private banking magazin: Welche Perspektive haben Sie auf die Private Markets – woher kam Kapital, und welche Bewegungen waren besonders überraschend?
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private banking magazin: Welche Perspektive haben Sie auf die Private Markets – woher kam Kapital, und welche Bewegungen waren besonders überraschend?
Steffen Pauls: 2025 war kein klassisches Comeback-Jahr, sondern ein Jahr des selektiven Neustarts. Die Märkte haben sich wieder geöffnet, Kapital kehrte zurück – aber sehr gezielt. Gerade im Private-Wealth-Segment sehen wir eine neue Klarheit: Investoren folgen nicht mehr dem Markt, sondern haben einen klaren Anspruch und achten auf Qualität. Managerselektion, Orientierung auf Distributions to Paid-In Capital (kurz DPI, Ausschüttungsquote) und Liquiditätsprofile sind daher inzwischen zentrale Entscheidungskriterien. Das ist ein gesunder Reifeprozess.
Warum entwickelt sich privates Vermögen aus Ihrer Sicht zum dynamischsten Zuflusskanal im Private-Equity-Ökosystem – und wie nachhaltig ist dieser Trend?
Pauls: Private Wealth ist kein Lückenfüller für schwaches Fundraising, sondern ein struktureller Wachstumstreiber. Vermögende Investoren agieren langfristig, diversifizieren gezielter und akzeptieren im Rahmen einer strategischen Allokation insgesamt höhere Illiquidität. Gleichzeitig eröffnen Semi-Liquid-Strukturen und Secondaries zusätzliche Liquiditätsoptionen. Private Equity ist für diese Anleger kein Rendite-Add-on mehr, sondern ein fester Baustein im Portfolio.
Dieser Trend ist aus unserer Sicht nachhaltig, weil Angebot und Nachfrage zusammenwachsen: Auf der Investorenseite steigt die Allokationsbereitschaft, auf der Produktseite entstehen professionell strukturierte Zugänge wie semi-liquids, die besser zu den Bedürfnissen privater Anleger passen. Diese Dynamik speist sich aus dem Wachstum privater Vermögen und aus der wachsenden Anerkennung von Private Markets als strategische Allokationsklasse.
Viele klassische Fundraising-Kanäle bleiben angespannt. Welche Rolle übernehmen Private-Wealth-Investoren künftig in der Kapitalstruktur von PE-Fonds?
Pauls: Wir sehen eine klare Verschiebung: Der Markt polarisiert sich. Kapital ist vorhanden, aber nicht für alle. In diesem Umfeld wird Private Wealth zu einem stabilisierenden Faktor – vorausgesetzt, die Fonds liefern klare Antworten auf Strategie, Governance und Wertschöpfung. Private Anleger sind nicht weniger anspruchsvoll als institutionelle Investoren. Im Gegenteil: Sie verlangen Klarheit, Disziplin und Verlässlichkeit. Für Fonds mit klarer Strategie und überzeugender Wertschöpfungsstory, nachhaltigem DPI-Fokus, transparentem Risikomanagement und klarer Governance kann Private Wealth künftig ein stabiler, verlässlicher Bestandteil der Kapitalbasis sein.
Der Secondaries-Markt boomt. Wird dieser 2026 zur dominierenden Liquiditätsquelle im Ökosystem – oder wie schätzen Sie das ein?
Pauls: Secondaries sind kein Ersatz für Exits, sondern Ausdruck einer reiferen Marktarchitektur. In einer Welt längerer Haltedauern sind sie das Ventil, das Liquidität ermöglicht, ohne Wert zu zerstören2026 werden Secondaries weiter wachsen – nicht als Notlösung, sondern als strategisches Instrument für Investoren und Manager gleichermaßen.
Gleichzeitig bleiben sie Teil eines breiteren Liquiditäts-Ökosystems, nicht seine alleinige Quelle. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie nach wie vor nur ein Prozent des gesamten nicht realisierten Werts auf den privaten Kapitalmärkten ausmachen.
NAV-Finanzierungen gelten als flexibles Werkzeug, werden aber auch kritisch gesehen. Welche Chancen und Risiken erwarten Sie 2026?
Pauls: NAV-Finanzierungen sind kein Allheilmittel, aber ein legitimes Werkzeug. Sie sorgen für Flexibilität, etwa für Wachstum oder zur Stabilisierung von Ausschüttungen, wenn Exits noch Zeit brauchen
Entscheidend ist der Umgang damit: saubere Bewertungen, transparente Kommunikation und ein diszipliniertes Risikomanagement. Ohne diese Grundlagen werden flexible Instrumente schnell zum Problem.
Sie sprechen von „operativer Wertschöpfung als neuer Währung“ – wie verändert das die Anforderungen an Fondsmanager und Portfoliounternehmen?
Pauls: Der Markt hat sich gedreht. Heute entscheidet operative Exzellenz über Outperformance – Umsatzwachstum, Effizienz, Pricing, Umsetzungskraft. Fonds, die diese Fähigkeiten systematisch aufgebaut haben, setzen sich ab. Der Rest spürt die Spreizung – und sie wird 2026 immer größer. Wachstum, Effizienz und tiefe sektorale Expertise sind wieder der Maßstab.
Künstliche Intelligenz: Welche konkreten Einsatzfelder im Private-Equity-Management sehen Sie heute schon – und was ist in naher Zukunft realistisch?
Pauls: Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Sie beschleunigt Analysen, verbessert Entscheidungen und hebt operative Prozesse auf ein neues Niveau – von Due-Diligence-Analysen über Preis- und Operative-Optimierung bis hin zu Prognosen und Investoren-Kommunikation.
