Nachhaltig anlegen Geld kann eben doch stinken

Der acht Jahre alte Fight arbeitet in einem Kohlelager in den indischen Jainta Hills: Die Gegend ist berüchtigt für ihre kaum regulierten Minen, in denen viele Kinder arbeiten. Kinderarbeit gehört bei nachhaltigen Anlagen zu den absoluten K.-o.-Kriterien. | © Getty Images

Der acht Jahre alte Fight arbeitet in einem Kohlelager in den indischen Jainta Hills: Die Gegend ist berüchtigt für ihre kaum regulierten Minen, in denen viele Kinder arbeiten. Kinderarbeit gehört bei nachhaltigen Anlagen zu den absoluten K.-o.-Kriterien. Foto: Getty Images

Am 5. November 2015 stirbt ein Fluss. In der Eisenmine Samarco im brasilianischen Mariana brechen zwei Dämme. 60 Millionen Kubikmeter Abfälle laufen aus und fließen in den Rio Doce. Im Schlick enthalten: Aluminium, Blei, Kupfer, Arsen und Quecksilber. 13 Menschen und nahezu alle Flusstiere sterben, ein Dorf wird verschüttet.

Mit dafür verantwortlich ist der Bergbaukonzern Vale, dem die Hälfte von Samarco gehört und der auch sonst regelmäßig gegen Arbeits- und Umweltstandards verstößt. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg von seinem Tiefststand im Januar 2016 bei 2,10 Euro auf rund 10 Euro Anfang 2018.

Es ist ein Trend, dass Anleger zunehmend auf solche Kursgewinne verzichten. Sie wollen nichts damit zu tun haben, wenn Menschen ausgebeutet, Wälder abgeholzt, Meere verdreckt und Städte verpestet werden. Geld stinkt nämlich doch. Für manche. Sie bevorzugen Unternehmen, die sich möglichst fair verhalten und mit Ressourcen schonend umgehen. Politik und Wirtschaft haben für diese Denkweise den Begriff Nachhaltigkeit auserkoren (englisch: Sustainability). Eine gängige Abkürzung ist aber auch ESG für die Teilaspekte Environment (Umwelt), Social und Governance (Unternehmensführung).

Inzwischen gilt jeder zweite angelegte Euro in Europa und jeder fünfte angelegte Dollar in den USA als nachhaltig. Drei Viertel der weltweiten institutionellen Investoren lassen ESG-Kriterien in ihre Anlageentscheidungen einfließen. Es geht um Billionenbeträge.

 Quelle: BNP Paribas - Illustrationen: zcool.com.cn, Vectezzy.com

Man kann den Drang als Getue von Gutmenschen abtun. Man muss die Einstellung auch nicht teilen. Es ist auch nicht Ziel dieses Artikels, etwas zu be- oder verurteilen. Man sollte die Tendenz zur Nachhaltigkeit aber ernst nehmen.

Die Fondsbranche ist schon dabei und rüstet auf. Im November startete State Street das System ESGX, mit dem man nachhaltige Anlagen angeblich noch komfortabler verwalten kann. Die Schweizer UBS hat für ihre Fondstochter einen Sechserpack an Nachhaltigkeitsexperten angeworben und will ESG-Anlagen in die gesellschaftliche Mitte hieven. Und mit Ofi Asset Management kommt jetzt eine französische Fondsgesellschaft nach Deutschland, deren erklärter Schwerpunkt sozial verantwortungsvolle Anlagen sind. Seit über 20 Jahren. Das sind nur drei Beispiele dafür, wie sich der Markt gerade bewegt.