Wie will sich Candriam beim Thema Nachhaltigkeit von seinen Mitbewerbern abheben?
Czupryna: Die langjährige Erfahrung trennt hier die Spreu vom Weizen. Viele Asset Manager wollen ESG-orientierte Produkte anbieten, haben aber nur ungenügende Kenntnis davon, welche Unternehmen tatsächlich und vollumfänglich den ESG-Kriterien entsprechen und welche nur so tun als ob.
Wir dokumentieren außerdem unsere Arbeit gegenüber unseren Kunden, den institutionellen und privaten Investoren, genau. Im vergangenen Jahr haben wir eine Studie veröffentlicht, in der wir die Performance von unserem investierbaren ESG-Universum im Bereich der Schwellenländeraktien verglichen haben mit dem MSCI Emerging Markets Equity-Index. Dabei hat sich gezeigt: Wir haben jährlich eine Überrendite von 3,2 Prozent mit unserem, letztlich auch in unseren Fonds verfügbaren, ESG-Ansatz erzielt – und zwar über zehn Jahre hinweg. Nur in einem Jahr war der ESG-Beitrag negativ.
Wieviele Aktien sind im Candriam-Schwellenländeruniversum enthalten?
Czupryna: Für uns sind ungefähr 700 Unternehmen in Schwellenländern unter ESG-Gesichtspunkten investierbar. In der Benchmark, dem MSCI Emerging Markets, sind ungefähr 1.100 Aktien enthalten.
Wie geht es zukünftig mit der Einbindung von ESG-Kriterien im Asset Management weiter? Das Thema wird zweifellos immer weiter an Bedeutung gewinnen.
Czupryna: Ab dem Jahr 2021 wird es deutlich mehr Regulierung geben. Dank der EU-Taxonomie, dem im Frühjahr 2018 von der EU-Kommission veröffentlichten Aktionsplan zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum, wird man nicht mehr länger ein Produkt nachhaltig nennen dürfen, dass im schlechtesten Fall gar keine nachhaltige Faktoren hat. Die Kollegen bei dem einen oder anderen Asset Manager werden merken, dass es nicht so einfach ist, entschieden ESG-orientierte und entsprechend überprüfbare Anlageprodukte aufzulegen. Sicher ist schon jetzt: Diese Entwicklung zu mehr Transparenz im Hinblick auf ESG wird das gesunde Wachstum des Marktes weiter stärken. Anleger werden mehr Sicherheit haben, dass ein Produkt in der Tat hält, was es verspricht.
Mehr Regulierung hilft den Anlegern, den Wirtschaftsunternehmen und den Asset Managern, die ehrliche Produkte anbieten. Und letztlich profitiert in ganz entscheidendem Maß davon der Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft und einer zukunftsfähigen Gesellschaft.