Vor diesem Hintergrund rechne ich damit, dass die Technologie in den kommenden 12–24 Monaten noch stärker in operative Playbooks integriert wird und damit systematisch Wertbeiträge messbar machen. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wer KI punktuell einsetzt – und wer sie wirklich in seine Wertschöpfungslogik integriert. Das wird im PE-Management ein klarer Differenzierungsfaktor sein.
Energiethemen bleiben virulent: Wo finden PE-Investoren 2026 Chancen zwischen Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit und Infrastruktur?
Pauls: Attraktiv sind die Bereiche, in denen Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und essenzielle Dienstleistungen zusammenkommen – mit langfristiger Nachfrage und belastbaren Cashflows. Themen wie Energieinfrastruktur, Versorgungssicherheit und die Verbindung zu digitalen Ökosystemen lassen sich nicht isoliert betrachten. Sie ist die Basis für Digitalisierung, KI und wirtschaftliche Resilienz. Der Ausbau von Rechenzentren und digitaler Infrastruktur erzeugt massiven Bedarf an Strom, Netzen und Effizienzlösungen – und schafft strukturelle Investmentchancen.
Blick auf Moonfare: Wie haben sich Nachfrage, Produktauswahl und Struktur Ihrer Fondsangebote im vergangenen Jahr verändert – und wie gehen Sie die nächste Marktphase an?
Pauls: Nach den Boomjahren 2021 und 2022 ist 2025 für uns das beste Jahr der Firmengeschichte. Gleichzeitig sehen wir eine klare Verschiebung in der Investorennachfrage: Es geht nicht mehr um Zugang um jeden Preis, sondern um Orientierung – mit einem deutlichen Fokus auf Qualität und differenzierte Strategien. Genau hier sehen wir unsere Rolle: Moonfare steht für selektiven Zugang, konsequente Managerselektion und Strategien mit Substanz.
Mit Blick auf die Zukunft erweitern wir bewusst unser Produktportfolio, um den Bedürfnissen unserer Kunden noch umfassender gerecht zu werden. Dazu gehört eine hochwertige Palette proprietärer und dritter semi-liquid Fonds, darunter exklusive Strategien von Managern mit eingeschränktem Zugang.
Darüber hinaus schaffen wir Mehrwert für unsere Investoren durch hochwertige Wissens- und Bildungsformate sowie direkten Zugang zu Spezialisten: exklusive Q&A-Sessions mit führenden Managern, Peer-to-Peer-Formate innerhalb der Community sowie Zugang zu exklusiven White Papers auf Basis proprietärer Daten. So verschaffen wir unseren Kunden einen klaren Wissens- und Entscheidungsvorteil gegenüber klassischen Anbietern.
Was erwarten Sie für 2026: Entspannung beim Fundraising, stärkere Portfolioaktivität – oder bleibt der Markt selektiv mit erhöhtem Anspruch an Qualität und Governance?
Pauls: 2026 wird mehr Aktivität bringen, aber wir erwarten keine Rückkehr zur alten Leichtigkeit. Wie bereits erwähnt bleibt Fundraising polarisiert: Kapital wird zu etablierten, klar differenzierten Managern fließen, mit der Konsequenz, dass andere Manager längere Timelines und weniger Planungssicherheit sehen werden. Exits und Deals sollten weiter anziehen, allerdings selektiv: Käufer zahlen für Resilienz und Wachstumssubstanz, nicht für Hoffnung.
Secondaries und Continuation Vehicles werden deshalb zu zentralen Liquiditätshebeln, solange unrealisiertes Portfoliovermögen und verlängerte Haltedauern den Markt prägen. Entscheidend wird auch die operative Wertschöpfung – und ein DPI- und Governance-Fokus, der Realisation konsequent mitdenkt. In diesem Marktumfeld wird die Auswahl der Manager wichtiger denn je sein, da die Wertschöpfung nun maßgeblich die Performance bestimmt. Wir sind überzeugt: Das wird die neue Normalität sein.
Zugang zu Private Equity wird immer niederschwelliger. Wie stellen Sie sicher, dass Renditeversprechen und Risiken bei Privatinvestoren richtig verstanden werden?
Pauls: Mit mehr Zugang wächst auch die Verantwortung. Transparenz über Liquidität, Haltedauern und Risiko-Rendite-Profile ist keine Option, sondern Voraussetzung. Klare Kommunikation und auch Bildung sind essenziell, damit Privatinvestoren realistische Erwartungen entwickeln. Private Equity gehört in ein langfristig orientiertes Portfolio, da die Streuung der Renditen deutlich höher ausfallen kann als an den öffentlichen Märkten. Aber es ist auch eine illiquide und komplexe Anlageklasse. Diesen Aspekt müssen alle verstehen, die hier investieren möchten.
Ebenso wichtig ist es, mit dem richtigen Partner zusammenzuarbeiten, um von den attraktivsten Chancen zu profitieren. Unser Anspruch bei Moonfare ist daher es, nicht nur Produkte bereitzustellen, sondern Transparenz zu schaffen und Orientierung zu geben. Wir wollen Investoren befähigen, langfristig zu denken. Dazu gehört auch, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Beispielsweise wollen wir durch unsere kürzlich geschlossene Partnerschaft mit dem internationalen Netzwerk World.Minds unserer Community Instrumente an die Hand geben, mit denen sie die Qualität ihrer Entscheidungen verbessern kann.
Über den Interviewten:
Steffen Pauls ist Gründer und Co-CEO des Asset Managers Moonfare, der sich auf Investments in Privatmärkte wie Private Equity konzentriert. Pauls verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Private Equity, bis 2016 war er für die Beteiligungsgesellschaft KKR tätig und dort für den deutschen Markt verantwortlich.
