätzung Hertwigs „noch einen deutlich höheren Stellenwert bekommen als bislang“. Der Druck komme unter anderem von Investoren und Banken, die ihren Investitionsentscheidungen immer stärker Nachhaltigkeitsmotive zugrunde legen, sagt Hertwig und warnt: Die Einführung der Taxonomie wird verschiedene Auswirkungen auf den Immobiliensektor haben.

Indem Eigentümer und Entwickler Zugang zu grünen Finanzierungen bekommen, wird die Taxonomie nach Auffassung Hertwigs in einigen Bereichen Wachstum anregen, bestimmte Transaktionen und die Renovierung von Immobilien mit schlechter Nachhaltigkeits-Performance stimulieren. Marktteilnehmer, die ihre Praxis nicht an die Kriterien anpassen, können ihre Produkte nicht als ‚grün‘ vermarkten und werden an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.“

Die Taxonomie gilt als Herzstück des Sustainable-Finance-Programms der EU-Kommission. Mit ihrem Aktionsplan adressiert die EU finanzielle Risiken, die beispielsweise aus Klimawandel und Umweltzerstörung resultieren. Letztlich soll die gesamte Finanz- und Wirtschaftstätigkeit in Europa transparenter und langfristiger gestaltet werden, während Impulse für das Wachstum, die Qualitätssicherung und die Transparenz nachhaltiger Geldanlagen gesetzt werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Bis September 2019 läuft nun zunächst die Konsultationsphase für den Taxonomie-Report. Ab September wird die Expertengruppe weitere Empfehlungen zur Umsetzung zusammenstellen. Ab Dezember 2019 wird die Europäische Kommission die Umsetzung in künftigen Rechtsakte vorbereiten.