Nachhaltige Kapitalanlage Hannoversche Kassen verlangen Transparenz

Jana Desirée Wunderlich leitet die Abteilung Kapitalanlagen der Hannoverschen Kassen. | © Hannoversche Kassen

Jana Desirée Wunderlich leitet die Abteilung Kapitalanlagen der Hannoverschen Kassen. Foto: Hannoversche Kassen

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt bei institutionellen Investoren zunehmend an Bedeutung. Dass entsprechende Investments langfristig die Rendite schmälern, glauben nur noch wenige. Stattdessen gibt es Anbieter, die den grünen Anstrich ihrer Produkte für sich als Differenzierungsmerkmal erkannt haben und auf der Erfolgswelle nachhaltiger Anlagen mitreiten wollen. In Zukunft wird es aber schwieriger werden, Greenwashing zu betreiben oder die Augen vor den Risiken nicht nachhaltiger Investitionen zu verschließen. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die vor allem durch Umweltkatastrophen hervorgerufen wird, unterstützt diese Entwicklung ebenso wie Bewegungen à la „Fridays for Future“. Hinzu kommt die sich verstärkende Gesetzgebung und Regulierung zu ESG-Investitionen.

Gemäß einer aktuellen Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment gaben 72 Prozent der 201 befragten Unternehmen, Versicherungen, Kreditinstitute, Stiftungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften an, Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Der Kenntnisstand zu nachhaltigen Kapitalanlagen ist jedoch noch sehr durchwachsen. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, über kein ausgeprägtes Know-how zu verfügen. Nur 39 Prozent der Befragten haben Informationen über die Klimaauswirkungen ihres Portfolios.

Ergebnisbericht zur Nachhaltigkeitsstudie 2019Quelle: Union Investment 

Am Anfang steht die Definition

Transparenz ist ein elementarer Aspekt bei nachhaltigen Anlagen. Die aktuell verfügbaren Definitionen von nachhaltiger Geldanlage lassen einen sehr großen Spielraum zur Auslegung zu.

  • Nachhaltige Geldanlagen ergänzen laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Aspekte.
  • Nachhaltige Geldanlage ist nach Definition die allgemeine Bezeichnung für nachhaltiges, verantwortliches, ethisches, soziales, ökologisches Investment und alle anderen Anlageprozesse, die in ihre Finanzanalyse den Einfluss von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) einbeziehen. Es beinhaltet auch eine explizite schriftlich formulierte Anlagepolitik zur Nutzung von ESG-Kriterien.
  • Nachhaltige Geldanlagen werden je nach Anlagestrategie unterteilt. Nachhaltige Geldanlagen im engeren Sinne setzen sich folgendermaßen zusammen (Kombinationen möglich): Negatives Screening: wert/ethisch-basierte Ausschlüsse und/oder normen-basierte Ausschlüsse (drei oder mehr Kriterien), positives Screening (einschließlich Best-in-Class- und SRI-Themenfonds).
  • Nachhaltige Geldanlagen im weiteren Sinne sind laut Definition Anlagen, welche die oben genannten Kriterien zwar nicht erfüllen, aber dennoch eine der folgenden Anlagestrategie verfolgen: einfaches Screening (ein oder zwei Ausschlusskriterien, die norm- oder wertbasiert sind), Engagement und Integration.

Welche konkreten Nachhaltigkeitskriterien dafür sorgen, dass eine Anlage als nachhaltig bewertet wird, kann demnach weitestgehend frei gewählt werden. Dies ermöglicht es einerseits jedem Investor, seinen individuellen Unternehmenszielen und -werten durch die Wahl der Nachhaltigkeitskriterien mehr Ausdruck zu verleihen. Es ergeben sich jedoch andererseits auch teils erhebliche Unterschiede in der Wirkung, der als nachhaltig deklarierten Investitionen. Für einen Außenstehenden ist – ohne freiwillige Transparenz des Investors – eine Bewertung oder gar ein Vergleich mit anderen nachhaltigen Anlageprodukten nur eingeschränkt möglich.