André Heimrich, Bayerische Versorgungskammer Nachhaltigkeit bedeutet für mich ...

André Heimrich, seit 2013 Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Kapitalanlagen bei der BVK

André Heimrich, seit 2013 Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Kapitalanlagen bei der BVK: Seit 2002 verantwortet er bereits das Wertpapiermanagement. Die BVK verwaltet rund 100 Milliarden Euro Foto: Jens Schnabel

... im Rahmen meiner Verantwortung bei der Bayerischen Versorgungskammer die Kapitalanlagepolitik so zu gestalten, dass die Rentenzahlungen an unsere Versicherten langfristig gesichert sind. Das heißt aber auch, dass unser heutiges Handeln nicht zulasten der Zukunft stattfinden darf. Wir müssen den Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen so gestalten, dass diese auch nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen. Das können wir nur durch einen langfristigen Strukturwandel erreichen.

Großes Potenzial sehe ich unter anderem bei Immobilien. Bei der Direktanlage setzen wir unsere Nachhaltigkeitskonzepte schon heute gezielt um. Soziale Aspekte, zum Beispiel Infrastruktur- und Mobilitätsangebote, das soziale Umfeld oder auch Freizeitmöglichkeiten, spielen bei der Immobilienauswahl eine entscheidende Rolle. Bei Neuinvestitionen legen wir oberste Priorität auf einen hohen Energiestandard. Drei Viertel unserer Neuinvestitionen in der DACH-Region – mit steigender Tendenz – erfüllen hohe Energiestandards – mindestens den DGNB/LEED-Gold bei Gewerbeimmobilien oder zum Beispiel einen KfW-55-Standard bei Wohnimmobilien. Die politischen und regulatorischen Anforderungen werden auch in Deutschland weiter steigen. Hier gilt es, sich als langfristiger Kapitalanleger mit langfristigen Verpflichtungen darauf einzustellen. Auch die physischen Risiken werden weiter zunehmen (beispielsweise durch vermehrte Unwetter), was für Investoren finanziell relevant wird.

2020 ist die BVK der Global Real Estate Sustainability Benchmark (GRESB), einer globalen Nachhaltigkeits-Benchmark für Immobilien, beigetreten. Hier werden etwa Kriterien zum Klimaschutz wie der CO2-Fußabdruck, der Umgang mit Wasser und Müll, aber auch soziale Themen wie die Gesundheit und Versorgung der Bewohner abgefragt und innerhalb unserer Fonds sowie mit den Fonds der Wettbewerber verglichen. Die Daten und Analysetools von GRESB dienen uns zur Überwachung von Investitionen, unterstützen uns aber auch im Dialog mit den Managern sowie bei der Strategieentwicklung. So achten wir in der direkten Immobilienanlage bei Neubauten auf einen hohen Standard: zum einen, um Emissionen zu senken, zum anderen, damit die Immobilie auch bei steigenden regulatorischen Anforderungen wettbewerbsfähig bleibt. Bei Immobilien im Bestand kann ein wichtiger Beitrag für bezahlbaren Wohnraum neben der Sanierung durch umwelt- und sozialverträgliche Nachverdichtung geschaffen werden.


Wir werden uns auch in Zukunft im Anlagesegment Wohnen engagieren und dieses ausbauen. Um die Klimaziele von Paris 2015 zu erreichen, bedarf es eines schnellen Wandels über alle Wirtschaftszweige hinweg. Wir sind im Mai 2021 der Net-Zero Asset Owner Alliance beigetreten, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ziel der Mitglieder ist es, die Treibhausgasemissionen des eigenen Anlageportfolios bis 2050 auf Netto-Null zu reduzieren. Das bedeutet, dass wir klare Ziele zur Emissionsreduzierung setzen, kontrollieren und gegebenenfalls nachschärfen.

Nachhaltiges Investieren ist Teil unseres Risikomanagements und bedingt die Berücksichtigung von wichtigen ökologischen, sozialen und geschäftspolitischen Risiken. Zum einen, um die Performance zu stärken und vorbildliche Standards einzufordern, zum anderen, um eine langfristige Wertschöpfung zu gewährleisten.

Neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sowie der Gestaltung von Mobilitäts- und Quartierskonzepten leisten wir einen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Wir verstehen uns als engagierter Investor: Das ist ein langfristiger Prozess, aber wir sind überzeugt, dass es der richtige Weg für uns und unser gesellschaftliches Umfeld ist, um eine auf lange Sicht stabile Wertschöpfung zu erreichen.

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