Nach neun Jahren Präsenz J. Safra Sarasin wickelt Deutschlandgeschäft ab

Konnte in Deutschland nie wirklich Fuß fassen: Die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin | © Getty Images

Konnte in Deutschland nie wirklich Fuß fassen: Die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin Foto: Getty Images

Die Anzeichen für einen Rückzug der Privatbank J. Safra Sarasin aus Deutschland hatten sich bereits seit einiger Zeit gemehrt, nun scheint die Abwicklung des Geschäftes an den fünf Standorten Frankfurt, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart beschlossene Sache: Wie das Online-Portal „Finews“ unter Berufung auf zwei unabhängige Quellen berichtet, wird das Schweizer Institut sein Deutschlandgeschäft noch dieses Jahr auflösen. Die Bank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Laut Geschäftsbericht 2015 beschäftigt Safra Sarasin in Deutschland rund 80 Mitarbeiter.

Bereits Ende September vergangenen Jahres hatte das private banking magazin angesichts zahlreicher Abgänge unter den deutschen Mitarbeitern des Hauses die Frage nach einem möglichen Rückzug von Safra Sarasin gestellt: So hatte sich das Frankfurter Berater-Team von Markus Alexander Diekmann aufgelöst, ähnliches tat sich am Standort Stuttgart. Hinzu kamen fünf Abgänge im von Christian Mosel geführten institutionellen Kundengeschäft.

Meist defizitär

Im Mai 2016 verließ zudem Jens Wolf, Betriebschef (COO) und Generalbevollmächtigter, die Bank. Außerdem war der Wechsel von Robert Kirschnick aus der Abteilung Operations zur St. Galler Nationalbank in Deutschland sowie die Abgänge der beiden IT-Experten Jürgen Ast und Dennis Traore bekannt geworden.

Zum Jahreswechsel hatte dann Christian Mosel, Leiter des institutionellen Geschäfts des Bankhauses Safra Sarasin in Deutschland und Mitglied der Geschäftsleitung, seine Kündigung eingereicht. Alles Anzeichen, die der Absicht des Hauses aus dem Geschäftsbericht 2015 widersprachen, wonach man „die Wahrnehmung der Bank im Wettbewerb stärken und so die notwendige kritische Masse an Beratern und Führungskräften anziehen“ wollte.

Letztlich kam J. Safra Sarasin im Deutschlandgeschäft seit 2008 auf keinen grünen Zweig: Nur zu Zeiten der Cum-Ex-Fonds schrieb man 2010 und 2011 schwarze Zahlen. 2015 wies die Gewinn- und Verlustrechnung einen Fehlbetrag von 8,8 Millionen Euro aus. Die Jahre zuvor sah es mit Fehlbeträgen von 11,4 Millionen Euro (2014), 4,4 Millionen (2013) und 4,7 Millionen (2012) nicht viel besser aus.

Ob Safra Sarasin seine hochvermögenden Kunden in Deutschland nach dem Vorbild der Credit Suisse möglicherweise künftig aus der Schweiz heraus betreuen wird, ist unklar.