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Der strategische Punkt ist jedoch nicht allein die Geschwindigkeit. An den privaten Märkten werden sich aus unserer Sicht die Unternehmen durchsetzen, die proprietäre Daten, leistungsfähige Prozesse und menschliches Urteilsvermögen besser miteinander verbinden als andere. Es geht um einen datengetriebenen Wettbewerbsvorteil, der sich nur schwer kopieren lässt.
Uns ermöglicht KI, eine größere Zahl von Investmentmöglichkeiten zu prüfen, Muster früher zu erkennen und interne Prozesse neu zu gestalten. Dadurch kann sich das Investmentteam stärker auf die eigentliche Beurteilung konzentrieren. Was KI nicht leisten kann, ist, dieses Urteilsvermögen zu ersetzen. Die finalen Investmententscheidungen bleiben somit in menschlicher Hand.
Was beobachten Sie aktuell bei Ihren Kunden? Wie wollen Family Offices und vermögende Privatanleger?
Pauls: Wir beobachten eine klare Verschiebung: weg von einer zugangsorientierten hin zu einer qualitätsorientierten Nachfrage. Anleger stellen detailliertere Fragen zur Managerselektion, zur Produktstruktur, zu den Liquiditätsbedingungen und zur Visibilität künftiger Ausschüttungen.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei Family Offices, die sich zunehmend wie institutionelle Investor:innenverhalten. Sie achten genauer auf den Distributions-to-Paid-in-Kapital-Quotienten, kurz DPI, auf die organisatorische Stabilität der Manager und auf den Zugang zu Co-Investments. Die ausgewiesene Rendite allein steht nicht mehr im Mittelpunkt.
Gleichzeitig bleibt der Private-Wealth-Markt eine wichtige Nachfragequelle. Viele dieser Anleger sind nicht in gleichem Maße mit den Herausforderungen institutioneller Limited Partner konfrontiert – etwa dem Denominator-Effekt oder verzögerten Ausschüttungen. Der Markt wird also selektiver, nicht aber uninteressierter.
Darüber hinaus sehen wir ein zunehmendes Interesse an KI, allerdings geprägt von einer disziplinierteren Perspektive: die Faszination für die prominentesten Namen nimmt ab. Stattdessen liegt der Fokus verstärkt auf der Frage, wo im gesamten Ökosystem nachhaltiger Wert geschaffen wird.
Erwarten Sie im zweiten Halbjahr eine echte Belebung des Exit-Marktes oder verschiebt sich die Erholung erneut?
Pauls: Ich rechne mit einer Erholung, allerdings noch nicht mit einer breit angelegten Belebung. Bei der IPO-Aktivität und der Zahl entsprechender Anträge gibt es ermutigende Signale. Auch die Kursentwicklung nach dem Börsengang war bei mehreren von Private-Equity- oder Venture-Capital-Investor:innen unterstützten Unternehmen positiv.
Die entscheidende Frage ist jedoch, ob sich diese Entwicklung über eine Handvoll prominenter Unternehmen hinaus ausweitet. Der Rückstau älterer Portfoliounternehmen ist weiterhin groß. Zudem lassen sich viele Investments, die im Niedrigzinsumfeld getätigt wurden, nach wie vor nur schwer zu attraktiven Bewertungen verkaufen.
Die Richtung weist somit nach oben, die Erholung bleibt aber selektiv. Eine nachhaltigere Öffnung des Exit-Marktes wird vor allem von den Zinsbedingungen und vom Vertrauen in eine belastbare Preisbildung abhängen.
Welche Private Markets halten Sie derzeit für besonders attraktiv?
Pauls: Drei Bereiche stechen aus meiner Sicht hervor: Erstens europäische Mid-Market-Buyouts. Dort sind die Einstiegspreise angemessener, und die operative Wertschöpfung spielt eine größere Rolle als finanzielle Optimierung durch Fremdkapital. Zweitens Sekundärmarktinvestments. Sie bieten einen defensiveren Einstiegszeitpunkt, schnellere Ausschüttungen und strukturelle Unterstützung durch den bestehenden Exit-Rückstau. Drittens ausgewählte Softwareinvestments und besonders die KI-Infrastruktur.
Die Chancen liegen hier weniger bei den offensichtlichsten und bereits vollständig eingepreisten Modellunternehmen. Interessanter sind aus unserer Sicht die zugrunde liegenden Infrastrukturebenen – etwa Rechenzentren, Energieversorgung, Cybersicherheit und weitere Enabler. Um dieses Thema zu adressieren, haben wir eine technologieorientierte Strategie mit Schwerpunkt auf KI aufgelegt.
Ein gemeinsames Merkmal dieser Bereiche ist, dass der Markt operative Qualität wieder stärker honoriert. Eine Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren ist weniger wahrscheinlich als in den vergangenen Jahren. Besonders attraktiv sind daher Bereiche, in denen Manager durch erfolgreiche Umsetzung Wert schaffen können – und nicht ausschließlich durch den Einsatz von Fremdkapital oder das richtige Markttiming.
Wenn Sie heute ein neues Portfolio für einen vermögenden Privatanleger zusammenstellen würden: Welchen Anteil würden Private Markets darin idealerweise einnehmen?
Pauls: Einen allgemeingültigen Prozentsatz gibt es nicht. Die angemessene Allokation hängt vom Liquiditätsbedarf, dem Anlagehorizont und der gesamten finanziellen Situation der Investoren ab. Für erfahrene, langfristig orientierte Anleger sollten Private Markets jedoch in der Regel einen substanziellen Bestandteil des Portfolios bilden und nicht nur eine marginale Beimischung sein.
Institutionelle Portfolios weisen häufig eine Private-Markets-Allokation von etwa 20 bis 30 Prozent auf. Das kann auch für private Vermögen ein sinnvoller Orientierungswert sein – vorausgesetzt, die Allokation wird schrittweise aufgebaut und an das individuelle Liquiditätsprofil der Anleger angepasst.
Entscheidend ist nicht nur die Höhe der Allokation, sondern auch ihre konkrete Ausgestaltung. Eine Kombination aus geschlossenen Fonds, Sekundärmarktinvestments und Evergreen-Strukturen kann einen ausgewogeneren Zugang zu dieser Anlageklasse ermöglichen.
All dies ersetzt selbstverständlich keine individuelle Anlageberatung.
Über den Interviewten:
Steffen Pauls ist Gründer und Co-CEO des Asset Managers Moonfare, der sich auf Investments in Privatmärkte wie Private Equity konzentriert. Pauls verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Private Equity, bis 2016 war er für die Beteiligungsgesellschaft KKR tätig und dort für den deutschen Markt verantwortlich.