Multi-Asset und Volatilität Marktdynamik bringt aktiven Anlegern neuen Schwung

Hinter der Kurve geht es wieder nach oben: Anleger stehen derzeit im Spannungsfeld von Angst und Chancen. | © Getty Images

Hinter der Kurve geht es wieder nach oben: Anleger stehen derzeit im Spannungsfeld von Angst und Chancen. Foto: Getty Images

Ed Perks, CIO von Franklin Templeton Multi-Asset Solutions

Mit dem Jahresbeginn waren zweifelsohne viele Aktienanleger froh, das Jahr 2018 endlich hinter sich lassen zu können. Insbesondere die erhöhte Volatilität im vierten Quartal überraschte viele Anleger.

Schlagzeilen und Kommentare zum bemerkenswerten Anstieg der Marktvolatilität dominierten den Jahresausklang 2018. Wir müssen an dieser Stelle daran erinnern, dass die Volatilität 2017 außerordentlich gering war – Anleger hatten sich zu sehr in einem Wohlfühl-Modus eingerichtet. Aus unserer Sicht markierte das 2018 die Rückkehr zu normaleren Volatilitätsniveaus.

Eine strukturelle Verschlechterung der Fundamentaldaten am Markt ist jedoch gegenwärtig nicht zu erkennen. Daher unterscheidet sich die jüngste Marktentwicklung stark von früheren großen Abverkäufen, etwa im Jahr 2008.

Die jüngste Rückkehr einer normalen Volatilität kommt angesichts von Faktoren wie der Verlangsamung der globalen Konjunkturentwicklung und der Handelsspannungen zwischen den USA und China nicht überraschend. Politische Unsicherheiten, verstärkt durch den längsten Government-Shutdown in der US-Geschichte, haben ihr Übriges getan, um die Anleger in der Defensive zu halten.

Unseren Einschätzungen und Beobachtungen nach dürfte der zunehmende Einfluss des rechnergestützten Handels sowie quantitativer Modelle, die auf Datenmustern basieren, die extreme Volatilität zum Jahresende 2018 hervorgerufen haben. Die extremen Marktschwankungen entsprechen nicht den Fundamentaldaten der Unternehmen.

Einfluss der Geldpolitik schwächt sich ab

Um die zukünftige globale Konjunkturentwicklung einschätzen zu können, achten wir genau auf Anzeichen für eine Verlangsamung der US-Wirtschaft. So senkte die US-Notenbank (Fed) ihre Schätzung für das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts für 2019 im Dezember 2018 auf 2,3 Prozent gegenüber 2,5 Prozent im September. Zum Vergleich: 2018 lagen die Wachstumsprognosen sogar noch bei fast 3 Prozent.

Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, der als guter Maßstab für die Einschätzung der Industrietätigkeit gilt, verzeichnete für Dezember sein niedrigstes Niveau seit Ende 2016. Wir berücksichtigen, dass die Vorteile aus den Steuersenkungen, die das US-Wachstum 2018 stützten, im kommenden Jahr weiter schwinden. Dennoch zeigen viele positive Nachrichten aus der Wirtschaft und vor allem der jüngste überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht, dass es viel Potenzial für eine weiterhin gute Konjunkturentwicklung gibt.

Die Märkte stehen jedoch weiterhin nicht zuletzt auch unter dem Einfluss der Geldpolitik der US-Notenbank. Waren für 2019 vom Fed-Chef Jerome Powell vier Zinsanhebungen vorgesehen, schwenkt die Fed angesichts einer abkühlenden Konjunktur auf einen weniger aggressiven Kurs um. Derzeit peilt die Fed nur zwei Zinsanhebungen für 2019 an.

Finanztitel werden interessant

Insgesamt sehen wir weiterhin Spielraum für Gewinnwachstum und verbesserte Aktienrenditen – wenn auch wohl erst in einigen Monaten, wenn die Anlegerstimmung sich nicht mehr an den politischen Turbulenzen entzündet und stattdessen nachhaltigen Fundamentaldaten mehr Beachtung geschenkt wird.

Auf Sektorebene verdienen aus unserer Sicht insbesondere Finanztitel eine nähere Betrachtung. Banken sehen sich durch die mögliche Pause im Zinsanhebungszyklus der Fed enormem Druck ausgesetzt. Doch ihre oft soliden Bilanzen und stetes Gewinnwachstum bieten chancenreiche Kaufanreize. Anleger sollten jedoch stets genau hinsehen und konsequent selektiv vorgehen.

Bein einigen anderen Sektoren ist größere Vorsicht geboten. Hierzu zählt der Energiesektor, der der ungewissen Ölpreisentwicklung unterliegt. Volatilität stellt Anleger ins Spannungsfeld von Angst und Chancen. Wir als Asset Manager sehen ein sich änderndes Umfeld als Chance zur Anpassung von Portfolios und zur möglichen Aufnahme neuer Positionen.

Die Marktvolatilität kommt unserem Investment-Ansatz entgegen, der nach dem Bottom-up-Prinzip verläuft. Dank unseres entschieden aktiven Managements können wir vielversprechende Chancen für die uns anvertrauten Portfolios entdecken.