Private Debt im Private Banking „Für das Private-Wealth-Segment eignen sich eher Eltif-Strukturen“

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Ketzerisch gefragt: Brauchen Sie denn unbedingt Private Debt? Zinsen gibt es schließlich auch wieder auf der liquiden Seite des Portfolios.

Jasperneite: Die Hoffnung ist, dass bei Private Debt die Spreads relativ zu liquiden Anleihen nicht so dramatisch zusammenschmelzen. Das würde zusätzliche Renditequellen offenlegen. Und viel wichtiger: Per Definition korrelieren Anleihen und Private Debt nicht miteinander, weil die Korrelation bei Private Debt nicht täglich zu sehen ist. Das kann man sich zunutze machen. Ein vermögender Kunde ist also nach wie vor gut beraten, einen Teil seines Vermögens auch in nicht-liquiden Assets zu parken und dort zu halten.

Lange: Das reduziert die Volatilität in der gesamten Portfoliostruktur. Dazu ein Beispiel: Wir haben in den vergangenen Jahren an den Anleihemärkten in regelmäßigen Abständen Liquiditätskrisen erleben müssen. Problem war also nicht mal unbedingt die Bonität des Emittenten und die Zahlungsfähigkeit, sondern die Bewertbarkeit und die Verfügbarkeit. Der große Vorteil von nicht-liquiden Assets ist, dass ich genau das nicht sehe. Die meisten und
womöglich falschen Entscheidungen treffen Investoren ja dann, wenn der Markt nervös wird.

Jasperneite: Und dann agieren sie prozyklisch. Gerade auch institutionelle Investoren haben Wertuntergrenzen, die eingehalten werden müssen. Das macht die Sache dann noch prozyklischer.

Thomas Lange
Thomas Lange © Christoph Fröhlich

Lange: Das können Private-Debt-Produkte in gewisser Weise verhindern. Sie sind im Prinzip eher vergleichbar mit einer Immobilie als mit Renteninvestments. Immobilien werden auch nicht täglich bewertet. Solange die Mieteinnahmen fließen und die Refinanzierungsseite stabil bleibt, ist auch der Einfluss auf das Portfolio gering. Das gilt für Private Debt analog, wenn es gut gemanagt ist.

Was ist beim Management entscheidend, Frau Bode?

Bode: Es bedarf einer gewissen Expertise bei der Breite von Private-Debt-Angeboten. Dann gibt es noch die Unterscheidung zwischen Senior- und subordinierten Krediten. Die Gefahr ist: Private Debt verwirrt so manchen Investor und bedarf guter Berater oder Institutionen, die den Kunden helfen. Gerade auch in Zeiten, in denen Investoren nervös werden.

Jasperneite: Die Frage aus Privatkundensicht ist dann natürlich: Was für einen Vorteil bietet denn beispielsweise Corporate Lending gegenüber Infrastruktur?

Bode: Ich würde nicht sagen, dass eine Nische besonders gut und eine besonders schlecht ist. Aber es braucht unterschiedliche Kompetenzen. Wir kommen beispielsweise aus dem Corporate-Bereich, kennen uns daher mit der Analyse von Kreditrisiken und der Unternehmen selbst aus.

 

Warum gehen die Kreditnehmer nicht einfach zur Bank?

Bode: Private Debt hat von der Evolution der vergangenen Jahre profitiert: Banken werden bei der Kreditvergabe zögerlicher. Aber die Unterscheidung liegt auch im Motiv und Bedarf der Unternehmen: Für eine normale Betriebsmittelfinanzierung ist die Bank der bessere Finanzierer. Wenn eine Firma aber einen größeren Wettbewerber akquirieren will und mehr Leverage benötigt, schrecken Banken zurück oder verlangen eine aggressive Tilgung. In solch einem Fall können Private-Debt-Investoren eine Finanzierung strukturieren, die zwar teurer, für das Unternehmen aber angemessener ist. Was ich klarstellen möchte: Private Debt finanziert also nicht bloß Unternehmen, die von den Banken wegen ihrer misslichen Lage nicht finanziert werden, sondern auch Unternehmen, die besondere Finanzierungen benötigen.

Lange: Aus Investorensicht ist natürlich vor allem interessant, welche Kennzahlen bei diesen Investments relevant sind und wie Fondsanteile bei Risiken bewertet werden. Die größte Gefahr von Private-Debt-Produkten ist schließlich, dass mehrere Kreditnehmer gleichzeitig in Schieflage geraten – und dann wünsche ich mir als Investor entsprechende Kompetenz. Werden dann zusätzliche Fondsanteile zu spät neu bewertet, kann das für böse Überraschungen sorgen.