Ganz besonderer Nachhaltigkeitsfilter Neuer Invesco-ETF orientiert sich an katholischer Kirche

Das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, zu Besuch in Abu Dhabi.  | © Getty Images

Das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, zu Besuch in Abu Dhabi. Foto: Getty Images

Die Fondsgesellschaft Invesco hat im Januar 2019 ihr Angebot im Bereich börsengehandelter Indexfonds (ETFs) erweitert. Das jüngste Mitglied der Aktien-ETF-Familie trägt den etwas sperrigen Namen MSCI Europe ESG Leaders Catholic Principles (ISIN: IE00BG0NY640). Die Bezeichnung ist an den Referenzindex des Fonds, den MSCI Europe Select Catholic Principles ESG Leaders 10/40 Index, angelehnt. Der ETF soll nach Abzug von Gebühren dessen Wertentwicklung abbilden. Dazu wird der Referenzindex physisch nachgebaut.

Mit dem neuen Aktien-ETF können Anleger an der Wertentwicklung europäischer Unternehmen teilhaben, die über ein vergleichsweise hohes ESG-Rating verfügen. Unternehmen wiederum, deren Produkte negative soziale oder ökologische Auswirkungen haben, werden bei der Titelauswahl nicht berücksichtigt. Die Auswahl der Indexmitglieder erfolgt auf der Grundlage der SRI-Richtlinien der amerikanischen Bischofskonferenz. SRI steht für „Socially Responsible Investment“, also gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen. 

Aus dem Anlageuniversum des Fonds sind sämtliche Unternehmen verbannt, die im Zusammenhang mit der Waffen-, Alkohol-, Tabak-, Glücksspiel-, Kernkraft- und Kohlekraft-Industrie stehen. Ebenfalls ausgeschlossen sind Firmen, die an Tierversuchen und Gentechnik beteiligt sind. Gleiches gilt auch für Unternehmen, die mit der Katholischen Lehre nichts am Hut haben. Dazu zählen Unternehmen mit Beteiligungen an Aktivitäten wie Erwachsenenunterhaltung, Verhütung, Abtreibung, Stammzellen und Verstöße gegen die Grundsätze der Vereinten Nationen.

Die größte Position in dem ETF bilden derzeit überraschenderweise Aktien des Ölkonzerns Total. Zahlreiche Kirchen, Kirchenbanken, Hilfswerke und andere Investoren auf der ganzen Welt ziehen ihre Gelder aus Unternehmen ab, die fossile Brennstoffe fördern oder vertreiben. Dazu zählen neben Kohle insbesondere auch Erdöl und Erdgas. Würde der ETF auch dieses Auswahlkriterien rigoros einbeziehen, statt nur die Kohlekraft-Industrie zu verbannen, stünden die Softwareschmiede SAP und die Allianz-Versicherung im Portfolio des Invesco-ETF ganz oben. 42 Prozent des Fondsvermögens sind derzeit in Aktien aus Großbritannien und Frankreich investiert. Der Index wird im Turnus von drei Monaten neu gewichtet. 

Der neue ETF von Invesco geht mit laufenden Verwaltungskosten von 30 Basispunkten einher. Das ist ungefähr das Dreifache dessen, was Anbieter besonders kostengünstiger ETFs auf den Eurostoxx 50 Index verlangen, nur dass diese keine nachhaltigkeitsspezifischen Ausschlusskriterien verfolgen.