Wie setzt man ein Nachhaltigkeits-Reporting auf, das mit der Zeit geht?
Dittrich: Wir arbeiten mit zwei Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen zusammen. Damit lassen wir unsere Anleihen und Aktien analysieren. Wir haben aber auch noch andere Anlageklassen und investieren zum Beispiel über Fonds in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Ich wollte von den Anbietern wissen, wie viel CO2 wir dadurch einsparen. Dabei musste ich lernen, dass jeder Anbieter die Daten und den Impact aus den Anlagen anders berechnet. Je länger man sich damit beschäftigt, umso mehr erkennt man, dass man als Investor auf absehbare Zeit nicht perfekt werden kann. Davon sollte man sich als Neuling aber nicht abschrecken lassen und einfach anfangen.
Stremlau: Wir legen heute großen Wert auf die Datenqualität und darauf, wie der Anbieter die Daten generiert und weiterverarbeitet. Weil die Anbieter das unterschiedlich handhaben und auch Annahmen in ihrer Datenauswertung zugrunde legen, setzen wir uns im Sustainable-Finance-Beirat für den Aufbau einer europaweiten Datenbank ein, in der bestimmte Rohdaten gespeichert werden. Die Datenbank müsste kostenlos und die Daten müssten frei verfügbar sein, damit sich Investoren daraus bedienen können.
Fritz: Wir befinden uns mitten im Umbauprozess und lassen die Nachhaltigkeitskriterien in die Auswahl unserer Berater und unserer Asset Manager einfließen. In den Ausschreibungsunterlagen haben wir deutlich gemacht, dass uns die Nachhaltigkeitsexpertise sehr wichtig ist. Anhand der Unterlagen der Anbieter merkt man, wie unterschiedlich sie auf die Ausgangslage reagieren. Und man bekommt ein Gespür dafür, wer das Thema ernst nimmt.
Viele Anleger schließen kritische Unternehmen aus ihrem Anlageuniversum aus. Andere wiederum halten an den Aktien und Anleihen bewusst fest, um den Vorstand zu Veränderungen zu drängen. Wie sieht Ihr Plan aus?
Fritz: Ich kenne viele Investoren, die ihre nachhaltige Kapitalanlage ausschließlich darauf ausgerichtet haben, kritische Unternehmen aus ihrem Anlageuniversum auszuschließen. Dieses enge Verständnis ist ein Fehler, den viele institutionelle Anleger in der Vergangenheit gemacht haben, und ich lerne auch dazu. Man kommt zwar nicht um Ausschlusskriterien herum, aber unser Ziel ist es, die komplette Klaviatur zu nutzen und beispielsweise wirkungsorientiertes Investieren in unseren Leitlinien zu verankern und – Stichwort Engagement – über geeignete Vehikel auch mit Unternehmen in den Dialog zu treten, um sie zu Veränderungen zu bewegen.
Hesse: Wenn ich Engagement betreibe, bleibe ich in den kritischen Unternehmen investiert. Wenn ich mich mit einzelnen Beteiligungen nicht wohlfühle, kann ich die betreffenden Wertpapiere natürlich untergewichten, aber ich behalte einige Aktien und damit auch die Stimmrechte. Und auch wenn ich Anleihen habe, kann ich mit den Unternehmen das Gespräch suchen. Auf Vorstände macht es mehr Eindruck, wenn die Kirche als kritischer Aktionär oder Anleiheinvestor auftritt, als wenn sie ihre Anteile verkauft.
