Studie Nachhaltigkeit als Schönwetter-Strategie

Deutsche Großanleger sind gegenüber nachhaltigen Investments im Vergleich zum Vorjahr zurückhaltender geworden. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage, der von Union Investment in Zusammenarbeit mit Henry Schäfer, Professor der Universität Stuttgart entwickelt wurde.

Der Index basiert auf Daten einer jährlich von Union Investment durchgeführten Befragung institutioneller Investoren zu verschiedenen Aspekten der nachhaltigen Kapitalanlage. In diesem Jahr nahmen 202 Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen, Banken, Unternehmen und Stiftungen mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mehr als 2,4 Billionen Euro an der Studie teil.

Während im vergangenen Jahr noch 64 Prozent der Befragten Nachhaltigkeit als ein wichtiges Kriterium bei ihren Anlageentscheidungen bezeichneten, waren es 2012 noch nicht einmal 50 Prozent. Auch die Gewichtung nachhaltiger Strategien im Rahmen der gesamten Anlagepolitik sank. So gaben 2011 noch 59 Prozent der Großanleger an nachhaltige Strategien im Vergleich zu anderen Investmentkriterien stark oder sehr stark zu berücksichtigen. In der diesjährigen Befragung fiel dieser Anteil auf 42 Prozent.

Der Wunsch der Großanleger, sich über Möglichkeiten einer sozial, ethisch und ökologisch verantwortungsvollen Geldanlage zu informieren, sank ebenfalls von 57 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 40 Prozent.

„Bei einer Reihe von Investoren scheinen sich im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise die Prioritäten verschoben zu haben, da in Anbetracht des schwierigen Marktumfeldes die Sicherung des benötigten Mindestertrags alles andere dominieren dürfte“, erklärt Alexander Schindler, Vorstandsmitglied bei Union Investment und verantwortlich für das Geschäft mit institutionellen Kunden. Nachhaltige Investments seien jedoch keine Schönwetter-Strategie. Die Investmentgesellschaften müssten weiter daran arbeiten, den ökonomischen Nutzen dieser Ansätze – vor allem im Risikomanagement – zu vermitteln.