Nachhaltigkeit im Portfolio Fallstricke bei der Einführung von ESG-Reportings

Stefan Kargl und Melanie Kühlborn-Ebach, beide LMM Investment Controlling | © LMM Investment Controlling

Stefan Kargl und Melanie Kühlborn-Ebach, beide LMM Investment Controlling Foto: LMM Investment Controlling

Vor wenigen Jahren waren die Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage, die Berücksichtigung von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) oder der CO2-Fußabdruck von Unternehmen oder Portfolios in der Finanzindustrie noch Nischenthemen. Ihre Entwicklung wurde ursprünglich insbesondere durch gemeinnützige und kirchliche Institutionen getrieben, die ihre Werte auch in der Auswahl und Bewertung von Finanzanlagen umsetzen wollten. Alleine in Deutschland hat sich in den vergangenen fünfzehn Jahren die Anzahl der Stiftungen auf über 22.270 verdoppelt, was mit einem entsprechenden Wachstum der Anlagevolumina einhergeht.

In der Zwischenzeit hat der Stellenwert ESG-relevanter Themen in der öffentlichen Meinung stark zugenommen. Medien haben diese Entwicklung weiter verstärkt. Dadurch sehen sich mehr und mehr Unternehmen unter Druck, ESG-Faktoren in ihre Strategie zu integrieren. In Kombination mit der wachsenden Nachfrage von Anlegern hat dies zur Folge, dass nachhaltiges Investieren die Nische verlässt, und nach und nach zur Norm wird.

Die Finanzindustrie hat diesen Trend aufgenommen und bietet mittlerweile eine unübersichtliche Vielfalt an Finanzprodukten an. Die Produkte sollen es dem Anleger ermöglichen, ESG-Kriterien bei der Vermögensanlage zu berücksichtigen. Gemäß dem Marktbericht 2019 des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) wuchs das Investmentvolumen von nachhaltigen Investmentfonds und Mandaten binnen Jahresfrist auf 219 Milliarden Euro per 31. Dezember 2018. Da es keinen einheitlichen internationalen Standard für Faktoren wie Systematik, Kategorisierung oder Datenqualität gibt, sind die Resultate nicht nur hinsichtlich ihrer Qualität und Konsistenz unterschiedlich, sondern auch für den Anleger nicht vergleichbar.

Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission im Jahr 2018 einen Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen entwickelt. Ziel ist es, den Finanzsektor in die Ziele nachhaltiger Finanzierung aktiv miteinzubinden. Ein besonderer Schwerpunkt betrifft dabei die Eindämmung des Klimawandels. Neben der Etablierung von nachvollziehbaren EU-Standards bei der Klassifizierung von nachhaltigen Aktivitäten soll ein EU-Label für „grüne“ Finanzprodukte geschaffen werden, um Investoren bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Immer mehr institutionelle Investoren sind durch gesetzliche Vorgaben gezwungen, Nachhaltigkeitsaspekte stärker zu berücksichtigen. Vorgaben für Pensionskassen werden beispielsweise in Deutschland und Österreich insbesondere bei der Auswahl von Vermögenswerten („nach ethischen, ökologischen und sozialen Kriterien“) und bei der Informationspflicht („Berücksichtigung von ESG-Kriterien“) gemacht.

Inhaltlich abgeschwächt vergleichbare Aktivitäten werden in der Schweiz durch den „Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen“ („SVVK-ASIR“) entfaltet. Bis in diesem Bereich jedoch ein entsprechender Grad an Harmonisierung erreicht ist, wird noch einige Zeit vergehen.

So hat beispielsweise die International Organization of Pension Supervisors (IOPS) einen Entwurf für Leitlinien (Draft Guidelines) zur Integration von ESG-Faktoren in der Kapitalanlage und im Risikomanagement sowie Reporting von Altersversorgungseinrichtungen entwickelt. Die IOPS sind ein internationaler Zusammenschluss von Aufsichtsbehörden aus 77 Ländern, die für Altersversorgung zuständig sind. IOPS hat das Ziel, die Effektivität und Qualität der Beaufsichtigung von Zusatzrentensystemen weltweit zu verbessern.