Nachfrage nach Nachrangkapital steigt Welche Alternativen der Private-Debt-Markt bietet

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Im Bereich der Erneuerbaren Energien engagieren sich ebenfalls einige institutionelle Investoren. Unserer Einschätzung nach gibt es aber hier bereits ein massives Überangebot an Kapital. Als Konsequenz geraten Renditen und Kreditmargen gleichfalls unter Druck, vergleichsweise interessante Investitionsmöglichkeiten sind mittlerweile mehrfach überzeichnet. Hier gilt es nun, als Anbieter von Energie- und Infrastruktur-Investments die Nadel im Heuhaufen zu suchen: nicht nur lukrative Assets, sondern auch gleichzeitig etablierte Projektentwickler und erfolgreiche Banken zu identifizieren.

Bisher wenig Beachtung schenkten speziell die deutschen Private-Debt-Investoren den Flugzeugrisiken. Hier engagierten sich nach der Finanzkrise angesichts des versiegenden klassischen Kapitals nur einige spezialisierte Investoren, das Angebot renommierter Produzenten ist im Gegensatz zum überfluteten Schifffahrtsmarkt sehr übersichtlich und gleichzeitig überaus reizvoll. Zudem sorgen die im Vergleich sehr restriktiven Sicherheitsvorschriften und gesetzlichen Vorlagen dafür, dass das Angebot nicht unkontrolliert überhandnimmt. In den Vereinigten Staaten wurden für die gleichfalls sichere und unkomplizierte Abwicklung entsprechender Finanzierungen die sogenannten Equipment Trust Certificates (EETC’s) entwickelt. Entsprechende Pendants fehlen in der EU noch komplett, hier erwarten wir eine Aufwärtsbewegung bei den Kreditfonds.

Rollende Investitionen – steigende Renditen

„Rolling Stocks” – Investments in rollende Assets wie Lokomotiv- und Waggon-Portfolien – stehen unserer Einschätzung nach ebenfalls noch völlig zu Unrecht auf dem Nebengleis. Waggons zum Beispiel werden in ihrem Wert kaum von Technologiesprüngen beeinträchtigt. Hier sollte man den Sekundärmarkt genau im Auge behalten, da dort noch relativ wenig privates Kapital unterwegs ist. Konservative Anleger werden von den fortschreitenden Standardisierungsbestrebungen und den Nachverfolgungsmöglichkeiten der einzelnen Wagen angezogen. Ohne einen versierten Experten an der Seite, etwa einem Manager oder dem Leasinggeber, gestaltet sich dieser Markt aber aktuell noch zu unübersichtlich.

Zu guter Letzt spricht auch noch die Solvency-II-Privilegierung bei der Eigenkapitalunterlegung für Private-Debt-Anlagen – ein zufälliger oder absichtlicher Anstoß aus der regulatorischen Ecke?

Fazit

Private Debts sind sehr interessante, aber gleichfalls nicht selten auch vergleichsweise komplexe und erklärungsbedürftige Anlagemöglichkeiten. Die Individualisierbarkeit in Kombination mit der Illiquidität ermöglicht antizyklische Entwicklungen und kann Stabilität und Vielfalt in Fonds und Portfolios bringen.

 

Über die Autoren:
Michael Schwalba ist Chef der Investmentboutique Caplantic, die sich auf alternative Anlagen spezialisiert hat.

Matthias Korn leitet bei Caplantic den Bereich Financial Solutions. Er ist seit 2012 bei der Investmentboutique und war von Anfang an am Aufbau der Firma beteiligt. Korn ist Diplomwirtschaftsinformatiker der TU Braunschweig.