private banking magazin: Eltif 2.0 hat viele Hoffnungen geweckt. Hat die Regulierung tatsächlich mehr Anleger in den Markt gebracht oder vor allem mehr Anbieter?
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private banking magazin: Eltif 2.0 hat viele Hoffnungen geweckt. Hat die Regulierung tatsächlich mehr Anleger in den Markt gebracht oder vor allem mehr Anbieter?
Steffen Pauls: Bislang hat Eltif 2.0 vor allem mehr Anbieter in den Markt gebracht. Das ist allerdings ein normaler erster Schritt. Die Regulierung ist allerdings eine wichtige Weiterentwicklung: Sie schafft europaweit eine standardisierte und für Privatanleger zugängliche Struktur, um Zugang zu privaten Märkten zu erhalten.
Entscheidend ist nun die Qualität der Produkte. In einigen Fällen entwickelt sich das Produktdesign schneller als das Verständnis der Anleger. Das gilt insbesondere für Evergreen-Strukturen, die ein Maß an Liquidität suggerieren können, das die zugrunde liegenden Vermögenswerte tatsächlich nicht bieten.
Anleger brauchen deshalb Klarheit über die Produktstruktur, die Kosten und die konkreten Liquiditätsbedingungen. Niedrige Mindestanlagesummen allein sind noch keine Demokratisierung. Eine echte Demokratisierung bedeutet, privaten Investoren Zugang zu Investmentchancen und Informationen in institutioneller Qualität zu eröffnen.
Vier Milliarden Euro verwaltetes Vermögen sind eine wichtige Marke für Moonfare. Was sagt diese Zahl über die Qualität Ihres Geschäfts aus und welche Marke wollen Sie in fünf Jahren erreichen?
Pauls: Die Marke von vier Milliarden Euro ist für uns weniger als Schlagzeile relevant, sondern vielmehr als Beleg dafür, wie widerstandsfähig unser Geschäft ist. Im ersten Halbjahr 2026 haben wir Nettozuflüsse von 313 Millionen Euro verzeichnet – unser stärkstes Halbjahr seit 2022. Das ist vor dem Hintergrund eines verhaltenen Fundraising-Umfelds besonders bemerkenswert.
Ebenso wichtig ist, wie sich dieses Wachstum zusammensetzt. Mehr als 20 Prozent der neuen Mittel flossen in Strategien, die wir selbst verwalten. Das zeigt, dass sich Moonfare zunehmend zu einem eigenständigen Asset Manager entwickelt.
In den kommenden fünf Jahren geht es uns deshalb nicht nur darum, das verwaltete Vermögen weiter zu steigern. Wir wollen die zentrale Anlaufstelle für private Investoren mit größeren Vermögen werden, die sich ein vollständiges Private-Markets-Portfolio aufbauen wollen – über Primärfonds, Sekundärmarktinvestments, Co-Investments, Evergreen-Strukturen und Direktinvestments hinweg.
Wie schätzen Sie die viel diskutierte Exit-Schwäche ein und wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Pauls: Der Exit-Markt ist nicht zum Erliegen gekommen, bleibt aber sehr uneinheitlich. Unsere Halbjahresanalyse zeigt, dass die Zahl der weltweiten Exits im zweiten Quartal in Folge zurückgegangen ist. Der Anstieg des gesamten Exit-Volumens wurde zudem maßgeblich durch eine einzige sehr große Transaktion bestimmt. Bereinigt um diesen Effekt bleibt das Bild verhalten.
Für Moonfare unterstreicht dieses Umfeld, wie wichtig eine sorgfältige Managerselektion und der Zugang zum Sekundärmarkt sind. Wenn Ausschüttungen unter Druck stehen, richten Anleger ihren Fokus stärker auf Qualität und auf zusätzliche Liquiditätsoptionen.
Das ist ein Grund dafür, dass die Nachfrage nach sorgfältig ausgewählten Co-Investments und Sekundärmarktengagements weiterhin robust ist. Insofern sind schwache Exit-Märkte eine Herausforderung für den Gesamtmarkt. Gleichzeitig erhöhen sie aber die Relevanz unseres Modells.
