Nachhaltiges Investieren Wie der Klimawandel der Branche Chancen bietet

Dr. Christian Bluhm ist seit 2016 Risikochef von UBS. | © UBS

Dr. Christian Bluhm ist seit 2016 Risikochef von UBS. Foto: UBS

Die Diskussion um die Rolle der Banken in der Gesellschaft wird durch veränderte Erwartungen der einzelnen Stakeholdergruppen an die von den Geldhäusern erbrachten Dienstleistungen wie Kredite, Handel oder Investitionen angeheizt. Die sogenannte Millennial-Generation fokussiert vermehrt auf nachhaltige Investments, weshalb immer mehr Vermögensverwalter versuchen, bei ihren Anlageentscheidungen und -produkten Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte zu berücksichtigen.

Umweltrisiken als Schlüsselelement

Der Finanzsektor hat eine besondere Verantwortung – und eine große Chance –, einen solchen Wandel zu ermöglichen und voranzutreiben. Dies gilt insbesondere für einen globalen Vermögensverwalter wie UBS. Solide Rahmenbedingungen für das Verstehen und die Bewältigen von Umwelt- und Sozialrisiken sind zu einem Schlüsselelement geworden, um die Vermögenswerte der Kunden und der Bank zu schützen. Vor allem aber ist ein solcher Ansatz auch wirtschaftlich sinnvoll.

Die Banken reagieren auf diese Entwicklungen, wenn auch auf verschiedenen Ebenen. Als die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) des Rats für Finanzstabilität im Juni 2017 ihre Empfehlungen veröffentlichte und die Unternehmen aufforderte, die Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Aktivitäten offenzulegen, unterstützten wir die TCFD sowohl bei ihrem Aufbau als auch vor dem Hintergrund unseres eigenen langjährigen Engagements zum Klimaschutz.

Im April dieses Jahres legten sechzehn führende Banken aus vier Kontinenten, darunter UBS, auf Einladung der UN Environment Finance Initiative (UNEP FI) eine gemeinsam entwickelte Methodik vor, um das Verständnis der Banken für die Auswirkungen von Klimawandel und Klimaschutz auf ihre Geschäftsaktivitäten zu verbessern. Ein weiteres Beispiel ist der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), dem auch verschiedene Banken angehören.

Mit diesem runden Tisch zu nachhaltigem Palmöl übertreffen wir die aktuellen gesetzlichen Vorgaben. Singapur hat auf der Grundlage des RSPO-Handbuchs Richtlinien definiert. Dabei zeigt sich, dass korrekt umgesetzte Initiativen aus dem Privatsektor den Weg zu einem weniger an Vorschriften festhaltenden als vielmehr praxisorientierten Ansatz im Umgang mit Umwelt- und Sozialrisiken ebnen können.

Wirksame Initiativen des Privatsektors

Freiwillige Initiativen des Privatsektors können wirksamer sein als Gesetze, die oft erst dann verabschiedet werden, wenn der Schaden bereits eingetreten ist. Solche Initiativen erweisen sich bei der Ausrichtung des allgemeinen Risikomanagements der Banken an wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen als sehr effektiv. Dabei geht es nicht nur darum, Risiken zu vermeiden, sondern vor allem um die Möglichkeit, sie umsichtig zu handhaben.

Dazu können zukunftsweisende Branchenstandards und Benchmarks entwickelt werden, bevor sie von den Aufsichtsbehörden vorgeschrieben werden. So könnten, ähnlich den heutigen Stresstests zur Finanzstabilität, klimabezogene Stresstests durchgeführt werden, die entsprechende zukünftige Vorschriften vorwegnehmen.

Diese und andere lobenswerte Initiativen, an denen sich einige der weltweit größten Banken beteiligen, werden nur dann eine nachhaltige Wirkung entfalten, wenn sich genügend andere Banken anschließen. Die UN-Klimakonferenz 2018 bietet eine gute Gelegenheit, solche Initiativen auszubauen und weiter zu stärken.

Wenn der Finanzsektor für Kunden, Investoren, Mitarbeiter und andere Anspruchsgruppen attraktiv bleiben will, muss jede Bank Nachhaltigkeit zu einem Eckpfeiler ihrer geschäftlichen Aktivitäten machen. Dies wiederum erfordert eine engere Verknüpfung von Fragen zu Umwelt- und Sozialrisiken, wozu eine verstärkte Koordinierung und gemeinsame Best Practices erforderlich sind.

Wenn wir nicht an einem Strang ziehen, werden unsere Bemühungen, die Welt nachhaltiger zu gestalten, scheitern. Nur durch Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen privaten und öffentlichen Initiativen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene können wir eine bessere, gerechtere und nachhaltigere Zukunft schaffen.


Über den Autor:
Dr. Christian Bluhm ist seit 2016 Risikochef von UBS. Von 2010-2015 war er Sprecher des Vorstandes der FMS Wertmanagement in Deutschland.