KI-Transformation, geopolitische Unsicherheit, zunehmende Regulierung und volatile Kapitalmärkte erhöhen den Druck auf Unternehmen und Eigentümerfamilien. Mit der nächsten Generation kommen zudem neue Erwartungen, digitale Selbstverständlichkeiten und häufig auch ein verändertes Verständnis von Risiko, Verantwortung und persönlicher Freiheit in die Familie.
Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
KI-Transformation, geopolitische Unsicherheit, zunehmende Regulierung und volatile Kapitalmärkte erhöhen den Druck auf Unternehmen und Eigentümerfamilien. Mit der nächsten Generation kommen zudem neue Erwartungen, digitale Selbstverständlichkeiten und häufig auch ein verändertes Verständnis von Risiko, Verantwortung und persönlicher Freiheit in die Familie.
Das ist zunächst weder gut noch schlecht. Problematisch wird es, wenn diese neue Generation Verantwortung in Strukturen übernehmen soll, die über Jahrzehnte gewachsen sind, aber nie konsequent auf Nachfolge vorbereitet wurden.
Häufig fehlen klare Rollen, belastbare Entscheidungswege und eine Vermögensstruktur, die auch dann funktioniert, wenn nicht mehr eine einzelne Person alle Zusammenhänge im Kopf hat. Governance-Modelle wurden oft für eine Phase vermeintlicher Stabilität gebaut. Für Transformation und einen echten Übergang auf die nächste Generation sind sie nur bedingt geeignet.
Nachfolge ist mit einem Personalwechsel an der Spitze des Unternehmens nicht getan. Stattdessen sollte sie als ein mehrjähriger Umbau unter laufendem Betrieb verstanden werden, der Führung, Eigentum und Vermögen gleichzeitig betrifft.
Genau hier kommt das Family Office ins Spiel. Dort wird entschieden, wie Kapital allokiert wird, welche Liquidität verfügbar sein muss, welche Risiken die Familie tragen möchte und wie stark ihre Handlungsfähigkeit vom operativen Unternehmen abhängt. Eine Vermögensverwaltung, die nur deshalb funktioniert, weil der Gründer alle Zusammenhänge persönlich kennt, ist nicht wirklich nachfolgefähig.
Die nächste Generation braucht einen klaren Entscheidungsrahmen und darf nicht von Konstruktionen abhängig sein, die nur aus Gewohnheit fortgeführt werden. Wer weiterhin im Sytem „Linke Tasche, rechte Tasche“ arbeitet, kann weder das Unternehmen noch das Familienvermögen wirklich strategisch führen.
Family Offices als Resilienz-Maschinen
Professionalisierung heißt deshalb zunächst, Wissen in ein belastbares System zu überführen. Das Family Office sollte dabei nicht als repräsentatives Verwaltungsbüro verstanden werden. Es ist eine Struktur, mit der die Familie ihr Vermögen steuert und ihre Interessen langfristig organisiert.
Richtig aufgesetzt, kann es zur Resilienz-Maschine werden. Ein Portfolio außerhalb des Kernunternehmens schützt dabei nicht nur das, was bereits aufgebaut wurde. Es schafft vor allem Flexibilität. Es gibt der Familie Zeit, wenn das operative Geschäft unter Druck gerät, und eröffnet Handlungsmöglichkeiten, ohne sofort von Banken oder externen Kapitalgebern abhängig zu werden. Gleichzeitig schafft es Spielraum für die nächste Generation, eigene unternehmerische Wege einzuschlagen oder Verantwortung zunächst aus der Gesellschafterrolle heraus zu übernehmen.
Zuerst muss geklärt werden, was das Vermögen für die Familie überhaupt leisten soll. Wie viele Generationen möchte die Familie vorausdenken? Welche Bedeutung haben Sicherheit, Wachstum, unternehmerische Aktivität, gesellschaftliche Verantwortung und persönliche Freiheit? Sollen Familienmitglieder im Unternehmen arbeiten, als Gesellschafter Verantwortung übernehmen oder auch einen völlig anderen Weg gehen können? Welche Erwartungen sind mit dem Zugang zum Familienvermögen verbunden?
Abstrakte Fragen für konkrete Vermögensarchitektur
Diese Fragen wirken abstrakt, haben aber als Ausgangspunkt für ein Zielbild direkte Folgen für die spätere Struktur. Eine Familie, die vor allem das Kernunternehmen erhalten möchte, braucht eine andere Vermögensarchitektur als eine Familie, die der nächsten Generation möglichst viele Optionen eröffnen will. Ebenso macht es einen Unterschied, ob alle Familienstämme ein gemeinsames Ziel verfolgen oder ob Interessen, Risikoverständnis und Lebensentwürfe weit auseinanderliegen.
Sinnvoll ist deshalb ein strukturierter Prozess, in den möglichst alle relevanten Familienmitglieder einbezogen werden. Dazu können auch (Ehe-)Partner und ausreichend reife Mitglieder der nächsten Generation gehören. Aus diesen Gesprächen sollte ein gemeinsames Zielbild entstehen, das anschließend in einer Familiencharta konkretisiert wird.
Dort werden nicht nur Werte festgehalten. Es geht auch um sehr praktische Fragen: Wer gehört zur Familie? Wer darf bei welchen Themen mitentscheiden? Wie werden Konflikte gelöst? Wie können Familienmitglieder oder einzelne Familienstämme ein- und aussteigen? Welche Rechte sind mit Eigentum verbunden, und welche Verantwortung folgt daraus?
