Nachhaltigkeitspläne der Bafin Finanzhäuser sollen Risiken stärker beachten

Sitz der Bafin in Frankfurt am Main: Die Finanzmarktwächter widmen sich nun auch der Nachhaltigkeit.  | © Getty Images

Sitz der Bafin in Frankfurt am Main: Die Finanzmarktwächter widmen sich nun auch der Nachhaltigkeit. Foto: Getty Images

Insgesamt 37 Institute, Verbände und Privatpersonen haben den von der Bafin veröffentlichten Entwurf eines Merkblattes zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken kommentiert. Unter anderem haben sich die Bank für Kirche und Caritas (BKC), die GLS Bank und die Hannoverschen Kassen zu Wort gemeldet und einen Kommentar veröffentlicht. Wie der seit Mai 2019 amtierende Bafin-Chef für nachhaltige Finanzen (Chief Sustainable Finance Officer), Frank Pierschel, in einem Interview im monatlich erscheinenden „Bafin-Journal“ erläutert, begrüßen alle Kommentatoren das Merkblatt, viele jedoch mit einem „Aber“.

„Das ‚Aber‘ fällt je nach Interessenlage sehr unterschiedlich aus“, erläutert Pierschel mit Blick auf die Resonanz der Konsultation, die am 4. November zu Ende ging. „Wir werten jetzt alles sorgsam aus und erstellen dann eine finale Fassung, die den Entwurf in einigen Punkten verändern wird.“ Die Einleitung wird möglicherweise etwas kompakter ausfallen und etwas stärker auf den Charakter des Merkblatts eingehen. „Dort, wo uns die Argumente überzeugen, werden wir auch einzelne Empfehlungen anpassen“, kündigt Pierschel an. 

Kreditinstitute, Versicherer und Investmentfonds sollen Nachhaltigkeitsrisiken stärker in ihre Risikobetrachtung einbeziehen. Es gehe nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“, betont Pierschel. „Es steht außer Frage, dass sich die Finanzindustrie mit der Thematik auseinandersetzt. Wie sie das machen, müssen die Unternehmen selbst entscheiden – im Einklang mit dem Proportionalitätsprinzip. 

Bafin will Orientierung geben 

Die Aufseher wollen den Unternehmen mit ihrem Merkblatt zunächst einmal eine Orientierung in Form von Good Practices an die Hand geben, sagt Pierschel und weist darauf hin, dass sich auch die europäischen Aufsichtsbehörden und die Europäische Zentralbank mit dem Thema beschäftigen. „Sehr wahrscheinlich werden sie Guidelines entwickeln, die hoffentlich auch unsere Handschrift tragen“, betont der Nachhaltigkeitschef der Bafin.

Laut Pierschel war die Resonanz an der englischen Übersetzung des Merkblatts groß. Vor diesem Hintergrund gehen die Experten der Bafin davon aus, dass sie eine gute Basis für europäische Risikomanagementempfehlungen in Bezug auf Nachhaltigkeitsrisiken geschaffen haben. „Uns geht es im Moment vor allem darum, die Unterneh­men, die wir beaufsichtigen, rechtzeitig an das Nachhaltig­keitsrisiko heranzuführen. Je eher die Institute wissen, was auf sie zukommt, desto einfacher ist es für sie, rechtzeitig die für sie richtigen Schritte einzuleiten.“