Wo steht Moonfare im Branchenvergleich? Wer sind Ihre größten Wettbewerber?
Pauls: Der Markt befindet sich noch im Aufbau, und die Wettbewerber kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Einige sind Technologie- und Vertriebsplattformen, andere General Partner, die eigene Vertriebswege für Direktinvestoren entwickeln. Hinzu kommen klassische Produktanbieter.
Moonfare nimmt eine besondere Position ein, weil wir auf einer Plattform sorgfältige Investmentauswahl, Zugang zu privaten Märkten und die Entwicklung hauseigener Produkte miteinander verbinden. Wir prüfen jährlich mehr als 500 Investmentmöglichkeiten und nehmen davon rund fünf Prozent auf die Plattform auf.
Zudem verfügen wir über eine Größenordnung, die nur wenige unserer engsten Wettbewerber erreichen: Wir verwalten rund vier Milliarden Euro für Investoren in 24 Ländern. Darüber hinaus verfügen wir über eine Bafin-Lizenz, die die Bereiche Vermittlung, Anlageberatung und Finanzportfolioverwaltung abdeckt.
Diese Kombination aus Selektionsdisziplin, regulatorischer Kompetenz und internationaler Reichweite ist nur schwer zu replizieren. Das Wettbewerbsumfeld würde ich deshalb weit fassen: Dazu gehören grundsätzlich alle Anbieter, die für private Vermögen zur zentralen Infrastrukturebene für Investments in Private Markets werden möchten.
Welche Prioritäten haben Sie in den kommenden Jahren: Wachstum, Profitabilität, Internationalisierung oder Produkte?
Pauls: Kurzfristig liegen unsere Prioritäten auf Wachstum und einer größeren Produkttiefe. Wir werden weiterhin in unsere Infrastruktur, Compliance, Servicequalität und unseren Investmentprozess investieren. Auf der Produktseite wollen wir sowohl unsere eigenen Strategien als auch Strukturen ausbauen, die eine bessere Portfoliozusammenstellung ermöglichen. Das gilt insbesondere für Co-Investments, Sekundärmarktinvestments und Evergreen-Lösungen.
Auch die Internationalisierung bleibt wichtig. Die größere Chance sehen wir derzeit jedoch darin, unsere Präsenz in den bereits adressierbaren Märkten weiter zu vertiefen. Das zentrale Thema all dieser Maßnahmen ist, den Anteil des verwalteten Vermögens zu erhöhen, der über Produkte erzielt wird, die wir selbst entwickeln und verwalten.
Die Performance-Unterschiede zwischen Managern sind enorm. Wie stellen Sie sicher, dass Anleger tatsächlich Zugang zu den besten Fonds erhalten?
Pauls: Die Auswahl der richtigen Manager ist die zentrale Herausforderung an den privaten Märkten, weil die Performance-Unterschiede sehr groß sind. Daten von J.P. Morgan Asset Management zeigen für den Zeitraum von 2015 bis 2025 eine Differenz von rund 19,5 Prozentpunkten zwischen Private-Equity-Manager im obersten und im untersten Quartil.
Der Zugang zur Anlageklasse allein reicht deshalb nicht aus. Die entscheidende Frage lautet: Wie erhalten Anleger Zugang zu den richtigen Managern? Moonfare prüft jährlich mehr als 500 Investmentmöglichkeiten und wählt rund fünf Prozent davon für die Plattform aus. Dabei betrachten wir nicht nur die erzielten Renditen.
Wir analysieren auch die Konsistenz der Ergebnisse über verschiedene Marktzyklen hinweg, die Stabilität des Teams, die Nachfolgeplanung und die Fähigkeit, operativ nachhaltigen Mehrwert zu schaffen. KI hilft uns, die Marktabdeckung zu erhöhen und Muster früher zu erkennen. Die finale Auswahl bleibt jedoch eine menschliche Investmententscheidung.
Ist der Zweitmarkt inzwischen ein fester Bestandteil von Private-Markets-Strategien?
