Nach Weggang des Chefs zur BW-Bank Braunschweiger Privatbank verliert weitere zehn Mitarbeiter

Der Kohlmarkt in Braunschweig. Die Braunschweiger Privatbank verliert insgesamt elf Mitarbeiter: Wir werden um jeden Kunden kämpfen, sagt ein Vorstand dazu.

Der Kohlmarkt in Braunschweig. „Wir werden mit voller Kraft um jeden Kunden kämpfen“, sagt Carsten Ueberschär, Vorstandsmitglied der Braunschweiger Privatbank. Bildquelle: Imago Images / Westend 61

Der Wechsel von Sascha Köckeritz zur BW-Bank bleibt für die Braunschweiger Privatbank nicht der einzige Verlust: Insgesamt elf Beschäftigte haben zum 30. Juni gekündigt – neben dem bisherigen Chef also zehn weitere. Das sagte Stefan Riecher, der die Privatbank zunächst kommissarisch leitete, der „Braunschweiger Zeitung". 

Mittlerweile bestätigte die Volksbank Brawo gegenüber dem private banking magazin, dass Riecher die Leitung übernommen hat. 

Die Zweigniederlassung der Volksbank Brawo ist auf die Vermögensverwaltung wohlhabender Kunden spezialisiert und betreut unter anderem Stiftungen, Versorgungskassen und kirchliche Einrichtungen – nach Brawo-Angaben ein Kundenvolumen von rund zwei Milliarden Euro. Insgesamt beschäftigt die Privatbank laut Riecher knapp 50 Mitarbeiter. Sechs hätten den Standort Braunschweig verlassen, vier den in Köln, einer den in Oldenburg.

Die Abgänge treffen die Volksbank Brawo in einer heiklen Phase. Das Institut ist wegen seiner Immobiliengeschäfte angeschlagen, will finanzielle Hilfen bei der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) beantragen, hat die Vertreterversammlung mangels Jahresabschluss bereits zum zweiten Mal verschoben – und mit Heiner Arnoldi einen dritten Vorstand bestellt. Mit der Sanierung hätten die Kündigungen jedoch nichts zu tun, sagte Riecher der „Braunschweiger Zeitung“.

BW-Bank eröffnet Standorte in Braunschweig und Köln

Wohin die zehn Berater wechseln, ließen die Brawo-Vertreter offen. Der Schluss liege nahe, dass sie zu einer anderen Bank gingen, das sei in der Branche üblich, sagte Vorstandsmitglied Carsten Ueberschär der Zeitung. Nur bei Köckeritz ist das Ziel bekannt. Wie diese Redaktion berichtete, übernimmt der 57-Jährige zum Jahresbeginn 2027 die Leitung des Wealth Managements der BW-Bank und folgt auf Oliver Neckel, der Anfang 2026 in den Vorstand des Instituts aufgerückt war. Köckeritz führte die Braunschweiger Privatbank seit deren Gründung 2013, zuvor war er Mitglied der Geschäftsführung der Credit Suisse (Deutschland).

 

Zeitgleich baut die BW-Bank ihr Standortnetz von elf auf 13 Wealth-Management-Standorte aus – die beiden neuen eröffnet die Tochter der Landesbank Baden-Württemberg ausgerechnet in Köln und Braunschweig. Ob dort die gekündigten Privatbank-Mitarbeiter eingesetzt werden sollen, kommentierte die BW-Bank laut „Braunschweiger Zeitung" auf Nachfrage nicht.
Auch die Nachfragen des private banking magazins heißt es dazu, dass man sich zu Personalwirtschalftlichen Themen nicht äussert. Zur Teamgröße können man sich ebenfalls noch nicht äussern, sondern erst zu gegebener Zeit. Weitere Niederlassungen sind nicht ausgeschlossen „aber immer mit einem klaren Fokus auf Qualität, nicht auf Wachstum um jeden Preis.“

Freistellung als „Abkühlphase"

Hinter solchen Wechseln stehe die Hoffnung des neuen Arbeitgebers, dass die Berater einen Teil ihrer Kundschaft mitbringen, sagte Ueberschär der Zeitung. Ob die Taktik langfristig aufgehe, bezweifle er: „Durch die Wechsel der Berater zu anderen Banken könnten sich die Kunden schnell wie eine Ware fühlen.“ Um eine „Abkühlphase" zu gewährleisten, seien die Berater für ein halbes Jahr freigestellt worden. Für Köckeritz gelte demnach ein deutlich längeres Wettbewerbsverbot.

An der Privatbank will die Brawo festhalten. Sie sehe in dem Geschäftsfeld erhebliche Wachstumschancen, der Ergebnisbeitrag sei „nennenswert positiv“, sagte Ueberschär. Die frei werdenden Stellen würden umgehend mit im Private Banking erfahrenen Brawo-Mitarbeitern besetzt: „Wir werden mit voller Kraft um jeden Kunden kämpfen.“ Gegenüber dem private banking magazin wurde zudem bestätigt, dass es keine weiteren Kündigungen gibt und diesbezüglich derzeit auch keine Gespräche mit Mitarbeitern laufen. Auch das betreute Kundenvolumen sei demnach „seit langem stabil“.

Dabei kennt die Braunschweiger Privatbank beide Seiten des Transfermarkts: 2013 profitierte sie selbst von einem Beraterwechsel, als die Credit Suisse ihre Braunschweiger Niederlassung schloss und deren Mitarbeiter, inklusive Köckeritz, zur Brawo-Tochter wechselten.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen