Die Deutsche Bundesbank sucht einen neuen Hauptsitz. Die Notenbank hat am Donnerstag eine EU-weite Ausschreibung für ihre künftige Zentrale gestartet. Anders als beim ursprünglichen „Projekt Campus“ setzt die Bundesbank diesmal nicht auf einen Neubau in Eigenregie, sondern will eine schlüsselfertige Immobilie einschließlich Grundstück in Frankfurt kaufen. Dabei zieht sie sowohl einen Neubau als auch eine kernsanierte Bestandsimmobilie in Betracht.
„Mit dem Kauf einer neuen Zentrale schaffen wir eine wirtschaftliche, moderne und zugleich zukunftsfähige Lösung für unseren Hauptsitz“, erklärte Stephan Bredt, Chief Operating Officer der Bundesbank, zur Veröffentlichung der Ausschreibung.
2.500 Arbeitsplätze und ÖPNV-Anbindung
Die neue Zentrale soll Platz für rund 2.500 Arbeitsplätze sowie etwa 15.000 Quadratmeter Nutzfläche für Sonder- und Funktionsbereiche bieten. Als Zuschlagskriterien nannte Bredt unter anderem Preis, Gebäudequalität, Projektabwicklung und Abnahmetermin.
Auch eine gute Lage und eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr seien für Beschäftigte, Geschäftspartner und Besucher relevant, so Bredt. Angestrebt ist, den Zuschlag bis Ende 2027 zu erteilen.
Das Verfahren gliedert sich in zwei Phasen: In Phase 1 laufen Teilnahmewettbewerb sowie Angebots- und Verhandlungsphase bis zum Abschluss eines Kaufvertrags. In Phase 2 folgen Planung, Bau beziehungsweise Sanierung durch den Zuschlagsempfänger bis zur Abnahme und zum Einzug der Bundesbank.
Abkehr vom „Projekt Campus“ nach Rechnungshof-Kritik
Der neue Anlauf ist die Konsequenz aus dem Scheitern des ursprünglichen „Projekt Campus“: Nach einem internationalen Architektenwettbewerb hatte 2020 der Entwurf des Basler Büros Morger Partner Architekten den ersten Preis erhalten. Vorgesehen waren Neubauten mit rund 100.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche an der Wilhelm-Epstein-Straße in Frankfurt-Bockenheim.
Der Bundesrechnungshof bezifferte das Vorhaben zuletzt auf bis zu 4,6 Milliarden Euro – umgerechnet rund eine Million Euro pro Arbeitsplatz – und kritisierte, die Bundesbank habe versäumt, die Deckung ihres kompletten Raumbedarfs wirtschaftlich und ergebnisoffen zu untersuchen. Der Vorstand kippte das Projekt daraufhin im April 2023 zunächst teilweise; im März 2026 fiel dann die Grundsatzentscheidung, den bisherigen Standort komplett aufzugeben.
Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung habe ergeben, dass ein Immobilienkauf deutlich günstiger sei als eine Sanierung am bisherigen Standort, erklärte Präsident Joachim Nagel den Schritt. Ein offizieller Schätzwert für den geplanten Immobilienkauf wurde bislang nicht veröffentlicht.
Auch Mitarbeiterkonten und Depots gekündigt
Der Sparkurs der Bundesbank zeigt sich zeitgleich an anderer Stelle: Wie DAS INVESTMENT berichtete, kündigt die Notenbank ihren rund 21.000 Beschäftigten und Pensionären die bislang kostenlosen Girokonten und Wertpapierdepots. Ausgelöst wurde der Schritt zwar durch einen Rechtsstreit mit einer Mitarbeiterin – laut „Handelsblatt“ verwies Nagel jedoch zugleich auf die Rüge des Bundesrechnungshofs zum Zentrale-Projekt: In diesem Klima ließen sich die Kosten für kostenlose Mitarbeiterkonten nur schwer vermitteln.
Die aktuelle Ausschreibung zeigt, wie ernst die Bundesbank den Sparauftrag inzwischen nimmt: Statt eines milliardenschweren Neubaus soll nun eine bestehende oder neu errichtete Immobilie am Markt erworben werden.
Das bisherige Bundesbank-Areal an der Wilhelm-Epstein-Straße soll unterdessen künftig die Europäische Schule Frankfurt beherbergen. Die dort weiterhin lagernden gut 1.700 Tonnen deutscher Goldreserven ziehen nicht mit um.
Nächste Schritte
Interessierte Bewerber können sich am Vergabeverfahren beteiligen; die genaue Teilnahmefrist ist der EU-weiten Bekanntmachung auf TED beziehungsweise der Vergabeplattform xVergabe zu entnehmen. Bis zur Zuschlagserteilung, die für Ende 2027 angestrebt wird, dürfte sich in der Frankfurter Immobilienbranche einiges an Interesse regen – schließlich handelt es sich um eines der größeren öffentlichen Immobilienprojekte der Stadt.