Pauls: Ja, Sekundärmarktinvestments sind inzwischen ein zentraler Bestandteil der Portfolioallokation in privaten Märkten und längst nicht mehr nur ein Instrument zur punktuellen Liquiditätsbeschaffung. Der Grund ist einfach: Die Haltedauern werden länger, Exits erfolgen langsamer, und sowohl Limited Partner als auch General Partner benötigen flexiblere Möglichkeiten, Liquidität zu schaffen.
Für Investoren können Secondaries drei strukturelle Vorteile bieten: schnellere Ausschüttungen, ein geringeres Blind-Pool-Risiko und in vielen Fällen einen Einstieg mit einem Abschlag auf den Nettoinventarwert. Zudem können sie den J-Curve-Effekt verkürzen.
Gleichzeitig wechseln jährlich nur etwa ein bis zwei Prozent des globalen NAV in Private Markets die Besitzer. Der Markt verfügt daher weiterhin über erhebliches Wachstumspotenzial. Secondaries sind somit bereits etabliert, aber noch weit von einem ausgereiften Markt entfernt.
Welche Rolle können KI und datengetriebene Analysen künftig bei der Auswahl von Fondsmanagern spielen?
Pauls: Für uns ist das bereits gelebte Praxis und kein Zukunftsszenario. KI ist vor allem bei den mechanischen Bestandteilen der Due Diligence hilfreich – etwa bei der Dokumentenprüfung, der Strukturierung von Daten und dem Erstellen erster Modelle.
In einem konkreten Beispiel konnte eine sogenannte Value Bridge deutlich schneller erstellt werden. Was früher rund zwei Stunden erforderlich gedauert hat, funktioniert inzwischen in etwa fünf Minuten.
Der strategische Punkt ist jedoch nicht allein die Geschwindigkeit. An den privaten Märkten werden sich aus unserer Sicht die Unternehmen durchsetzen, die proprietäre Daten, leistungsfähige Prozesse und menschliches Urteilsvermögen besser miteinander verbinden als andere. Es geht um einen datengetriebenen Wettbewerbsvorteil, der sich nur schwer kopieren lässt.
Uns ermöglicht KI, eine größere Zahl von Investmentmöglichkeiten zu prüfen, Muster früher zu erkennen und interne Prozesse neu zu gestalten. Dadurch kann sich das Investmentteam stärker auf die eigentliche Beurteilung konzentrieren. Was KI nicht leisten kann, ist, dieses Urteilsvermögen zu ersetzen. Die finalen Investmententscheidungen bleiben somit in menschlicher Hand.
Was beobachten Sie aktuell bei Ihren Kunden? Wie wollen Family Offices und vermögende Privatanleger?
Pauls: Wir beobachten eine klare Verschiebung: weg von einer zugangsorientierten hin zu einer qualitätsorientierten Nachfrage. Anleger stellen detailliertere Fragen zur Managerselektion, zur Produktstruktur, zu den Liquiditätsbedingungen und zur Visibilität künftiger Ausschüttungen.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei Family Offices, die sich zunehmend wie institutionelle Investor:innenverhalten. Sie achten genauer auf den Distributions-to-Paid-in-Kapital-Quotienten, kurz DPI, auf die organisatorische Stabilität der Manager und auf den Zugang zu Co-Investments. Die ausgewiesene Rendite allein steht nicht mehr im Mittelpunkt.
Gleichzeitig bleibt der Private-Wealth-Markt eine wichtige Nachfragequelle. Viele dieser Anleger sind nicht in gleichem Maße mit den Herausforderungen institutioneller Limited Partner konfrontiert – etwa dem Denominator-Effekt oder verzögerten Ausschüttungen. Der Markt wird also selektiver, nicht aber uninteressierter.
Darüber hinaus sehen wir ein zunehmendes Interesse an KI, allerdings geprägt von einer disziplinierteren Perspektive: die Faszination für die prominentesten Namen nimmt ab. Stattdessen liegt der Fokus verstärkt auf der Frage, wo im gesamten Ökosystem nachhaltiger Wert geschaffen wird.
Erwarten Sie im zweiten Halbjahr eine echte Belebung des Exit-Marktes oder verschiebt sich die Erholung erneut?
