Mögliche Kaufinteressenten HSH Nordbank blickt nach Fernost

Glaubt eher an einen chinesischen Käufer als einen aus dem europäischen Ausland: Thomas Mirow, Vorsitzender des Aufsichtsrats der HSH. | © Getty Images

Glaubt eher an einen chinesischen Käufer als einen aus dem europäischen Ausland: Thomas Mirow, Vorsitzender des Aufsichtsrats der HSH. Foto: Getty Images

Wenn Thomas Mirow mögliche Käufer für die seit dieser Woche zum Verkauf stehende HSH Nordbank in Betracht zieht, glaubt er, dass sich für die Landesbank eher ein chinesischer Bewerber finden wird als ein Käufer aus einem europäischen Nachbarland.

Entgegen dem Druck der europäischen Gesetzgeber, grenzüberschreitende Verbindungen zu stärken, sind Banken wegen strengerer regulatorischer Vorschriften und gesunkener Profitabilität „immer noch dabei, ihre Bilanz zu verkürzen und nicht sie zu erweitern“, sagt Mirow, Vorsitzender des Aufsichtsrats der HSH.

Die in Hamburg ansässige Landesbank mit derzeit 88 Milliarden Euro an Aktiva könnte für einen chinesischen Käufer interessant sein, um Zugang zum deutschen Mittelstand zu erhalten, erklärt er in einem Interview mit Bloomberg in Frankfurt.

Die enge Verbindung der HSH zu mittelständischen Unternehmen „kann für Fernost ein interessanter Gesichtspunkt sein“, sagt Mirow, 64.

Das Ausbleiben von europäischem Kaufinteresse bedeutet für die beiden HSH-Mehrheitseigentümer, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, dass ihre Hoffnung für einen strategischen Investor an Asien oder Deutschland hängt. Die europäische Union hat für den Verkauf der HSH eine Frist bis Ende Februar nächstes Jahr gesetzt. Größeres Interesse könnte den Verkaufspreis und die Chance für ein Weiterbestehen der Bank erhöhen.

Im Rückzug

Mirows Ansicht steht im Gegensatz zu den Zielen der europäischen Gesetzgeber und Regulierer, die das europäische Finanzsystem mit einer so genannten Bankenunion innerhalb des Blocks weiter stärken möchten. Die größten Banken des Kontinents haben nach der Finanzkrise nur langsam ihr Kapital erhöht und ziehen sich derzeit eher auf ihre nationalen Märkte zurück und reduzieren ihre Risiken, um der strengeren Bankenregulierung gerecht zu werden.

Der Verkauf der HSH wurde von der Europäischen Union als Teil der Restrukturierung auferlegt, um ein Fortbestehen der Bank zu ermöglichen. In Vorbereitung auf den Verkauf der Bank wurden 5 Milliarden Euro an notleidenden Krediten in eine separate Bad Bank unter Kontrolle der Länder ausgegliedert und die Bank plant, weitere 3,2 Milliarden Euro an Kredit-Altlasten, inklusive Schiffs- und Immobilienfinanzierungen, zu veräußern.

Die HSH hatte vor der Finanzkrise enorme Risiken aufgenommen in dem Versuch, über ihre lokalen Wurzeln als regionales Finanzinstitut für Unternehmen und Sparkassen hinaus auf den globalen Finanzmärkten zu agieren.

Obwohl Investitionen von chinesischen Firmen einer größeren regulatorischen Prüfung unterzogen werden, um nationale Sicherheitsbedenken zu genügen, könnte der Bank-Standort nahe Deutschlands größtem Hafen mit starken Handelsbeziehungen nach Asien dieses Szenario für die Bank eröffnen.

Mirow, der 2013 auf Ex-Deutsche Bank Chef Hilmar Kopper bei der HSH folgte, sieht auch Interesse von deutschen Kreditinstituten für eine Übernahme. „Ganz einfach, weil es Sinn macht“, sagt er, ohne dies weiter zu erläutern.

Strategisches Interesse

Mirow sieht, wie schon der Vorstandsvorsitzende Stefan Ermisch im Dezember, die Möglichkeit, dass sich Bieter mit einem strategischen Interesse am Kerngeschäft der Bank mit Distressed-Loan-Interessenten zusammenschließen. Letztere sehen die Möglichkeit, aus dem Ankauf der notleidenden Kredite der HSH, die unter anderem auch 8 Milliarden Euro Schiffsfinanzierungen enthalten, einen Gewinn zu machen.

„Die Eigentümer würden die Übernahme der gesamten Bank durch einen strategischen Investor bevorzugen, aber man muss sich mit der Realität auseinandersetzen,“ sagt Mirow. Interessierte Parteien können noch bis Anfang März indikative Gebote abgeben, während finale Gebote in der von der Citigroup begleiteten Transaktion im Spätsommer erwartet werden. Sollte ein Verkauf nicht zu Stande kommen, hat die EU die Abwicklung der Bank vorgegeben.

In einer separaten Transaktion soll ein etwa 1,6 Milliarden Euro umfassendes Kreditportfolio, ebenfalls eine Vorgabe der EU, veräußert werden - und Mirow sieht einen Abschluss der Transaktion „in den nächsten Tagen“ und damit etwa einen Monat später als zunächst angenommen.

Der erste Teil der von der UBS Group geführten Transaktion stieß auf starkes Interesse von den „üblichen Interessenten“ im Distressed-Loan-Markt, sagt er. Der Markt wird von US-Namen wie Cerberus Capital Management LP, Oaktree Capital Group und Lone Star Funds dominiert wird.