Nach dem großen Cash-Event Was beim Aufbau eines Single Family Office zu beachten ist

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Um eine Strategie für das Single Family Office zu erarbeiten, müssen alle Beteiligten zunächst ein Verständnis über die Aufgaben und Funktionen der Vermögensbewirtschaftung gewinnen. Darüber hinaus sollten sie in die Lage versetzt werden, alle potenziellen Asset-Klassen in deren Grundzügen zu verstehen.

Dies erlaubt es den Vermögensinhabern, zielgerichtet zu diskutieren und die wesentlichen Inhalte der Family-Office-Strategie festzulegen. Beispielsweise ist es wichtig, Eckpunkte zu den relevanten Anlageklassen, der strategischen Asset Allocation sowie dem Umfang illiquider Anlagen festzuhalten.

Eine zentrale Frage beim Aufbau eines Family Office ist, ob auf eigene Ressourcen, also die Vermögensinhaber und ihre Angestellten, oder externe Dienstleister zurückgegriffen werden soll. Um dies abzuwägen, sind sowohl die Kosten als auch qualitative Aspekte, wie die Expertise, der Zugang zu Investitionsmöglichkeiten sowie die Fähigkeit, die besten Manager herauszufiltern, relevant.Auch sind bereits bei der Strategieentwicklung rechtliche oder steuerliche Anforderungen an die Struktur zu identifizieren, die sich zum Beispiel aus dem Alter, dem Familienstand oder dem steuerlichen Wohnsitz des Vermögensinhabers ergeben.

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Viele im institutionellen Asset Management seit Jahren etablierte Praktiken und Instrumente sind auch für Single Family Offices relevant und werden dort zunehmend eingesetzt.

Ein Beispiel dafür ist die stärkere Verankerung der strategischen Asset Allocation bei Family Offices. Hierbei geht es darum, in einem regelmäßig zu wiederholenden Optimierungsprozess, die langfristig zielkonforme Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen zu ermitteln. Kriterien, wie der Anlagehorizont, Renditeziele, die Risikotoleranz, Liquiditäts- und Entnahme-Erfordernisse sowie das Rendite-Risiko-Profil der Anlageklassen, bilden dafür die Basis.

Eine besondere Herausforderung ist dabei, illiquide Anlageklassen wie Private Equity in die Modelle zu integrieren. Ein weiteres Beispiel ist die regelmäßige kritische Überprüfung der strategischen Gesamtausrichtung sowie der bestehen- den Strukturen im Rahmen eines institutionalisierten Strategic Review.

Der zeitliche, personelle und finanzielle Aufwand bei der Umsetzung der Family-Office-Strategie variiert je nach gewählter Strategie stark. Der erste Schritt ist in der Regel, die passende rechtliche und steuerliche Struktur zu schaffen. Der Vermögensinhaber sollte eine Lösung wählen, mit der er als institutioneller Investor handeln und bessere sowie günstigere Investitionsmöglichkeiten nutzen kann.

Im Folgenden sind Fragen der Governance beziehungsweise der Organisation der Entscheidungsprozesse sowie der Aufbau- und Ablauforganisation zu klären. Anschließend wird die Struktur mit Leben erfüllt. Wichtig ist dabei, sowohl die geeigneten Experten zu finden als auch deren Zusammenarbeit zu koordinieren.

Der Wunsch, von Anfang an ein optimales Team zusammenzustellen, und die häufig langen Bindungszeiten von Spezialisten, können sich dabei als Herausforderung erweisen. Nachdem die letzte Projektphase abgeschlossen ist, kann mit dem eigentlichen Investieren begonnen werden.

Bis dahin aber gilt die alte Regel, dass erstens niemand investieren muss und dass zweitens ohne Strategie niemand investieren sollte.

Über die Autoren:
York Hosak ist Geschäftsführer der Beratungsfirma Strategic Family Office Advisors und Gründungspartner von Hosak Racky & Partner. Darüber hinaus ist der 49-Jährige Geschäftsführer eines europäischen Single Family Office.

Thomas Racky ist Geschäftsführer der Strategic Family Office Advisors sowie Partner von Hosak Racky & Partner. Die Unternehmen beraten Familie und deren Family Offices zu strategischen und betriebswirtschaftlichen Fragen sowie bei M&A- und Corporate-Finance-Transaktionen.