Pauls: Ich rechne mit einer Erholung, allerdings noch nicht mit einer breit angelegten Belebung. Bei der IPO-Aktivität und der Zahl entsprechender Anträge gibt es ermutigende Signale. Auch die Kursentwicklung nach dem Börsengang war bei mehreren von Private-Equity- oder Venture-Capital-Investor:innen unterstützten Unternehmen positiv.
Die entscheidende Frage ist jedoch, ob sich diese Entwicklung über eine Handvoll prominenter Unternehmen hinaus ausweitet. Der Rückstau älterer Portfoliounternehmen ist weiterhin groß. Zudem lassen sich viele Investments, die im Niedrigzinsumfeld getätigt wurden, nach wie vor nur schwer zu attraktiven Bewertungen verkaufen.
Die Richtung weist somit nach oben, die Erholung bleibt aber selektiv. Eine nachhaltigere Öffnung des Exit-Marktes wird vor allem von den Zinsbedingungen und vom Vertrauen in eine belastbare Preisbildung abhängen.
Welche Private Markets halten Sie derzeit für besonders attraktiv?
Pauls: Drei Bereiche stechen aus meiner Sicht hervor: Erstens europäische Mid-Market-Buyouts. Dort sind die Einstiegspreise angemessener, und die operative Wertschöpfung spielt eine größere Rolle als finanzielle Optimierung durch Fremdkapital. Zweitens Sekundärmarktinvestments. Sie bieten einen defensiveren Einstiegszeitpunkt, schnellere Ausschüttungen und strukturelle Unterstützung durch den bestehenden Exit-Rückstau. Drittens ausgewählte Softwareinvestments und besonders die KI-Infrastruktur.
Die Chancen liegen hier weniger bei den offensichtlichsten und bereits vollständig eingepreisten Modellunternehmen. Interessanter sind aus unserer Sicht die zugrunde liegenden Infrastrukturebenen – etwa Rechenzentren, Energieversorgung, Cybersicherheit und weitere Enabler. Um dieses Thema zu adressieren, haben wir eine technologieorientierte Strategie mit Schwerpunkt auf KI aufgelegt.
Ein gemeinsames Merkmal dieser Bereiche ist, dass der Markt operative Qualität wieder stärker honoriert. Eine Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren ist weniger wahrscheinlich als in den vergangenen Jahren. Besonders attraktiv sind daher Bereiche, in denen Manager durch erfolgreiche Umsetzung Wert schaffen können – und nicht ausschließlich durch den Einsatz von Fremdkapital oder das richtige Markttiming.
Wenn Sie heute ein neues Portfolio für einen vermögenden Privatanleger zusammenstellen würden: Welchen Anteil würden Private Markets darin idealerweise einnehmen?
Pauls: Einen allgemeingültigen Prozentsatz gibt es nicht. Die angemessene Allokation hängt vom Liquiditätsbedarf, dem Anlagehorizont und der gesamten finanziellen Situation der Investoren ab. Für erfahrene, langfristig orientierte Anleger sollten Private Markets jedoch in der Regel einen substanziellen Bestandteil des Portfolios bilden und nicht nur eine marginale Beimischung sein.
Institutionelle Portfolios weisen häufig eine Private-Markets-Allokation von etwa 20 bis 30 Prozent auf. Das kann auch für private Vermögen ein sinnvoller Orientierungswert sein – vorausgesetzt, die Allokation wird schrittweise aufgebaut und an das individuelle Liquiditätsprofil der Anleger angepasst.
Entscheidend ist nicht nur die Höhe der Allokation, sondern auch ihre konkrete Ausgestaltung. Eine Kombination aus geschlossenen Fonds, Sekundärmarktinvestments und Evergreen-Strukturen kann einen ausgewogeneren Zugang zu dieser Anlageklasse ermöglichen.
All dies ersetzt selbstverständlich keine individuelle Anlageberatung.
Über den Interviewten:
Steffen Pauls ist Gründer und Co-CEO des Asset Managers Moonfare, der sich auf Investments in Privatmärkte wie Private Equity konzentriert. Pauls verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Private Equity, bis 2016 war er für die Beteiligungsgesellschaft KKR tätig und dort für den deutschen Markt verantwortlich.