Mögliche Zinssenkung Draghi setzt gebeutelte Banken unter Druck

Claus Tumbrägel ist Vorstand bei Nordix in Hamburg und verantwortet die Bereiche Portfolio Management, Brokerage und Vertrieb.  | © Nordix

Claus Tumbrägel ist Vorstand bei Nordix in Hamburg und verantwortet die Bereiche Portfolio Management, Brokerage und Vertrieb. Foto: Nordix

Bereits seit September 2014 leiden Banken unter den Negativzinsen der EZB. Seitdem hat sich die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe von seinerzeit noch 0,9 Prozent auf einen aktuellen historischen Tiefststand von – 0,32 Prozent reduziert, obwohl das Anleihekaufprogramm der EZB – das die Zinsen niedrig gehalten hat – eigentlich Ende 2018 ausgelaufen ist.

Nun hat EZB-Präsident Mario Draghi beim EZB Symposium im portugiesischen Sintra die Aussicht auf allmählich wieder steigende Zinsen endgültig zunichte gemacht: Die EZB wird die Geldpolitik weiter lockern, erwägt weitere Zinssenkungen sowie, bei Bedarf, eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms.

Aus Sicht der EZB ist der Schritt folgerichtig, wenn man sich die Entwicklung der relevanten Indikatoren ansieht. Zunächst bietet die Konjunktur in Euroland ein trauriges Bild. In Deutschland ist mit dem vielbeachteten ZEW-Konjunkturindex ein wichtiger Indikator im Mai förmlich eingebrochen. Zusätzlich aber hat die Inflationserwartung einen neuen Tiefstand erreicht.

Die EZB misst die Inflationserwartung am langfristigen Inflationsforward – also die Erwartung der Inflation in 5 Jahren für 5 Jahre. Dieser Forward hat mit 1,2 Prozent den niedrigsten je gemessenen Stand erreicht. Zur Erinnerung: Als im März 2015 dieser Index auf einen Wert von 1,5 Prozent gefallen war, wurde seinerzeit das Anleihekaufprogramm gestartet.

Die jetzt angekündigten weiteren Maßnahmen nähren die Erwartung weiter sinkender Zinsen und führen dazu, dass Liquidität in längerlaufende verzinsliche Anlagen umgeleitet wird. Dies führt zu einer weiteren Verflachung der Zinsstrukturkurve und lässt sich an dem Umstand ablesen, dass gegenwärtig Bundesanleihen bis zu einer Laufzeit von 15 Jahren durchgängig negative Renditen aufweisen. Auch auf der für Banken wichtigen Euro-Swap Kurve sind die Renditen inzwischen bis zu sieben Jahren negativ.