Modulbau Quadratisch, praktisch, aber auch gut?

Modulbau: Quadratisch, praktisch, aber auch gut?

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„In der Bauwirtschaft wird noch nach Prinzipien gearbeitet, die in anderen Industrien schon lange nicht mehr angewendet werden“, sagt Horst Wildemann, Professor an der Technischen Universität in München und Chef der Unternehmensberatung TCW Transfer Centrum. „Ein Umdenken in Richtung des industriellen Hausbaus nach einem Baukasten-Prinzip, ist längst überfällig.“

Zusammen mit Manfred Grundke, Geschäftsführer des weltbekannten Gipsplattenherstellers Knauf aus dem fränkischen Iphofen, will Wildemann den Hausbau zukunftsfähig machen. Ihr Plan: Einzelne Module wie Bad, Küche und Wohnzimmer werden am Fließband gefertigt und auf der Baustelle wie Legosteine zusammengesetzt. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Der Konfigurator an dem sich Kunden ihr modulares Traumhaus per Maus zusammenklicken können ist aberin Arbeit.

Einige Fragen sind dabei noch ungeklärt. Beispielsweise, ob es günstiger ist, Bauteile zu transportieren, oder vor Ort herstellen zu lassen. „Die Nachfrage nach industriell gefertigtem und gleichzeitig individuellem Wohnraum zu bezahlbaren Kosten steigt stetig an. Sowohl Endkunden als auch die Industrie haben erkannt, dass ein Umdenken unerlässlich ist“, so Wildemann.

Die Industrie suche bereits händeringend nach Lösungen. Das Bauunternehmen Bilfinger beispielsweise will den Anteil an modular vorgefertigten Elementen signifikant erhöhen und verweist darauf, dass beim Neubau, und auch bei der Sanierung von Plattenbauten, bereits vorgefertigte Bauteile, beispielsweise Treppen, verwendet werden. „Ich bin immer wieder fasziniert, was im modularen Bau schon möglich ist“, sagt Michael Schäffler, Vertriebsleiter bei Cadolto, einem Spezialisten auf diesem Gebiet. Das Unternehmen aus Cadolzburg bei Fürth ist auf den Klinikmarkt spezialisiert, hat aber aufgrund der Flüchtlingskrise vor kurzem auch die Initiative „Social Homes“ ins Leben gerufen.

Aktuell baut Cadolto im norwegischen Kirkenes beispielsweise eine Klinik mit extremen Dämmwerten. Schäffler: „Statt üblicherweise bis 140 Millimeter Mineralwolle verwenden wir hier bis zu 300 Millimeter.“ Gebäude könnten zudem an einem Ort ab- und an einem komplett anderen Ort wieder aufgebaut werden. „Das ist ohne Qualitätsverlust beliebig oft möglich“, so Schäffler. Grundsätzlich sei der Ablauf beim Modulbau immer der Gleiche, egal, ob Wohnung, Klinik, Hotel oder Bürohaus. Der Kern der Module bestehe aus einem Stahlgittergerüst, das mit Gipsfaserplatten beplankt werde. „Ansonsten verwenden wir dieselben Baustoffe wie ein konventionelles Bauunternehmen.“